Dienstag, 9. April 2013

Schöner werden Musicals nicht mehr - Klassiker der Extraklassse: Meine Lieder - meine Träume (1965)



„Radiance that floods the screen...and warms the heart!“




 
Schon die Eröffnungskamerafahrt quer durch luftige Höhen der Alpen bis zum Zoom gen Julie Andrews ist atemberaubend. Einschlägigen Quellen zufolge konnte sie sich bei deren Dreh kaum auf den Beinen halten, sobald der Helikopter (Kamerastandort) ihr zunahe kam.
Es folgt der erste von zahlreichen grandiosen Songs – nur bei der der ROCKY HORROR PICTURE SHOW kenne ich eine vergleichbare Anzahl an Hits - , die meisten werden erneut aufgenommen (Reprise), doch dazu später.
Maria (entzückend! J. Andrews) passt nicht wirklich zu den Nonnen ihres Salzburger Klosters und wird als neue Gouvernante zur Familie von Trapp beordert, bestehend aus dem Kapitänswitwer (Christopher Plummer) und seinen sieben Kindern (toll! allesamt!). Zu Anfangs herrscht in dem Anwesen noch feste Disziplin, der Tod der Mutter hat eine bleibende Lücke im Familiengefüge hinterlassen, doch schon nach kurzer Zeit bringt Maria etwas zurück, was lange als vergessen galt: die simplen Freuden der Musik.

Hierzulande noch immer verblüffend unbekannt, genießt THE SOUND OF MUSIC weltweit einen Status als Kultmusical. Inflationsbereinigt ist es der fünfterfolgreichste Film und doch ist das Edelweiß nur wenigen ein Begriff. Wie kommts? Ursprünglich wurden alle Kriegsbezüge sowie der komplette zweite Akt, der den Anschluss Österreichs zu Zeiten des Nationalsozialismus stärker in den Fokus rückt, entfernt. Das Kriegstrauma schien wohl noch zu aktuell. Es mag nicht verwundern, dass vor allem Amerikaner zu einer unbefangenen Rezeption des Stoffes fähig sind. Außerdem besaß Österreich zum Veröffentlichungszeitpunkt bereits zwei nationale Filmschätze, die sich mit der von Trapp-Familie beschäftigen und das Broadway-Musical inspirierten, aus dem dann die 1965er Version entstand, die vielleicht historisch nicht ganz akkurat sein mag (Die Flucht außerhalb der Landesgrenzen erfolgte bspw. Richtung Italien und nicht in die Schweiz). Who the hell cares?
Solch einer Farbenpracht und Spielfreude kann man sicht nur schwer entziehen, auch wenn – und das sollte jeder Rezipient für sich entscheiden – man der Ansicht sei, der Kitsch überwiege und die Heiterkeit wirke geradezu enervierend. Man mag zu der vorsichtigen Ansicht gelangen: Nie war Julie Andrews besser. Auch nicht in ihrer wohl populärsten Rolle, die des Kindermädchens (!) Mary Poppins, die letztendlich zur Erziehung des Vaters in die Familie Banks eintrat. THE SOUND OF MUSIC besitzt zudem weniger, eigentlich gar keine Abnutzungserscheinungen als eben genannter. Sollte Andrews nicht schon 1964 den Oscar erhalten haben und sollten beide Rollen flüchtig betrachtet starke Parallelen aufweisen, so hätte sie ihn hierfür erhalten müssen. Abgeräumt hat TSOM dann gleich fünfmal (einschließlich bester Film), aber ich will nicht andeuten, solch ein amerikanischer Filmpreis hätte irgendeine Qualitätsbedeutung. 



„When you know the notes to sing, you can sing most any thing.“ Wenn letzten Endes die Sehnsucht besteht, selber zu den Schauplätzen um Salzburg zu reisen, wenn man bei jedem Lied nonchalant mit einstimmen möchte, wenn man der Familie Trapp voll und ganz wünscht, ihre Flucht vor den bedrohlichen Anhängern des NS möge um jeden Preis gelingen, wenn THE SOUND OF MUSIC zu den eigenen Olymp der Lieblingsmusical gezählt werden und man ein baldiges Wiedersehen mit der luftigen Szenerie kaum noch abwarten kann, dann steht unweigerlich fest: Die Musik hat ins Herz Einzug gehalten.


                                                                    9/10


Autor: DeDavid

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