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Mittwoch, 23. Januar 2019

Revue passieren lassen: Jahresrückblick 2018

Hoffman 

Gelistet werden unsere persönlichen Highlights der Filme, die wir im letzten Jahr zum ersten Mal gesehen haben oder uns noch nachhaltig im Gedächtnis blieben, deren Bilder und die in ihnen verborgenen Gefühle uns immer noch verfolgen. Eine Liste in Bildern und Fakten.



#1 Die irre Heldentour des Billy Lynn 
(OT: Billy Lynn’s Long Halftime Walk | Ang Lee | USA, GB, TWN 2017)

#2 Flucht ins Ungewisse
(OT: Running on Empty | R: Sidney Lumet | USA 1988)


#3 Die Frau jener Nacht
(R: Yasujiro Ozu | J 1930)


#4 Underworld U.S.A. 
(R: Samuel Fuller | USA 1961)


#5 The Night of Counting the Years
(R: Chadi Abdel Salam | AGY 1969)

Cameron

Wie immer stelle ich 5 Filmpaarungen zusammen, aus Filmen, die ich dieses Jahr gesehen habe und die mir besonders gut gefallen haben.



Distant Voices, Still Lives (Terence Davies, UK 1988)
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Summer of '42 (Robert Mulligan, USA 1970)





Mein langsames Leben (Angela Schanelec, D 2001)
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Village of the Damned (John Carpenter, USA 1995)





Kaili Blues (Bi Gan, C 2016)
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Crimson Tide (Tony Scott, USA 1995)




Die Bergkatze (Ernst Lubitsch, D 1921)
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Which Way to the Front? (Jerry Lewis, USA 1970)




Brooklyn - Gusinje (Zelimir Zilnik, YU 1988)
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Starman (John Carpenter, USA 1984)


Donnerstag, 17. Juli 2014

Wenn der Fan zum Feind wird - Kritik: The Fan (1996)





Obsession, Besessenheit, Fanatismus und die Fankultur, das sind doch spannende Themen um daraus einen Film zu basteln. Ein bisschen hat das bei Tony Scott dann etwas von Scorsese. So entwickelt Scott sein fatales Spiel (im Sport) bis hin zum Katz- und Mausspiel seiner beiden Protagonisten, von Verehrer und Verehrtem, so als würde hier Scorsese´s »King of Comedy« auf dessen anderes Werk »Cape Fear« treffen, was die Brücke zwischen allen drei Filmen darstellt? De Niro! Das Andere hat nur theoretisch etwas miteinander zu schaffen, handwerklich sieht das bei beiden sowieso verschieden aus. So widmet sich Scott für seinen Film einem uramerikanischen Sport: Dem Baseball. Fängt Jubel, die Massen, Euphorie und die Stimmung im Stadion, unterlegt vom feurigen und passend-stoneslastigen (= Sympathy for the Devil, Start me up, Gimme Shelter) Soundtrack, in erhitzenden und anfangs noch faszinierenden (da durchaus wirkungsvoll eingesetzten) Bildern, welche stilistisch von Lichtkontrasten und Sonnenstrahlen geprägt sind, ein.



Zwei Seiten des Sportes, zwei Seiten diesen Sport auszuüben, als aktiver Part, der den Sport und den Ausgang des Spiels selbst bestimmt, oder als passiver Teil, als Fan und Unterstützer. Es geht im gewissen Sinne aber auch um die zwei Blickpunkte von Gewinner, der Profit aus dem Sport schlägt und Verlierer, der an ihm hängt und dadurch alles verliert, sich in seinen Wahn hinein steigert und schließlich aus Verzweiflung und Scheitern Wut werden lässt. Die Superstarrolle des Baseballspielers Bobby Rayburn (Wesley Snipes) ist erwartungsgemäß flach geschrieben und gespielt, auch wenn letzteres jetzt von meiner Warte aus doch äußerst harsch klingt. Da dominiert nun auch in erster Linie die tragische Figur von beiden, im wesentlichen auch dadurch, dass De Niro sie tragend mimt. Die Spannung entsteht durch De Niro, der tobend und energisch, verbissen und zornig oder impulsiv und drastisch in seiner Rolle aufgeht, dass die Tragik der Rolle für gewisse Momente wirksam wird, so jene Momente wenn Scott auf die Beziehung zu seinem Sohn und seiner von ihm geschiedenen Frau (wenngleich sie nur die sorgenvolle Verbindungslinie zur Beziehung des Sohnes  ist) eingeht, auf seinen Job und seinen Hang zum Spiel, eben dann wenn sich Scott diesem Charakter widmet und ihn versucht für den Zuschauer empfänglich zu machen, was er in Teilen schafft, um ihn langsam in den Abgrund zu reißen.



Auf seinen Weg dahin mischt er das mit altbekannten (= u.a. der Krankenbesuch), bringt diese bekannten Stationen des Themas aber auf eine unerwartet angenehme und zeitweilig interessante Weise rüber, was möglicherweise auch mit De Niros Präsenz zu tun haben könnte, nichtsdestotrotz, dass die Geschichte berechenbar ist. Die Nebenfiguren mögen dazu zwar prominent besetzt sein mit Del Toro, Leguizamo oder Barkin, viel Gehalt steckt in ihren Figuren aber nicht. Der Fan stützt sich also dann auf das, was ihm geblieben ist. Auch wenn ich anmerken möchte, dass sich diese Verehrung sich mehr auf den Sport richtet als auf als auf eine Einzelperson, das ist natürlich logisch, für mich aber im Bezug auf das letzte Drittel dann doch wahllos gemacht. Erst folgt der Anhang, die Bitte nach Dankbarkeit, dann die Enttäuschung samt eskalierender Entwicklung (= 08/15-Entführung des Sohnes des Baseballsstars), ein schematisches und jawohl hohles letztes Drittel, bei dem Scott zudem auch noch den Hintergrund und die Tragik, also die vorhergehende Charakterisierung seiner Fanfigur fast vollkommen außer Acht und liegen lässt, er macht es sich dann zu einfach, spielt das einfache Spiel vom Guten und vom Bösen, er stilisiert diese Figur zum einfachen Psychopathen. Da herrscht im Finale einfallslose Hysterie bei Regen, wobei der Regen seine Wirkung nicht verfehlt, nur dabei die äußerlich schon beschädigte Logik (von Zeit und Raum) ankratzt, das ist aber verzeihlich. Letztlich bleibt das Endprodukt etwas enttäuschend, auch wegen des vorhandenen Potenzials, das Scotts Film in sich birgt, wenngleich De Niro dabei weiß seine Rolle gekonnt zu mimen.




6.0 / 10

Autor: Hoffman 

Mittwoch, 30. April 2014

Die Leiden der Unsterblichen - Kritik: Begierde (1983)


Tony Scott experimentiert in seinen ersten Spielfilm, welcher thematisch in gewisser Weise als Vampirfilm bezeichnet werden kann, mit seiner angetrauten Videoclipästhetik und dem Genre an sich, er liefert dazu doch einen überraschend eigenwilligen Film als sein Debüt ab. Schon die erste Szene enthüllt Scotts technisches Verständnis für das Visuelle: Eine Disko, Menschen und Körper in Bewegung, eine qualmende Zigarette, Deneuve und Bowie, ein wilder, beinahe schon fragmentarischer Schnitt; eine Szene, welche den Geist der 80er Jahre ganz eigensinnig widerspiegelt. Schon dort bemerkt man, dass Scott ganz auf den Stil seines Films bedacht ist, formal ist das bestechend inszeniert, wie Scott diese Spaltung von Licht und Schattenmotiven vornimmt, wie er die weißen Schleier wehen lässt, wie bedacht er auf die Fotografie einiger Momente und Posen ist, als Beispiel wie verführerisch er Catherine Deneuve in Szene setzt, die sich hier mit ihrer Performance wahrscheinlich vor der »Blutgräfin« Delphine Seyrig verneigt. Besonders mutig ist hier natürlich der Moment, in dem Scott die erotischen Spannungen zwischen Deneuve (= der Verführerin) und Sarandon (= diejenige, die verführt wird) in einer elegant-sinnlichen Liebesszene gipfeln lässt. 



Weiterhin lebt Scott hier für das ästhetische Spiel mit den Bildern. Manchmal ist er exzessiv wie ein Biss, manchmal ist er aber auch ganz leise und still wie ein Sonnenaufgang. Dabei kreist sein Film um Themen der Ewigkeit von Leben und Tod, von der ewigen Liebe, von Sterblichkeit und der Tragik der Unsterblichkeit, von dem Leid, der Ewigkeit als Fluch, von der Gier (= wie ein Herzschlag) nach der Selbsterhaltung und der Unmöglichkeit des Sterbens. Scotts Film lebt von seiner Bildsprache, hier ersetzen die Bilder die Erzählung. Es wird bebildert, nicht  unbedingt erzählt, denn wenn man es aus der narrativen Perspektive betrachtet, so wirkt Scotts Film dabei uneinheitlich, ja geradezu ziellos und ungelenkig. Dagegen muss man die Bilder halten, welche kühl daherkommen und damit auch eine gewisse Distanz halten, aber das Faszinierende ist daran, dass diese edlen Bilder ebenso etwas sehr fragiles an sich haben, was sich weiterhin durch die blassen, hellblauen Stiche in etwas wehmütiges und ja sehnsüchtiges in Hinsicht der Bildsprache verwandelt, was wiederum auch thematisch sehr gut zu der inhaltlichen Melancholie des Films passt, die den Film antreibt. Diese Leere reflektiert das Innere der Protagonisten, so kommt es einem vor, wenn man auf Bowies Charakter schaut, dies drückt seine Qualen aus, macht sie für den Zuschauer durch die Bilder greifbar. Die Form wird also zu etwas inhaltlichem. Vielleicht ist es in dieser Hinsicht das interessanteste Werk in Tony Scotts Filmographie, ein ambitioniertes Debüt ist ihm mit »The Hunger« auf jeden Fall gelungen.


7.0 / 10

Autor: Hoffman

Donnerstag, 18. April 2013

Das grölende Ungeheuer eines Güterzuges - Kritik: Unstoppable - Außer Kontrolle (2010)




Tony Scott zaubert in seinem letzten Film aus wahren Ergebnissen ein Hochgeschwindigkeitswerk, wieder einmal ist es die Uhr, die gegen seine Protagonisten läuft und zum Tempo anstachelt. Zu Beginn wird aber erst das Feinbild aufgezeigt, schwindelerregend und imposant sind die ersten strahlenden Einstellungen des Güterzugs, die fast schon an eine Naturgewalt erinnern lassen. Kurz danach nährt sich Scott seinen Charakteren, sodass er sich kurz darauf in die Geschwindigkeit stürzen kann. Inkompetenz verlangt Kompetenz, eine Mischung aus menschlichen Versagen und zufälligen Pech führen zum führerlosen Zug. Dabei ist sich Scott aber auch seiner Erdichtung bewusst und kommentiert das Fiasko logisch. Eine Gefahr, die unter Kontrolle gebracht werden muss und die anderen Züge (u.a. einer mit einer Schulklasse an Bord, demnach Kindern als Symbol der Unschuld) umgeleitet, mit verschiedenen Möglichkeiten, in aller erster Linie gilt auch hier noch: Das Geld hat Vorrang.


Der Zug wird also zur Bedrohung (»Bombe!«) stilisiert, so ist der Güterzug auch eine Bestie, bezeichnend dafür ist ihr mechanisches Grölen und Brüllen, die sich ihren Weg bannt. Ein echter Antagonist, der Eindruck hinterlässt. In diesem Fall ist er Konchalovskys »Runaway Train« gar nicht so unähnlich. Auch wenn Scotts »Unstoppable« als eine Art Gegenentwurf dazu gesehen werden kann, wo bei Konchalovsky das Umland völlig entvölkert war und es um einen Überlebenskampf seiner zwei (bzw. drei) Protagonisten ging, sieht Scott die Gefahr darin, dass es bevölkert ist und der Zug sich damit zur dichten Besiedlung in das Stadtgebiet durcharbeitet, somit spitzt er die Lage im Verlauf der Geschichte fortlaufend zu. Erzählt ohne Schnörkel, äußerst flott, für scottsche Verhältnisse zurückhaltend und geradlinig und ohne weitere Ausschweifungen, mit rasanten Schnitten und Toneinflüssen.




Scotts Film ist eigentlich konstant in Bewegung und in Aktion, wenn er die Kamera um seine Protagonisten kreisen lässt oder aus der Vogelperspektive filmt, den rasenden Zug mit der Kamera einfängt. So veranschaulicht dies Scott aber auch durch Umschnitte auf verschiedene Handlungsstränge und Facetten, die parallel zueinander laufen. Dieses ständige Umschwenken mag durchaus seine Berechtigung haben, da Scott somit die Dramatik verstärkt und die Hektik gegenüber den Charakteren zum Ausdruck bringt, doch stört diese teils unkoordinierte und übereilte Aufteilung mehr als, dass sie von nutzen scheint. Was schade ist, denn seine stärksten Momente findet »Unstoppable« in kurzen kammerspielartig wirkenden Momenten, in denen sich Scott nur auf seine beiden Protagonisten (= Zugführer) konzentriert. Sie prägnant, wenn auch archetypisch, zeichnet, sodass man zumindest ein Bild von ihnen und ihren Problemen vor sich hat. Es sind die Gegensätzen, die sie ausmachen und das was sie verbindet, ihre Arbeit. Wie ein Generationskonflikt, der Alte und Erfahrene (souverän: Denzel Washington), der seinen Job mit Pflichtbewusstsein ausübt und der frische Neueinsteiger (Chris Pine), der von diesem belehrt wird und ihm Missgunst entgegenbringt, wegen seiner Privilegien. Zwei Männer, die im gegenseitigen Konflikt stehen und sich im Falle dieser Situation zusammenraufen müssen. Was für ein idealistisches Arbeiterbild. Daneben kennt Scotts Werk keinen Stillstand, sein letzter Film ist ein temporeicher Spaß - ohne Überraschungen und physikalische Gesetze, aber mit sympathischer Charakteristik.




6.0 / 10

Autor: Hoffman