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Mittwoch, 23. Januar 2019

Revue passieren lassen: Jahresrückblick 2018

Hoffman 

Gelistet werden unsere persönlichen Highlights der Filme, die wir im letzten Jahr zum ersten Mal gesehen haben oder uns noch nachhaltig im Gedächtnis blieben, deren Bilder und die in ihnen verborgenen Gefühle uns immer noch verfolgen. Eine Liste in Bildern und Fakten.



#1 Die irre Heldentour des Billy Lynn 
(OT: Billy Lynn’s Long Halftime Walk | Ang Lee | USA, GB, TWN 2017)

#2 Flucht ins Ungewisse
(OT: Running on Empty | R: Sidney Lumet | USA 1988)


#3 Die Frau jener Nacht
(R: Yasujiro Ozu | J 1930)


#4 Underworld U.S.A. 
(R: Samuel Fuller | USA 1961)


#5 The Night of Counting the Years
(R: Chadi Abdel Salam | AGY 1969)

Cameron

Wie immer stelle ich 5 Filmpaarungen zusammen, aus Filmen, die ich dieses Jahr gesehen habe und die mir besonders gut gefallen haben.



Distant Voices, Still Lives (Terence Davies, UK 1988)
+
Summer of '42 (Robert Mulligan, USA 1970)





Mein langsames Leben (Angela Schanelec, D 2001)
+
Village of the Damned (John Carpenter, USA 1995)





Kaili Blues (Bi Gan, C 2016)
+
Crimson Tide (Tony Scott, USA 1995)




Die Bergkatze (Ernst Lubitsch, D 1921)
+
Which Way to the Front? (Jerry Lewis, USA 1970)




Brooklyn - Gusinje (Zelimir Zilnik, YU 1988)
+
Starman (John Carpenter, USA 1984)


Mittwoch, 4. Mai 2016

Short Cuts: Jugendliche Nöte im Horrrorfilm

Christine (1983)


Carpenters Werk ist tatsächlich mehr ein kurzweiliger High-School-Film, der sich den jugendlichen Nöten seiner Figuren verschrieben zu haben scheint. Es geht um Potenz, Männlichkeit und Sexualität in diesem Werk. Am Anfang geht es nur um seine Figuren, die der Film braucht, weil er über sie funktioniert, über sie erzählt, mögen diese Außenseiter und insbesondere die (gesichtlos-machohaften) Bullys Klischees darstellen. Interessant ist auch, dass die Erzählperspektive nicht die des Außenseiters ist, sondern die von seinem eigentlich an der High-School akzeptierten Freund, der eine Art Mittlerfigur ist. Ansonsten ist Carpenters Werk natürlich auch ein Rock´n´Roll-Film, der von der Liebe zum Auto, zu einer Mörderkarre, das zum Objekt der Begierde wird, erzählt. Es erlebt eine Personifikation, wird zur weiblichen Femme Fatale. Auf der anderen Seite schildert er eine typische Coming-of-Geschichte, eine Geschichte des Scheiterns, einer Emanzipation eines verlachten Außenseiters, die ins Negative umschlägt. Kann man das eigentlich als konservativ begreifen? Vielleicht ist Carpenters Film das tatsächlich. Es würde nicht wundern. Sein Protagonist (der Außenseiter) macht erst eine äußerliche Wandelung durch und dieses Äußere infiziert zunehmend das Innere, lässt ihn zu einem Vampir werden. Das ist folglich auch im Kern eigentlich ein tragischer Film von einem Jugendlichen, der sich auf seinem Weg zum vollwertigen Erwachsenen verirrt, sich von seinen Freunden entzweit und die falsche Bahn einschlägt. Dabei erzählt Carpenter diese Entwicklung überraschend gemächlich, will aber in der zweiten Hälfte aber doch Schauwerte mit eher plumpen Effekten bedienen, die gewiss nicht ohne Reiz oder reizvolle Bilder sind, aber das Ganze doch manchmal eher in Richtung eines B-Movies rücken.

6.5 / 10


All The Boys Love Mandy Lane (USA 2006)



Es steckt Kraft in diesen Bildern, eine, die mich an Hoopers Texas Chainsaw Massacre erinnert. Das Terrain der Ranch, auf die sich die Jugendlichen ausliefern, womit die Abgeschiedenheit gegeben ist, ist ein urwüchsiges Feld, das Windräder ziert und von flirrender Hitze dominiert wird. Es ist ein Slasher, der besonders stark über seine Adoleszenz-Elemente arbeitet (auch bei Jonathan Levine spielen Außenseiter und ihre Beziehung zur Gruppe eine wichtige Rolle). Der Film will seine Figuren, die zwischen Lust und ihrem Leid tangieren, ernsthaft etablieren. Schaut zunächst in die Vergangenheit, denn Schatten liegen auch über dieser Geschichte. Es ist ein lustvoll spielender Film, der das Ganze auch mit sanften Augenzwinkern angeht. Alle wollen die Jungfrau Mandy Lane und sind zu allem bereit. Die Unschuld wird zu einem heiligen Gefäß, das jeder erringen will. Levine zeigt seine Jugendlichen zwischen Saufen und Verweilen als solche die Fassaden aufgebaut haben, aber dahinter sexuell frustriert sind. Jungen, die zu kleine Schwänze haben oder Mädchen, die Siliconbrüste brauchen. Aber auch sie können sich gewissen Konventionen des Genres nicht entziehen und sterben irgendwann wie die Mücken. Der Film ist nicht unbedingt spannend in konventioneller Hinsicht, aber allemal interessant im Umgang mit dem Slasher.

6.0 / 10


So finster die Nacht (2008)



Der Beginn ist eine mysteriöse Ankunft bei der Nacht, ein so typisches Motiv des Horrorfilms, in diesem aber doch so ungewöhnlichen Genrevertreter, der zwar Genreversatzstücke in seine Narration mit aufnimmt, aber etwas ganz anderes daraus macht. Es ist ein unterkühlt gefilmter Film, in dem der weiße Schnee bald schon rotes Blut tragen wird. Es ist schlichtweg ein Werk über das Ende der Unschuld. Der Film bewahrt in seiner schwedischen Tristesse als Kulisse eine kummervolle Traurigkeit in sich. Tomas Alfredson erzählt eine empfindsam beobachtete (und nur zeitweise dem Effekt verfallende) Außenseitererzählung, über einen blassen Jungen, der von seinen rotzigen Mitschülern gehänselt wird, und ein ebenso blasses geheimnisvolles Mädchen, die zueinander finden und auch zueinander halten. Es ist eine Geschichte über Einsamkeit und - wie typisch für Vampirfilme - unschuldige Liebe. Alfredson legt bei seiner Inszenierung besonders Bedacht auf Schärfeverlagerungen, hat damit einen aufmerksamen Blick auf seine Figuren, weil er bestimmt, wohin sein Fokus/Interesse in diesen teils dichten Einstellungsgrößen der Bilder gelegt wird und durch diese Dichte auch die Nähe zwischen den Figuren und zu den Figuren hergestellt wird. Es ist ein Film von grausamer Schönheit.

7.5 / 10

Autor: Hoffman 

Mittwoch, 28. Oktober 2015

Carpenterman Returns - Kritik: John Carpenters The Ward (2010)



John Carpenter macht es mir mit seinem ersten Langfilm nach fast zehnjähriger Pause ("Ghosts of Mars" wollte ich hier eigentlich nicht namentlich erwähnen, da selbst ich als Carpenter Fanboy bis in den Tod diesen Streifen einfach unterirdisch beschissen und nahe an der Grenze zum eigen Begräbnis, des von mir sehr bewunderten Regisseurs, fand. Aber gut, ich brauche einen Bezugspunkt, um "The Ward" bewerten zu können, denn - so viel sei gesagt -, er ist besser als "Ghosts of Mars". Daher auch diese riesige Klammer, da ich den Film "Ghosts of Mars" nicht im eigentlichen Text erwähnen will. Verschweigen und vergessen, sozusagen.) alles andere als leicht. Ich muss zugeben, ich habe nicht mal irgendwas Großartiges, geschweige denn Innovatives, erwartet, denn trotz Fanboy Bonus waren meine Erwartungen an dieses Filmwerk irgendwo im nirgendwo der Filmgeschichte; und genau dort befindet sich "The Ward" auch nach der Sichtung. Er ist nicht total schlecht, auch nicht einfach nur schlecht, allerdings auch nicht mittelmäßig, gut, genial oder sonstwas. Die einzige richtige Erkenntnis, die mir Kauf und Sichtung der DVD erbracht hat ist, dass John Carpenter tatsächlich wieder auf dem Regiestuhl Platz genommen hat, um einen abendfüllenden Film zu drehen. (Das war jetzt ein Ausflug in die Erkenntnistheorie, da man ja nie wissen kann, ob etwas wirklich existiert, solange man es nicht selbst gesehen hat. Allerdings ist das bei einer DVD auch wieder anstreitbar, da man ja nicht unmittelbar am Geschehen beteiligt ist, aber egal, ich muss bei der Sache bleiben...)



In Ordnung, John Carpenter sitzt auf dem Regiestuhl. Und wer ist sonst noch dabei? Aber sicher doch, ein Haufen junge Dinger, angeführt von Blondchen Amber Heard. Und wo sind die denn? Genau, in einer Psychiatrie in den 1960er Jahren. Gut, das ist schon mal nichts Neues, denn auch im Horrorfilm ist die Psychiatrie - in der Regel in geschlossener Form - ein gern gewählter Schauplatz, um den Zuschauer das Fürchten zu lehren. Man könnte jetzt allerdings auch ausschalten, da solche Irrenanstaltfilme immer nach einem ähnlichen Muster ablaufen, und man sich das nicht noch mal ansehen muss. Aber, aber. Schon vergessen, wer da Regie führt? Genau, der alte Onkel Carpenter! Und was ist eines seiner Lieblingsthemen? Kleiner Tipp: Jetzt bei Unkenntnis eventuell aufhören zu lesen, und sich "Dark Star", "Assault on Pricinct 13", "The Thing" (von Carpenter natürlich), "Escape from New York", "Halloween" oder einfach sonst welche Carpenter Filme ansehen, dann kommt man drauf, denn die Antwort dürfte auf der Hand liegen: Isolation. Und durch Isolation entsteht Klaustrophobie, und durch die entsteht Angst. (oder andersrum? Auch egal, ich bin kein Psychologe.) Und genau diese soll ein guter Horrorfilm in der Regel beim Zuschauer auslösen. Und da Mr. Carpenter schon gute bzw. sehr gute bzw. geniale Horrorfilme gedreht hat, ist das durchaus ein legitimer Grund, sich "The Ward" zu widmen. Gut, wer das jetzt also dann doch macht, dem tut das zwar nicht weh, aber irgendwie ist man auch enttäuscht: man ist die erste halbe Stunde mehr oder weniger stiller Beobachter der Ereignisse, und fragt sich beispielsweise, warum Carpenter die Eröffnungsszene, die darüberhinaus von einem merkwürdigen Score begleitet wird (Man stellt sich hier auch die Frage, warum Carpenter nicht selbst komponiert hat. "Halloween" zum Beispiel wäre niemals so gut ohne den Carpenter-Score. Vermutlich kann er es nicht mehr, oder er traut es sich nicht mehr. Macht mich irgendwie traurig der Gedanke.), nicht für eine Exposition alá "Halloween" (nicht wie in "Halloween", aber halt mit ähnlicher Wirkung), die den Zuschauer schon zu Beginn fesseln kann, nutzt. Stattdessen führt Carpenter das Geschehen und die Story um die geistig umnachtete Kristin in die Psychatrie, lässt aber in meinen Augen kaum eine Gelegenheit aus, um dem Zuschauer darauf hinzuweisen, auf was das Alles gegen Ende des Films hinauslaufen soll. (100%ig habe ich es natürlich nicht vorausgesehen, aber so etwas wie die Auflösung am Ende des Films schwirrte mir schon nach zehn Minuten im Kopf herum) Das klingt jetzt negativer, als ich es erlebt habe, denn inszenatorisch kann man das schon als durchaus gelungen bezeichnen, und Carpenter erzeugt, sobald man sich in der Psychiatrie befindet, auch seine für ihn typische Isolation. Das kann er halt, hat er schon oft genug bewiesen.

Isolation ist ja auch schön und gut, doch es bleibt erstmal nur bei selbiger, der für Carpenter typische klaustrophobische Funke will nicht so recht überspringen; vielmehr hatte ich das Gefühl, als dass der Meister sich hier munter selbst zitiert, denn es werden noch andere Figuren eingeführt: die restlichen weiblichen Insassen, die sich zwar nicht sonderlich leiden können, aber sich über kurz oder lang gegen einen - nennen wir es mal - "bösen Eindringling" zur Wehr setzen müssen, der sie Eine nach der Anderen killt. Okay, das kommt einem doch bekannt vor: ein paar Leute sitzen an einem isolierten Ort fest und werden von einem bösen Feind bedroht, müssen - ob sie es wollen oder nicht - einander vertrauen und zusammenarbeiten (bzw. sollten sie das, wenn sie lebendig da rauskommen wollen) und sind nicht sonderlich gut aufeinander zu sprechen. Das ist in etwa die Ausgangslage von "Dark Star", "Assault on Precinct 13", "The Thing" oder einem anderen Carpenter Klassiker. Diesmal jedoch mit der Einschränkung, dass die "Helden" hier alle "Heldinnen" sind: alle jung und - wenn auch nicht Traumfrauen - zumindest, sagen wir mal, ansprechend. Grundsätzlich ist das auch kein Problem (Emanzipation und so...), aber man hat anhand der in Szene Setzung des Ganzen irgendwie das Gefühl  als ob - der mittlerweile doch recht in die Jahre gekommene - Carpenter hier eine Altherrenfantasie aufs Zelluloid bannen will, da beispielsweise eine Duschszene von einer ausgiebigen Kamerafahrt durch die Gruppendusche der Damen begleitet wird. Prinzipiell bin ich ja auch durchaus ein Freund von weiblicher Nacktheit, doch man beginnt sich dann schon zu fragen, ob dem Regisseur nichts anderes einfällt, als seine Darstellerinnen beim duschen in Szene zu setzen. (An alle, die den Film jetzt deswegen sehen wollen: alles softcore. Ein schöner Rücken kann auch entzücken.)


Wie auch immer, genug genörgelt, mit fortschreitender Laufzeit - und unmittelbar nach besagter Szene in der Dusche - kommt "The Ward" langsam in Fahrt. Betonung auf "langsam", und diesmal durchaus im etwas negativeren Sinne, denn es kommt zwar Atmosphäre auf, die sogar in Abstrichen die - zugegeben mittlerweile etwas schlampige - Handschrift eines John Carpenters trägt. Toll.
Jedoch biedert sich Carpenter mehrmals dem Torture Porn an, versäumt dabei aber wirklich Spannung oder Empathie für die Figuren aufzubauen, weshalb man sich wieder mal frägt, ob sich der gute Mann nicht anders zu helfen weiß. Wo ist der John Carpenter aus "The Fog", "Halloween" oder "Assault", der mit minimalen Mitteln größtmögliche Spannung erschaffen konnte?
Dieser Carpenter hätte solche Torture Porn Einlagen nicht nötig gehabt. Als Fan bekommt man einen leichten Klos im Hals, da einem der Mann irgendwo fast schon Leid tut. Allerdings fand ich den Film zu keinem Zeitpunkt so schlecht, wie ich ihn hier beschreibe, denn immer wieder taucht da wieder diese einmalige Atmosphäre, die nur John Carpenter erschaffen kann, auf. Jedoch bleibt sie nicht dauerhaft, es ist eine atmosphärische Achterbahnfahrt: mal hoch, mal tief, mal kurz, mal lang... Dies führte bei mir auch zu einem Wechselbad der Gefühle, das von Ärger und Mitleid über Nostalgie bis Erstaunen irgendwie alles beinhaltete. Schließlich endete der Film für mich wenig überraschend, und ich sah den Abspann an mir vorbeirauschen, aber ich wusste und weiß noch immer nicht, was ich davon halten soll.



Fakt ist, mit einem guten Carpenter, wie ich ihn schätze, hat das wenig zu tun, und von einem gelungenen Comeback zu sprechen oder enthusiastische "Carpenter ist zurück!"-Rufe in den Nachthimmel zu brüllen, wäre auch absolut falsch und vermessen. "The Ward" ist einfach ein Film, den, ganz ehrlich, niemand wirklich gebraucht hätte: weder Carpenter, der hier nichts Neues bietet, noch die Schauspieler, die durch den Film sicherlich nicht am Schauspielhimmel landen werden, und auch die Film- oder Carpenterfans nicht, da er - unabhängig von Carpenter und seinem sonstigen Spätwerk - einfach total belanglos ist. Aber - und da spreche ich als Carpenter Fanboy -, ich habe nichts erwartet und ich bekam auch ein großes Nichts von Film, weshalb ich dem Film nicht vorwerfen kann, mich enttäuscht zu haben, denn auch wenn ich ihn eher negativ schildere, war die Sichtung doch unterm Strich ein recht ordentliches Erlebnis, nicht total schlecht, aber auch nicht wirklich gut, obgleich das Pendel des Film stellenweise in beide Richtungen ausschlug. Als Fazit bleibt mir nur zu sagen: John Carpenter ist wieder da, und das ist ganz okay.


5.0 /10

Autor: MacReady

Freitag, 23. Oktober 2015

Onkel Carpenter und die bösen Kinder - Kritik: Das Dorf der Verdammten (1995)





Vielleicht ist dies der Anfang vom Ende, wobei sich das Ende schon weitaus früher bemerkbar gemacht hatte, wenn wir ehrlich sind. Carpenter ist gefloppt, die großen Zeiten sind vorbei. Er ist angekommen in den 90er Jahren und hantiert hier nun mit einer B-Prominenz (Reeve, Alley, Hamill und Paré), die genauso wie Carpenter Vergessene und Vergangene sind. Aber auch wenn Carpenters Werk nur ein Remake (wie bereits »Memoirs of an Invisible Man«, 1992) ist, so bleibt er sich in mancher Hinsicht doch noch treu, die Kleinstadt (= sogar Küstenstadt!) behält er bei, so präferiert er zu Beginn auch die Isolation bis auf die vereinzelten Protagonisten sind die Straßen und Bilder leer und entmenschlicht, wie eine Geisterstadt aus dem Western entlehnt. Atmosphärische Bilder, die Carpenter im gesamten Film mehrmals, auch wenn es nur für kurze Sekunden ist, aufgreifen wird. Bis er im nächsten Moment die Menschenmasse präsentiert, ein idyllisches und friedliches Bild seiner Kleinstadt malt, dazu harmonische Gitarrenklänge, in der jeder jeden kennt. Lange lässt Carpenter aber nicht warten, bis sie flach liegen, scheinbar grundlos. Blackout. Seuche? Zone? Erwachen. Schwangerschaft! Dazwischen atmet Carpenter auch ein bisschen, aber weniger effizient, den Hauch von Romero oder Petersen ein.



Was tun? Die Kinder gebären! Dafür gibt´s schließlich auch Versorgung vom Staat, für die Männer ist der Antrieb die Gier, für die Frauen der Mutterinstinkt und für die Wissenschaftler (Kirstie Alley, die alle 5 Minuten ihre Zigarette braucht) der Wissensdrang, um der Lösung dieses Blackouts näherzukommen. Die Kinder tragen gemeinsame genetische Merkmale, haben alle weißes Haar und kleiden sich in biedere und graue Schuluniformen (welche direkt aus dem Original kopiert worden; die immense Zeitverschiebung zwischen den Filmen spielte wohl keine Rolle), verhalten sich wie Roboter, sind rational und kalt, ein Kollektiv, das keinen Individualismus zulässt und das mit ihren leuchtenden Augen Gedankenkontrolle betreibt. Seltsame Selbstmorde treten auf, das ist aber mehr trashig-albern gehandhabt als denn bedrohlich, dabei aber auch irgendwie unterhaltsam. Carpenter konzentriert sich ganz und gar auf das Vordergründige, andere Themen werden nur marginal, wenn überhaupt, berührt. Ausgelassene Themen, die durchaus Potenzial gehabt hätten, wie die Frage von Wissenschaft und Glaube (wie in seinem »Princess of Darkness«) oder der Kontakt von den Kuckuckskindern zu anderen Kindern (die es hier gar nicht gibt).



Da treten sofort willkürliche Fragen auf, die man sich noch nie zuvor gestellt hat, als Beispiel: Wieso explodieren alle Autos in Carpenters Film, wenn sie gegen irgendwas fahren? Und aus welchen Stoffen hat der Carpenter denn dieses putzige Alienvieh zusammengebastelt? Carpenters Werk ist ein ideenloser, konventionell vorgetragener und zahmer (siehe: die eigene Autopsie) Augenhokuspokus, mit austauschbaren und lieblosen, statt markanten Charakteren (einzig Christopher Reeve kann hier noch durch seinen schauspielerischen Einsatz herausstechen), die nicht mal so hinreichend charakterisiert werden, dass sie überhaupt eine Bedeutung für die Geschichte hätten, dazu ist er auch viel zu kurz geraten, was sowohl Vorteil als auch Nachteil des Ganzen ist. Wenigstens der Showdown mit Wettlauf gegen die Zeit macht anfällig. Denn sonst scheint der Stoff verbraucht und Carpenter verblasst. Doch geht auch von diesem Film für mich irgendein Reiz aus und in den apokalyptischen letzten Sätzen schimmert noch einmal der robuste Carpenter durch, mag es auch noch so kurz sein.



4.5 / 10


Autor: Hoffman 

Mittwoch, 21. Oktober 2015

He'd like to come and meet us - Kritik: Starman (1984)



Carpenter macht nun seinen eigenen »E.T.«, das ist anders als es zu erwarten war, näher an dem Film, der ihn damals den Erfolg von »The Thing« strittig gemacht hatte: Vielleicht war es ein Anbiederungsversuch von Carpenter an das Publikum, für den Erfolg und die Versöhnung mit ihm, vielleicht aber auch nur eine Auftragsarbeit, wobei Carpenter dafür wiederum äußerst lautstark auf Spielbergs Pfaden wandert, um sein eigenes Kinomärchen zu kreieren. Viel offensichtlicher, als bei »E.T.«, bedient sich Carpenter da nur noch bei Spielbergs »Unheimliche Begegnung der dritten Art«, wenn es um friedlichen Kontakt, Versöhnung, Krater und das freundschaftliche Miteinander geht, plus einer Romanze zwischen Mensch (Karen Allen mit schwarzer Lederjacke!) und Alien (Jeff Bridges), das die Gestalt des verstorbenen Ehemannes angenommen hat. Carpenter blickt also nicht aus den Augen eines Kindes, sondern aus denen einer (starken) Frau darauf. Das ist zwar ohne Ecken und Kanten, aber dafür mit jeder Menge ausgefallener Klischees.

Jeder Ansatz, der also versucht den Figuren Tiefe zu geben, zeichnet sie nur noch klischeehafter ab. Aber Carpenters Film ist trotz (oder gerade wegen?) seiner Unbeholfenheit irgendwie angenehm, was vielleicht auch der sehr dezenten und unspektakulären Erzählweise geschuldet sein mag. Viel Zeit für große Reden verschwendet Carpenter nicht, sondern stürzt sich direkt, aber gediegen, in sein Road-Movie. Charmante Züge findet er in seinen humorvollen Momenten einer solchen Geschichte, wenn die Kommunikation und Annäherung an diese fremde Welt durch Bridges Charakter erfolgt, das ist regelrecht drollig und ulkig zu beobachten. So ist Carpenters Film ganz im Sinne des Themas natürlich absolut naiv geworden, aber dabei putzig, auch wegen der 80er-Jahre-Verortung. Andererseits mutet das aber oberflächlich an, da alles so beiläufig erzählt wirkt, es gibt keine richtigen Konflikte, es fehlt die emotionale Dramatik, die nur in kurzen Momenten aufblitzt. Es bleibt nichts. Als Beispiel die irdischen Verfolger von Polizisten, Militär und den »reinen« Wissenschaftlern, die es ja schon bei Spielberg gab, werden gerade noch halbwegs angerissen und wirken letztendlich ziemlich unwesentlich. Wohl dosiert sind dazu die Explosionen, eine davon, die in einem lodernden (wie die Flammen!) und pathetischen Errettungsmoment (mit heroischer Untermalung) mündet. Schön ist da auch das Zusammenspiel von Karen Allen und Jeff Bridges, bei dessen Romanze Carpenter seine gefühlsbetonte Seite preisgeben darf. Diese verträumt-romantische Stimmung ist wohl die große Stärke von Carpenters »Starman«, ein irgendwie ganz niedlicher Film, dennoch ohne, dass er jemals die Klasse Spielbergs erreicht.


5.0 / 10

Autor: Hoffman 

Freitag, 16. Oktober 2015

Los Angeles, das verrückte Pflaster - Kritik: Flucht aus L.A. (1996)





»Du bist Snake Plissken, hab ich Recht?« - »Der war ich mal.« - »Ich dachte du wärst größer. Aber was machst du hier?« - »Sterben.« - Immerhin knapp 15 Jahre dauerte es bis John Carpenter seine zuliebst gewünschte Fortsetzung seines Klassiker »Escape from New York« realisieren konnte oder diesen viel mehr wiederholen durfte - obgleich dieser statt erfolgreichen Vorgänger ein Kassenflop wurde - dank der Hilfe eines engagierten Kurt Russells, der sich dieser Zeit sogar ziemlich gut schlug im Filmgeschäft, nach dem Motto jetzt oder nie. Vielleicht hätte man es auch beim letzteren belassen sollen, wobei ich zugeben muss: Eigentlich habe ich rein formal gar nichts gegen Carpenters »Escape from L.A.« aus dem Jahe 1996 und irgendwie mag ich auf eine seltsame oder diffuse Weise auch diesen Streifen (noch) irgendwie. Zumindest im Vergleich dazu, was Carpenter danach drehte oder viel mehr produzierte.



Auch wenn hierbei sogar schon solche Tendenze zu späteren Werken erkennbar werden. Denn man denkt manchmal auch schon (wenn man den Film von außen betrachtet) an Carpenters Untergang »Ghost of Mars« (2001), was rein bei der spärlichen Ansicht des Settings und des Designs schon daraus schließen lässt, dass Carpenter sich dafür scheinbar schon übt. Es scheint mir so als würden Carpenter große Budgets und Hollywood einfach nicht stehen. Das ist ein futuristisches Design, zugemüllt und mit hässlich-biederen Blechwänden, dennoch einiges hat Carpenters »Escape from L.A.« dem späteren Werk doch noch voraus.

In aller erster Linie einen charismatisch, kantigen Kurt Russell als Antiheld Snake Plissken. Es ist Russell, der mit seinem mürrischen Spiel und seinem sichtlichen Spaß an der Rolle, hierbei Freude verbreitet. Plissken schreitet wieder zynisch ein. Natürlich nur zum Selbstzweck. Während Carpenter die nächste Stufe seiner damaligen Handlung einleitet, oder einfach nur ableitet: Wo es einst der Präsident war, ist es dieses Mal die rebellische Präsidententochter, die gerettet werden soll und die konträr zu ihrem Vater als junge Idealistin gezeichnet wird, derweil der Präsident sich bei Carpenter immer mehr als scheinheiliger und korrupter Feigling (ansehnlich gemimt von Cliff Robertson) entpuppt. Wahrscheinlich Carpenters Blick auf die Repulikane. Plissken soll dabei eine Black Box besorgen, um die nationale Sicherheit zu gewährleisten im Jahre 2013.

Recht passend dazu auch der Einsatz von Carpenters - wie immer - dominanten Stereotypen. Die passen in dieses Konzept irgendwie rein, wenngleich ihre Einführung miserabel sein mag. So setzt Carpenter logischerweise auch die Dystopie seiner Arbeit fort. Hierbei mit recht simpel konstruierter und bemüht-plumper Gesellschaftskritik, nicht nur am totalitären System beziehungsweise der Diktatur, sondern auch am Klassensystem. So hat sich nun auch im abgeschirmten L.A. ein eigener Staat gebildet: Prostitution, Verbrechen, moralischer Verfall und das scheinbar eigene Regelsystem: Es gibt Keine. Dafür gibt es apokalyptische Ambitionen. Hingegen gerade Carpenters Lieblingsmotiv der Isolation schimmert hierbei (trotz des eigentlichen Eifers) nur selten durch, sodass auch die damalig soghaft-düstere Atmosphäre des vorherigen Film zu größten Teil abhanden gekommen ist. Wobei dafür Carpenters »Escape from L.A.« ganz andere Qualitäten aufzeigt. So ist nicht zu leugnen, dass anhand von Carpenters visueller Gestaltung, besonders betont durch das unausgegorene CGI, sich etwaige Trash-Qualitäten nicht leugnen lassen. Was nur noch von seinem kantigen Hauptcharakter und dessen trockenen Humor unterstrichen wird, wie auch durch einige One-Liner. Dazu steht noch der interessante Mix der nahezu paradoxen Bildersprache zwischen dreckigen Kitsch, Trash, purem Müll, Verweseung, Apokalypse und Westernversatzstücken. Visuell hat das zumindest schon markante Züge. Was dabei noch im besonderen auffällt, ist Carpenters Pioniergeist, die Integration von Westernelementen wie auch Zitaten, Das führt uns vielleicht zum Kern, denn im wesentlichen ist dieser Film wie viele Werke von Carpenter nichts anderes als eine Hommage. Hierbei ist es wohl eine an den Western, was auch angedeutet wird durch Carpenters eigenhändig komponierten Score, der zwar vergänglicher als jener des Originals ist (mag er auch noch so sehr daran erinnern). Auch das aus dem Film herauszufiltern, besitzt irgendwie doch einen Unterhaltungswert.




Vielleicht kann ich Carpenter für dieses Werk auch einfach nicht böse sein. Es hat seine Fehler und es hat seine Schwächen. Es hat ein ungereimtes Setting und eine zumindest (um dies positiv zu verwerten) unangepasste Regie, die durch dieses apokalyptische Szenario schlendert. Dazu gibt es noch groteske Ideen und Anleihen wie mit Gladiatorenkämpfen in Footballstadien, Basketball und dem Wurf dahinter, das zu einem Spiel um Leben und Tod wird. Wunderbar absurd und ironisch werden barbarische Spiele von Carpenter kommentiert (»Süßer, das ist ja krank?!« - »Sicher, darum geht´s ja.«) und dann diese im Grunde herrlichen Nebenfiguren, ob ein schleimiger Steve Buscemi, eine transsexuelle Pam Grier, ein abgedrehter Peter Fonda (eine Verbeugnung vor Robert Duvall und seiner Figur des Colonel Kilgore?), irgendwo dazwischen Bruce Campell und Bösewicht Chervo Jones als Carpenters eigener Ché, das sind schon verrückte Figuren, die Carpenter hier in seinen Film hineinspringen lässt. Dazu gibt es ein brennendes Hollywood als Carpenters hintersinnige Rache an der Traumfabrik. Oder eben Carpenters Antwort auf die Politik: Es gibt kein gutes System. Was da noch fehlt? Die großen Explosionen? Die Folgen dann im großen Angriff am Ende. Der so chaotisch ist wie eigentlich schon Carpenters gesamter Film, der so konfus wie unterhaltsam anzusehen ist, gesetzlos wie sein Snake Plissken. Carpenter ist hier irgendwo zwischen Macht und Moral und dirigiert dieses Werk planlos vor sich her. Für Carpenter bedeutet Zukunft Restauration, zumindest ein Ansatz davon. Und all das verdeckt die Tatsache, dass Carpenter hierbei gar nichts zu erzählen hatte. So trashig und teils unterhaltsam sein Film sein mag, so inhaltslos ist er auch. Aber nur als letzte Anmerkung dazu: Er hat schlechtere gemacht.



5.0 / 10

Autor: Hoffman

Mittwoch, 14. Oktober 2015

New York, New York! - Klassiker der Extraklasse: Die Klapperschlange - Escape from New York (1980)



Es mag komisch erscheinen, denn auch wenn ich grobe zehn Jahre nach Entstehung dieses Films geboren bin, haben Carpenters frühe Klassiker doch meine Jugend geprägt. Das war damals in etwa so: Da gab es diese tollen Playstation Spiele "Metal Gear Solid" und die Hauptfigur war Solid Snake. Irgendwann fand ich heraus, dass sich diese Figur an der Rolle Kurt Russells in "Escape from New York" orientiert, weshalb ich den Film unbedingt sehen wollte, deswegen wartete ich darauf, dass der Film mal im Fernsehen läuft, als das geschah, war ich natürlich mit an Board - und ich war begeistert.

Natürlich ist der Film angestaubt, die Effekte haben mich nicht von Hocker gehauen, und auch der Soundtrack ist dermaßen 80's like, dass es schon fast zu viel des Guten ist - aber nur fast, ich finde ihn trotzdem super stimmig. Jedoch ist es der Film als Gesamtpaket, der mich auch noch nach der x-ten Sichtung immer wieder begeistert. Einerseits ist der Film geniales 80er Jahre Action Kino und die pure Badass Ansammlung: Lee Van Cleef ("The Good, the Bad and the Ugly"), Ernest Borgnine ("The Wild Bunch") und natürlich Kurt "Snake Plissken" Russell in der ohne Frage besten Rolle seines Lebens - er ist Snake, und ja, verdammt, Snake Plissken IST an Coolness nicht mehr zu überbieten. Andererseits ist "Escape from New York" tiefgründiger und filmhistorisch relevanter, als man zunächst meinen mag: Ohne das düstere und dystopische Setdesign wären Filme wie "Blade Runner" oder der Cyberpunk generell nicht entstanden. Wirklich herausragend inszeniert vom einstigen Genregenie John Carpenter. Der Pessimismus und die Klaustrophobie in Carpenters düsterer Vision eines verkommen New Yorks sind mit jedem Frame spürbar. Aber auf der anderen Seite kann man "Escape from New York" auch als warnende Dystopie sehen, die eine Zukunft, in der der ach so hoch entwickelte Mensch wieder Zustände, die er eigentlich längst überwunden haben müsste, ermöglicht und toleriert. Auch das wirkt im Jahr 2013 wieder etwas angestaubt, da jeder weiß, dass Manhattan 1997 kein riesiges Gefängnis war, aber was soll's, der Regisseur hatte eine unschöne Vision der Zukunft, und daher ist "Escape from New York" auch durchaus als Warnung zu verstehen, und man sollte die Thematik des Films nur, weil sie bisher noch nicht eingetreten ist, nicht mit einem müden Lächeln abtun.

Im Gegensatz zu anderen Genre Vertretern schadet dieser politische Subtext dem Film kein bisschen, Carpenter schafft den Spagat zwischen Action und Ernst mit Leichtigkeit. Die ganze Story um den Outlaw Plissken, der angeheuert wird, um den Präsidenten aus der Gefängnisstadt Manhattan zu retten, ist sicher irgendwo ziemlich naiv, aber mal ehrlich: Was will man mehr? In einer Welt, in der zwischen Politikern und Kriminellen kaum noch ein Unterschied besteht, wäre es doch eine verdammt coole Vorstellung, wenn ein Outlaw wie Snake alles wieder ins Lot bringen würde. In diesem Sinne: In Plissken we trust!


9.0 / 10

Autor: MacReady

Mittwoch, 7. Oktober 2015

They're coming to get you, cops and criminals and y'll - Klassiker der Extraklasse: Assault (1976)

Acht Jahre nach Romeros bahnbrechender Sperrspitze des Genres, NIGHT OF THE LIVING DEAD, schließt ein junger Regisseur an die Belagerung der Untoten an, jedoch auf seine eigene, unverkennbare Weise. Dieser Mann, der zuvor mit einigen studentischen Kurzfilmen und der daraus entstandenen Langfassung DARK STAR auf sich aufmerksam machte, verlegt das verlassene Landhaus als gleichfalls gespenstisch ruhige Polizeistelle in einen verfallenen Vorort von Los Angeles. Ein Mann, der den Tod seiner Tochter im Kugelhagel eines Überfalls rächen will, erschießt den Täter und befindet sich prompt ganz oben auf der Prioritätenliste von rivalisierenden Gangs. Zwar rettet er sich noch auf die besagte Polizeistation, doch die Banden belauern bereits den vermeintlichen Zufluchtsort. Lieutenant Ethan Bishop (Austin Stoker)greift zur Verteidigung des Menschenlebens zu unkonventionellen Mitteln, so werden etwa die dortigen Häftlinge zur Unterstützung befreit, zu denen auch der erfahrene Napoleon Wilson (Darwin Joston) zählt. Die angespannte, verrauchte Atmosphäre in den engen Räumlichkeiten des Reviers steht der trügerischen Nacht außerhalb gegenüber, in der Bandenmitglieder ihre Angriffsmöglichkeiten abwägen. Hinzu kommt die nervenauftreibende und von Carpenter höchstpersönlich produzierte Synthesizer-Musik, die viele seiner folgenden Werke noch auszeichnen sollte. Geboren ist der ideale Genrefilm.

Die wandelnden Leichen Romeros werden demnach zu aggressiven Gangmitgliedern, wie sie in einen Actionfilm gehören. Äußerlich verändern sie sich lediglich, indem ihre Gesichter nicht von Fäulnis zeugen, sondern rachedürstend ihrem archaischen Trieb Ausdruck verleihen. Der Trieb ist es, der beide Gruppen von Gestalten verbindet: Die Zombies sehnen sich nach Menschenfleisch und folgen nur dem Ziel, den Hunger zu stillen. Auch die Gangster bleiben persönlichkeitslos und sprechen nicht, Carpenter interessiert sich mehr für die Protagonisten im belagerten Polizeirevier. Viel stärker könnten die Horde außerhalb und die Menschen im Inneren gar nicht kontrastieren. Romeros Gesellschaftskritik wird hier nicht direkt übertragen, zwar verbindet beide Werke der schwarze Protagonist, nur der Pessimismus in der Schlussszene weicht einem Einverständnis, sodass sich der Häftling Napoleon nach der Rettung bereitwillig wieder zurück in die Haft abführen lässt. Gewalt von Autoritäten findet nur in Form als Verteidigung des Zivilisten (oder eben Selbstjustiz-Täters!) statt. Dem Gesetz wird somit auf doppelte Weise in der Weigerung der Auslieferung des Zivilisten und der tatsächlichen Auslieferung Napoleons von Seiten der Beamten die Treue geschworen. Korruption, wie sie zur heruntergekommenen Lage des Reviers zu passen scheint, gibt es nicht. Insgesamt handelt es sich um einen spannenden und genreprägenden Beitrag für den Actionfilm.

                                               7/10

Autor: DeDavid

Samstag, 5. Oktober 2013

Überhaupt nicht mein Ding! - Kritik: The Thing (2011)


Geht es um die persönlichen Lieblingsfilme, sind Remakes von ihnen eigentlich schon, bevor sie überhaupt abgedreht sind, gescheitert. Man braucht sie nicht. Sie werden einem niemals das bieten, was das Original bietet. Das weiß wohl jeder. Deswegen kommen einige Schlaumeier immer häufiger auf die Idee, einfach Fortsetzungen oder Vorgeschichten dieser Filme zu drehen, um somit die Fans des Originals ins Kino zu locken, da aus dem Stoff ja noch was rauszuholen wäre. So ist das im Jahre 2011 auch bei John Carpenters "The Thing" der Fall gewesen. Für mich persönlich sowas wie der absolute Lieblingsfilm. Mein cineastischer Gral. Mein Refugium, in das ich mich zu jeder Zeit zurückziehen kann. (ein Aufenthalt unter Alkoholeinfluss ist dabei zu empfehlen. Nicht unbedingt, weil der Film schlecht ist, aber mit seinen besten Freunden oder der großen Liebe trifft man sich ja auch nicht zum Tee.) Warum kann ich nicht sagen, ist auch nicht so wichtig. Meisterwerk! 
Wie auch immer, da gibt es nun dieses Prequel. Als ich das erste Mal davon hörte, runzelte ich bloß mit der Stirn und ignorierte es getrost. Man "muss" ja schließlich nichts schauen. Aber es kam wie es kommen musste, und ich sah mir das Teil halt auch mal an. Dass ich ihn scheiße finden würde, war mir schon davor klar, aber ich habe ihn trotzdem geschaut, da die Neugierde oft über die Vernunft siegt. 


Der Film ist natürlich scheiße, aber ich will noch auf ein paar andere Themen zu sprechen kommen. Zuerst einmal die Sinnhaftigkeit eines solchen Prequels. Wer Carpenters Film kennt, der weiß, dass das eigentlich gar keine sehr epische oder komplexe Geschichte ist, als dass in dem Stoff noch arg viel mehr als ein für sich stehender Film, der ja selbst ein Remake ist, aber sich eben vom Vorgänger loslösen konnte, drinsteckt. Das ist nicht wie beim ebenfalls traumhaft-genialen "Alien", der vor Symbolik und Subtext nur so überquillt. Nein, "The Thing" war eigentlich das komplette Gegenteil. Der Film war toll wie er ist. Er lebte davon, dass man einerseits "alles sah" (Bodyhorror, Zerstörung des menschlichen Köpers von innen), was ihn vom ersten "Alien"-Film unterscheidet, und auf der anderen Seite nicht wusste, woher das böse Alien kam, was es genau auf der norwegischen Forschungsstation getan hatte, außer, dass es die Norweger brutal abgemetzelt hatte, was man allerdings nur anhand der Überreste der norwegischen Crew erahnen konnte, weshalb sich der Horror in Carpenters Version durchaus auch im Kopf des Zuschauers abspielte, obwohl Carpenter auf der einen Seite wiederum nicht an Fleisch, Blut und Gore spart. Ein sehr cleverer Film eben, der den Zuschauer somit auf mehreren Ebenen attackiert. Das Prequel, das natürlich die Geschichte, wie es den Norwegern genau erging, erzählen muss, kann damit für jemanden, der das Original aus ähnlichen Gesichtspunkten schätzt, nur eine Totgeburt sein! Zwar mag es auf den ersten Blick so wirken, als ob das Prequel seinen Bezugsfilm mit Samthandschuhen anfasst - sprich: mit dem nötigen Respekt an die Sache herangeht -, doch es wird sehr schnell klar, dass dies der größte Fehler ist, den der Film machen konnte. Das Prequel schafft es nämlich zu keinem Zeitpunkt, aus dem Schatten des Carpenter-Films herauszutreten: die Figurenkonstellation wird völlig übernommen, auch wenn es diesmal Frauenrollen gibt, denen allerdings keine eigenen Facetten abgewonnen wurden; einzelne Szenen sind kopiert; der Score klingt fast gleich und ist stellenweise sogar der selbe und es wird einfach alles, was im Film von 1982 noch unerklärlich war, erklärt und damit verklärt und entmystifiziert, da es dem Zuschauer jeglichen Freiraum für eigene Fantasien und somit der Erzeugung von Furcht vor dem, was man nicht kennt und weiß, nimmt. Ein einziges Ärgernis. 


Aber das ist noch nicht genug, der Film hat, wie zu erwarten, noch ganz andere Schwächen. Zum einen sind das die Darsteller. Die Rollenverteilung ist mehr oder weniger die selbe, doch es fehlen die Ecken und Kanten, die Überzeichnung, die trockenen Sprüche und der daraus resultierende Humor des Originals. (ich schreibe bewusst "Orignal", da der Film aufgrund seiner Feigheit davor, der Thematik auch nur ein bisschen was Neues abzugewinnen, mehr ein Remake als ein Prequel ist) Hier bekommt man einfach eine Truppe voller Abziehbilder, die von untalentierten Darstellern verkörpert werden, wie man es aus vielen anderen, an dieser und auch sonst keiner Stelle erwähnenswerten Horrorproduktionen kennt. Solche Schablonen von Charakteren sind mir egal, da können sie auch noch so toll aussehen, ich will lieber hässliche und ehrliche Typen! Die andere Sache ist ein leidiges, oft schon durchgekautes Thema, auf das ich eigentlich nicht wirklich eingehen will, da das wohl vielen so geht: die Effekte. Klar, heute ist durch die CGI-Technik einiges machbar, aber trotzdem sollte man sich in der Hinsicht immer noch zurückhalten, da diese Gore-Szenen meinetwegen brutaler sind, aber man ihre sterile und technokratische Künstlichkeit einfach nicht übersehen kann. Man sieht einfach, dass das am PC gemacht wurde, da steckt nix dahinter. Das trieft nicht, das ist nicht fleischig, nicht blutig, das ist leblos und lässt einen einfach nur kalt. Da kann man nix machen. Die perversen und kreativen Special-Effects des Originals und anderer Genrevertreter spielen einfach mindestens zehn Ligen höher. 
All das zusammen ergibt einen Film, der sich nichts traut, der ohne das Original nicht mal ansatzweise funktioniert, und der Freunde des Carpenter-Films einfach nur nervt, da er auf heuchlerische Art über Umwege an den Mechanismen des Originals herumwerkelt, da er selbst überhaupt keine Ideen hat. Ein Film wie ein dreckiger Schleimer, der immer einen auf nett macht, da er es ja "nicht anders kann", aber dem man deswegen am liebsten die Fresse polieren wöllte. 


1.0/10

Autor: MacReady


Freitag, 23. November 2012

She drives me crazy - Kritik: Christine



»You know, when someone believes in you, man, you can do anything, any fucking thing in the entire universe. And when you believe right back in that someone, then watch out world, because nobody can stop you then, nobody! Ever!« - Ich gebe zu, ich bin doch hierbei abschließend mehr als überrascht und scheine Stephen King wie auch seinen Roman »Christine« sichtlich in der Komplexität seiner Story stark unterschätzt zu haben - und ja die daraus profitierende Umsetzung des Stoffes auch. Welche mit dem Roman im Jahre 1983 folgte, bei der es sich der »Master of Horror« John Carpenter selbst auf dem Regiestuhl gemütlich machte. Es mag meinen Zweifel geschuldet sein, dass ich mich erst durch metaphorische Erklärungen der Geschichte an den Film wagte. Dem Guru sei dank. Auf einmal entwickelte Carpenters »Christine« interessanten Nährboden, außerdem dienlich zur geduldigen Carpenter-Komplettierung. Carpenters Film durchaus deutsam als Hommage an den Zeitgeist der 50er Jahre und wer weiß vielleicht auch an die Emanzipation der Frau, obgleich das mehr Kings Vorlage geschuldet sein müsste.




Beileibe mag es schon ein Wunderwerk an sich sein, eine solch banale und vom abwegigen Realismus geprägte Idee, doch solch Maß an Innovation und Symbolik zu schenken, hierbei gelingt dies Carpenter durch die Abstraktion der Handlung - wirklich clever erdacht von King und erstaunlich gelungen umgesetzt von Carpenter. Dabei wäre Carpenters »Christine« im besonderen in zwei Interpretationsvarianten zu deuten, zum einem der Reflexion des obsessiven Verhaltens zu einem Objekt - der fanatische Hang zum Materialismus um sich in der Gesellschaft zu etablieren wie auch »Christine« als sexuelle Metaphern als wortwörtliches Objekt der Begierde, obgleich beide Arten dieser Ansicht sich hierbei durchaus überschneiden mögen. Somit mutet »Christine« eigentlich als ungewöhnliche Liebesgeschichte der anderen Art an - ironisch auch der Gedanke des Referenztitel eines Romy Schneider (-Delon) Films nach Schnitzler - Ein Umkehrwechsel des Prinzip: »Mein Baby gehört zu mir« - der 1958er Plymouth »Fury« - als Reflexion der weiblichen Emanzipation.


Die Frau als kraftvolles Individum, die ihre Stellung in der Gesellschaft beweist. So gesehen: Eine Maria Braun des automatischen Horrorfilms. Im gewissen Sinne - wie gedacht - als Karrierefrau, naja eher weniger und ansonsten mit Abstrichen. Der rote Lack - als anziehende Waffe der Frau demnach auch als Steigerung der Begierde und Lust. Der Wagen verführt. Und macht den hilflosen Mann zum Sklaven des Herzens. So beginnt die Metamorphose eines schütternden, doch leicht trotteligen und unbeholfenen Losers Arnie zum arroganten und selbstgefälligen Rebel (überzeugend in der Wandlung: Keith Gordon) - auch kenntlich an der Machtposition in der Familie - insofern arbeitet Carpenter selbstredend wieder mit absoluten Klischeebildern seiner angespitzt präsentierten Charaktere. Das Auto selbst als vielschichtigster Mechanismus des Films - mit innovativen Motiven. Das Eigenleben des Wagens - abstrus, aber sichtlich effektvoll inszeniert. Christine besitzt ihren Arnie. Sie als große Verführerin, sie kontrolliert ihn. Andere Damen werden nicht geduldet - zerfressen von Neid Eifersucht auf ihr Objekt (Arnie) und auch funktional die Zerstörung ihrerseits entfesselt den Wahn des bessessenen Mannes - Gier wird spürbar - und der fanatische Hang weitet sich.


Bis Wut zur Gewalt eskaliert und die Rache Christines beginnt. Und hierbei mag ich aufs neue von Carpenter überrascht sein, der diese Autoverfolgungen (= Action!) kreativ umsetzt, sich die düstere Atmosphäre, die er vorher schleichend entwickelte, nimmt, um die Bedrohung dem Zuschauer nahe zu führen. Es wird gehetzt - dazu hämmert Carpenters suggestiver Score, der zwar wie ein Best of seiner musikalischen Werke wirkt, aber nicht minder passend ist, ergänzt wird mit feurigen Rock-Sound, bei welchem Carpenter den Geist der 50er wiederaufleben lässt. Und schon ebnet sich der Weg der Rache zwischen explodierenden Tankstellen, heftigen Verbrennungen und unschönen Quetschungen - und doch mit einfachsten Mitteln verwirklicht von Carpenter und atmosphärisch getrieben von einer bedrohlichen Aura. Wenngleich Carpenters Film auch seinen Anschub benötigt und richtig Fahrt aufzunehmen, sodass Carpenter zunächst nur andeutend, trotzdem explizit in seiner Aussage beginnt. Den richtigen »Drive« besitzt er zumindest.



Technisch bleibt das Highlight bestehen: In trickreicher Selbstregeneration. Während darstellerisch Harry Dean Stanton als ermittelnder Detektive mal so richtig souverän skeptisch sein darf - sogar ohne Folgen! Hingegen der letzte Versuch doch etwas hoplerig, wenn Carpenter vorher für mich doch eher blass eingeführte Charaktere zu Sympathen werden lässt und so zu den Konventionen der schellen Identifizierung greift und das Finale auch ungeschliffen und viel zu abrupt wirkt. Es stellte sich meinerseits eine gewisse Unzufriedenheit ein. Doch flink versöhnt Carpenter wieder mit einem Abschlussbild sprühend vor beißender Ironie. Ich bitte doch zu verstehen, dies mag letztlich kein Grund sein Rock´n´Roll zu hassen. Denn: »The Ride is over.« Oder doch nicht?



7.0 / 10

Autor: Hoffman
 

Samstag, 30. Juni 2012

Wenn das Böse erwacht - Kritik: Die Fürsten der Dunkelheit



»Die Bösartigkeit ist eine Substanz. Das ist die Wahrheit. Sie hat geschlafen. Bis jetzt geschlafen.« - Man könnte es durchaus als ironisch betrachten, dass gerade die Filme von John Carpenters »apokalyptischer Trilogie« allesamt an den Kinokassen floppten. Jeder der Drei auf seine Art. Vielleicht verbindet dies nun gerade die Filme in Carpenters Filmographie und lässt sie zudem werden was sie sind. Zur Apokalypse. Für einen Filmemacher, ist ein Flop somit eigentlich nichts anderes, obgleich heutzutage aber schließlich auch Carpenters »Thing« sich als Kultfilm etablieren konnte. Während wohl »Die Fürsten der Dunkelheit« und »Die Mächte des Wahnsinns« wohl immer noch vor sich her reifen müssen. Ich würde fast meinen, dass Carpenters »Fürsten der Finsternis« aus dem Jahre 1987 in aller erster Linie zu vergleichen wäre mit seinen Klassikern »The Fog« und »The Assault«. Rein motivisch bewegt sich Carpenters zwischen diesen . Als Hommage wäre wohl auch das Motiv des stattlichen Gruselfilms bedacht, auch wenn dieses Mal Capenters Interesse ein ganz anderes Thema weckt.



Der Kampf zwischen Glaube und Wissenschaft. Die Religion und Theologie gegen die Rationalität. Obgleich Carpenter hierbei doch leicht überambitioniert mit seinem apokalyptischen Gefecht zwischen Gut und Böse scheint, womit er letztlich nur in Anbetracht der Story irgendwie enttäuscht. In ihrer putzigen Naivität. Weshalb man Carpenters »Fürsten der Dunkelheit« demnach nach kleinen Maßen beurteilen sollte. Wegen der Banalität von Carpenters Handlung, auch wenn hierbei durchaus interessante Ansätze vorhanden sein sollten, trotzdem sollte man diese insofern nicht unbedingt in ihrer logischen Fehlbarkeit einer tieferen filmischen Analyse aussetzten. Das Intro ist dazu eh zu weitläufig.


Es scheint mir diese nutze Carpenter um seine Intentionen und Differenzen zwischen Wissenschaft und Religion zu vermitteln und seinen klassischen Motiven Einsatz zu gewähren. Dieser innere Kampf spiegelt sich jedoch auch deutlich in Carpenters Figuren wieder. Auf der einen Seite der furchtsame und ehrfürchtige Pater Loomis (Präsent: Donald Pleasence. Halloween-Referenz.) und auf der anderen Seite der gelehrte und bedachte Naturwissenschaftler Birack (sympathisch-skurril: Victor Wong) gemeinsam mit seinen Studenten, obgleich vielleicht Carpenters Figurenkonstellation etwas unglücklich geraten sein mag und deshalb auch berechenbar in seiner Auserarbeitung. Im sonstigen bleiben die übrigen Darsteller demnach blass und teils auch hier nicht wirklich werkgetreu in Hinsicht des Wortes »Studenten«. Stereotypen, die Carpenter mit dem Übernatürlichen konfrontiert. Tiefgang scheitert. Ironie - auch ein bisschen Selbstironie - teilt sich den Platz mit düsterer Finsternis und einer ansehnlichen Kulisse einer delikat eingerichteten Kirche und einem stilvollen Gewölbe.



 
Was solls, dafür referiert man sich immerhin auch leibhaftig selbst nicht nur mit Gruppenmotiv, auch mit Hilfe von seiner favorisierten Fassung des Wortes »Isolation« und hierbei liegt eigentlich die große Stärke von Carpenters Film, die mich gedanklich während des gesamten Films nicht losließ. Es ist doch mehr als faszinierend zu beobachten, wie Carpenter es schafft inmitten des Großstadtdschungels seinen Hauptpunkt der Handlung, eine alte Kirche, in dessen Gewölbe sich die Ausgeburt des Bösen befindet  - in Form einer Säure. - in ein unabhängiges Universum zu transferieren. Es scheine so als wäre diese vollkommen von der Außenwelt abgeschieden - ein Motiv, das Carpenter bereits in »Assault« aufgriff und hier scheinbar konsequent weiterentwickelt. Mir gefiel dieser Gedanke, besonders, da sich Carpenter oftmals selbstzitiert.

Aber auch anderswo scheut er keine Referenzen oder Würdigungen, wie Motive aus Romeros »Night of the Living Dead«, wobei ich fast meinen würde, dass Carpenter hier eine eigene Definition des Begriffes »Zombie« an den Tag lege. Die sich gar nicht mal allzu weit von Romero entfernt. Man könnte sie wohl demnach auch zwischen der klassischen Definition - dem willenlosen Sklaven - und Romeros die Tragik des Zombies einordnen. Wobei dafür auch das Element der Reflexion bei Carpenter einen wichtigen Standpunkt einnimmt. Der Spiegel als Eingang zur einer anderen Dimension. Denn das Spiegelbild, ist das worin sich das Böse festigt. Nicht ungewohnt für Carpenter also auch seine altmodische, aber sehr zuverlässige Inszenierung. Sehr traditionell und gemächlich, aber doch für mich von purem Unterhaltungswert gesegnet, der Meister selbst liefert wie immer den suggestiv-schönen Score, welcher mal wieder getrost erfreut und atmosphärisch wirksam ist. Die Atmosphäre wird eh schon durch routiniertes Spiel mit dem Mysterium kreiert und stimmungsvoll wie auch liebevoll eingefügt. So auch Alice Cooper als desozialisierter und seelenloser Straßengammler - einer von Carpenters Zombies, die fast er mit isolierender Fähigkeit benutzt. Humorvoll halt, irgendwie.



Mir gefällt dieser schleichende Grusel an Carpenters Arbeit. Er mag gemächlich sein, aber dank seiner Vielzahl an Andeutungen an Symboliken trotzdem faszinierend zu beobachten, wie Carpenter still und heimlich Unwohlsein erzeugt und unheilvolle Zeichen einsetzt zur Verdeutlichung und sich sein Mysterium immer weiter voran treibt, auch wenn man am Ende des Ganzen kein pompöses Finale in Hinsicht der Apokalypse erwarten sollte. Carpenter ist dafür viel zu subtil. Carpenter will gruseln, will fesseln. Will das Horrorgenre bis auf den Grund durchzitieren - nun gut ich mag übertreiben - aber um es somit zu huldigen. In dieser Hinsicht sympathisiere ich wohl mit seinen »Fürsten der Dunkelheit«. Ein altbekannter Carpenter. So apokalyptisch wie bereits davor und auch danach. Wie ein Komplettierung seiner schönsten Motiven und mit originellen Referenzen, wobei wie gesagt die Story unerheblich bleiben sollte. Spannung wird genug geerntet. Der Spiegel zerbricht. Das Ende ist nah. Was zählt ist der Glaube daran, denn Glauben ist alles.



7.0 / 10

Autor: Hoffman

Mittwoch, 30. Mai 2012

Carpenters Mars-Gespenst wird zur roten Farce - Kritik: Ghosts of Mars



Irgendwie ist es doch bei vielen »Masters of Horror« diesselbe Tragik. Früher tischten sie große Büfetts des Grauens auf und definierten wie revolutionierten das Genre. Doch jeder ihrer Sterne scheint mit dem neuen Jahrtausend irgendwie verblasst zu sein, von Qualität kann da selten die Rede sein. Die einen trifft es selbstredend härter als die anderen. Doch ihre spätere Filmographie vermag sich doch eher verhalten und negativ zu entwickeln. Dies beschrieb ich bereits im Falle von Wes Craven. Wobei dieser meinerseits noch ein positives Beispiel dieser Entwicklung abgeben würde. Anders als Horrorlegende John Carpenter. Nun ja, Carpenter war stets ein Regisseur, dessen Gesamtwerk doch recht abwechslungsreich im Sinne der Genres zu betrachten ist. Wenn man es in dem Fall aber auch auf zwei reduzieren kann. Immer zwischen Science-Fiction-Kino und dem Horrorfilm. Oft vermixte man auch. Das waren noch Zeiten. »The Times They Are Changin’« und ja wie gesagt dies machte sich besonders bei Carpenter im neuen Jahrtausend schnell bemerkbar, wenn es sich auch schon mehrfach andeutete, doch ich denke seinen künstlerischen Tiefpunkt fand er dann im Jahre 2001 (welch Ironie des perfiden Schicksals) und mit der Rückkehr zum Science-Fiction-Genre "Ghosts of Mars", sodass allein die einstweilige und exakte Kategorisierung teils schwer sein könnte. Was hat sich der Carpenter dabei nur gedacht? Oder anders gefragt, wie kommt man auf solch Ideen? Ist mir ein persönlich ein Rätsel, was hierbei demnach überhaupt seine Bestrebungen seien?




Zugegeben, der Mars bildet ein durchaus interessantes Terrain. Idealbeispiel bot sich schon bei Paul Verhoevens »Total Recall« an, welcher jenen Planeten trotz einseitiger Farbgestaltung doch dem Zuschauer schmackhaft machte. Doch blieb Verhoeven der mitunter einzige, der dies so auch wirklich schaffte, doch erfreute sich der Planet Mars doch besonders Anfang der 2000er Jahre einer hohen Beliebtheit, obgleich er Box-Office-technisch derweil nur Flops präsentierte, ob De Palmas »Mission to Mars« oder »Red Planet«. Unter jene würde sich wohl auch Carpenters "Ghosts of Mars" einordnen lassen. Wenn das Setting doch eher einem rotgefärbten Zwieback mit Staubkörnern gleicht als einer faszinierenden Atmosphäre. Apocalypse Mars. Wenn die Outfits einen billigen Mix aus einer dreist kopierten Motorradgangjacket, einem Fürst der Finsternismantel und einem altmodischen Space-Anzug mit blauen Kuschelpullies darstellen. Und wenn die Handlung gerade frisch aus der Resteentwertung entsprungen sein muss und das Drehbuch (written by: John Carpenter) eigentlich elf Drehbücher in einem sind. Dann möge die innerliche Frage zu Recht gestellt sein: Was hat sich Carpenter dabei nur gedacht? Trash? Vielleicht scheint er noch nicht verstanden zu haben, denn rot ist tot, wirkt auch so spröde. Andererseits beweist Carpenter immerhin wenigstens Ambivalenz in Hinsicht des Titels »Ghost of Mars«, wobei einerseits auf den Mars bezogen, jedoch vielleicht auch auf den Gott der Krieges, Mars. Oder den Marsriegel? Ich hoffe nicht. Zwar wäre dies weder erstaunlich innovativ noch in irgendeiner Form hilfreich, außer man bedenkt später die dem Ozon und Marsinhalation zu oft ausgesetzte Version Alice Coopers.



Worum gehts? Ganz futuristisch: 2176. Wer denkt sich eigentlich immer diese grässlich-ungereimen Zahlen aus? Spezialeinheit soll bösen Buben aus Minenstadt holen. Und den Rest habe ich verdrängt. Irgendwas mit Marskolonisten, bösen Geistern. Doom. Kolonisten laufen rum und hauen Leuten Köpfen ab (wörtlich zitiert!). Büchse der Pandora. Bisschen Mars. Restverwerteten Zombies. Noch mehr rot. Im Grunde alles hanebüchen. Da läuft doch irgendwas falsch, wenn in der ersten Hälfte das Spannungshighlight ein vibrierender, teils leuchtender wie auch piepender Mondbuggy bildet. Oder? Und ehrlich, wer kommt auf die Idee Natasha Henstridge und Ice Cube in einen Film zu stecken? Dann noch ein beharrter Jason Statham? Und Pam Grier, der wurde es scheinbar dann auch sichtlich selbst zu bunt. Was soll man dazu noch als ideologisch-verwirrter, alter Mann noch sagen. Wobei wenigstens positiv hervorzuheben wäre, dass der erste Part wenigstens ansatzweise linear verläuft, während man ihm zweiten Teil (im Gepäck: Rockkonzert von wahnsinngen »Kiss«-Membern und gefolgt von Beten zum lieben Mars) immer mehr das Gefühl bekommt, das werde immer absurder und die Logik löst sich außerdem von ihrer bisweiligen Koexistenz - hatte eh keiner gebraucht. Gerade der immer weiter in die Ferne abdriftende kurios-abstruse Verlauf, zeugt von gewisser Interessenzerstreuung, wobei besonders hervorzuheben wäre, dass man wenigstens in der ersten Hälfte versucht eine gewisse Plausiblität zu äußern, obgleich das jedoch auch dort alles mehr als einfallslos und regelrecht billig bewerkstelligt wirkt. B wie billig übrigens auch die Effekte, da hilft Voodoo in einer anderen Dimension und mit wahnsinnig gewordenen Kiss-Fans wenig. Immerhin sind das altbewährte Motive, die Carpenter versucht zur Geltung zu bringen, bei welchen sich stilistisch gesehen Carpenter wahrscheinlich auch nach dem Stil der 80er Jahre sehnte. Weshalb Carpenter sich durchweg selbst zitieren muss, vom Element der Isolation bis zu vielen, weiteren Motiven seiner Filme wie »Assault«. Und auch dies schlägt sich meines Erachtens nach besonders im letzteren Teil des Films an. Ansonsten eh gefüllt mit wüsten Schnitten, einer immer oriertierungslosen Regie und seltsamen Soundklängen, erneut von Carpenter selbst komponiert, irgendwo zwischen Techno, Metall, irgendwie Hardrock und was weiß ich noch alles - gut ist das aber demnach keinesfalls. Besonders nicht, wenn das wahrscheinlich innovativste Stilmittel ein mittelmäßiger Perspektivenwechsel bildet. Während die Kamera, welche optisch rötlich färbt, zuletzt auch noch einen kleinen virtuellen wie gespenstisch-unterirdischen Amok hinlegt, anderswo stilistisch bezeichnet als »Ghost«-Modus. Erläuterung: Titel.



Natürlich lassen diese aufgeführten Aussagen schnell darausschließen, dass insofern doch Carpenters Film "Ghosts of Mars" als billig inszenierter und kurzweiliger Trash gelten sollte. Jedoch möchte ich dabei zwei Dinge beachten: Zunächst, das ist ein John Carpenter Film, von dem Mann, der uns große, wegweisende Stücke des Horrorfilms präsentierte. Und der macht Trash? Ja, anscheinend, dass was zu beweisen war. Und doch selbst insofern für mich ungenügend, weder durch einen gewissen Unterhaltugsfaktor, welchen ich nur in den seltensten Fällen vorfand. So sei doch gefragt, wo endet Trash und beginnt Körperverletzung? Wo werden Grenzen überschritten? Es ist schon betrüblich, was aus Carpenter wurde, denn das wird weder seiner Selbst noch seinen einstigen Glanzstücken in irgendeiner Hinsich gerecht, nicht mal wenn ich es als leicht konsumierbaren Trash sehen würde, denn dazu war er mir gänzlich zu oriertierungslos. Da hilft auch keine durchgeknallte, geschminkte Kiss-Kopie. "Ghosts of Mars" bleibt der Untergang einer großen Legende.



2.5 / 10

Autor: Hoffman

Montag, 28. Mai 2012

Dunkle Sterne glitzern nicht - Klassiker der Extraklasse: Dark Star



»In the beginning, there was darkness. And the darkness was without form, and void.« - »What the hell is he talking about?« - »And in addition to the darkness there was also me. And I moved upon the face of the darkness. And I saw that I was alone. Let there be light.« - Jeder Regisseur hatte so seine kleinen Anfänge, besonders in der New-Hollywood-Periode und in kleineren Unabhängigkeitsproduktionen war wohl das anerkannteste Stilmittel, der Minimalismus. Viele große Regisseure fingen klein an, aber zeigten bereits in ihren Anfängen großes Können, ob sie diesen im Alter beibehielten wäre eine andere Frage, Spielberg wie auch viele andere. Und zu diesen zählte eben auch die heutige Horrorlegende John Carpenter, doch widmete sich Carpenter hierbei nicht etwa dem effektvollen Grusel, sondern eher seinem zweiten geliebten Genre, dem Science-Fiction, wobei da könnte man wiederum sagen, dass er den alltäglichen Horror in seinem Film abzeichnet. So zeigt aber der Meister schon viele Motive, die auch im besonderen in seinen folgenden Filmen eine vielseitige Verarbeitung finden werden, um davon doch kurz abzuweichen es ist erstaunlich wie Carpenter aus so wenig doch so viel zaubert und bei "Dark Star" aus dem Jahre 1974 grenzt dies fast wieder an ein Wunder, allein die Vorgeschichte ist interessant zu studieren.



Jedoch ist dies keinesfalls meine Intention diese in Worte zu fassen. Aber kommt Zeit, kommt Rat und in allererster Linie ist Carpenters "Dark Star" nun mal - wie so häufig in seinem Gesamtwerk - als Hommage, wie auch Parodie auf das glorreiche Science-Fiction-Genre zu verstehen. In der er seine Reflexion des Genres gleichzeitig die Konventionen und die Klischees des Fachbereichs munter wie auch einfallsreich ins wunderbare ad absurdum führt. Das fängt schon beim »Oldie, but Goldie«-Intro an und so ist es insofern zweifelsfrei absolut hinreißend wie Carpenter es schaffte mit einem Budget von gerade mal hochgeschätzten 60.000 Dollar diesen Film zu verwirklichen, das ist zunächst mal Minimalismus in Perfektion, wobei er sich gerade die Einfachheit dabei wirklich zu Nutze macht und selbstironische Züge in seinem Film aufzeichnet, wenn die Bordbedrohung auf einen luftig gefüllten, gigantischen Wasserball(?) (oder terroristischer Gummiball - ich kann das nicht direkt deuten) zurückzuführen ist und Carpenter dieses absurde in jeder Szene vollkommen auslotet. Ironisch kommentiert er die Belanglosigkeit der Handlung, welche hierbei beileibe eh irrelevant ist und so Carpenter bei seiner Reflexion der Sinnlosigkeit zwar diese auch oft präsent darbietet, aber gleichauf auch ein feines Gespür für Timing besitzt. Intelligent verbindet er diese Sinnlosigkeit nach der Sinnsuche mit alltäglichen Problemen, die er in sein kleines WG-Raumschiff transferiert und so aber auch hintergründig sich erstmals dem Motiv der Isolation widmet, was sich durch das eingeengte Raumschiff aufzeigt. Wobei es wohl eine seltsame innere Konstellation haben muss, von Außen sah es so minimalistisch aus, doch das Auge täuscht. Zudem finde ich die Effekte bei einem solchen Budget überaus gelungen - manche heutige CGI-Produktion ist dürftiger - insofern wird clever getrickst und mit den einfachsten Mitteln bewerkstelligt, große Klasse. Auch wenn das Ganze dann aus heutiger Sicht einen geradezu trashigen Charme besitzt, was die Filmerfahrung aber aus meiner Warte hervor keinesfalls schämligen sollte, sondern einen weiteren, liebevollen Aspekt am Film bietet, obgleich natürlich Carpenters Werk an sich auf viele feine Details aufbaut und daher amüsiert. Herrlich die einfallsreichen Ideen von den bärtigen, innerlich zerrissenen und irgendwie depressiven Astronauten, stets überzogen gezeichnet bis hin zum eigenständigen, rationalen und resoluten Computer, was selbstredend dabei wieder auf Kubrick und seinen Meilenstein »2001« zurückführt. Obgleich man beachten sollte, dass "Dark Star" in dieser Hinsicht wirklich von Carpenter geschickt ausgearbeitet wurde als Parodie auf Kubricks Werk. Allein die unzähligen Anspielungen bereiten Freude. Schon hier Carpenter mit Synthesizer ausgerüstet und so verzückt auch sein musikalisches Treiben. Daneben noch brillant und eigenwillige (und mit satirischer Note angereicherte) Dialoge (written by: Carpenter himself & Dan O´Bannon - der Mann, der uns Alien schenkte - zumindest das Drehbuch) und wie gesagt jeder Menge skurriler Astronauten, die gegen ihren Alltag kämpfen und deren Wege katastrophale Zufälle pflastern. Obwohl Carpenters großer Geniestreich hierbei in einer philosophierenden Bombe besteht, herrlich gemacht wie klug erdacht, das ist die Spitze der Originalität. Da wird man selbst richtig tiefsinnig. Jetzt weiß ich auch, warum Kubrick seine Bomben so liebte.



Also könnte man sehr wohl meinen, dass Carpenters "Dark Star" im  Grunde einen  minimalistischen und parodistischen Gegenentwurf zu Kubricks »2001« darstellt, in dem er zwar der eigenen Belanglosigkeit (was für mich somit variable Schwächen aufwies) verfällt, diese aber wiederum auch gekonnt selbstironisch und hintergründig miteinbringt und über Innovation muss man wohl hierbei keine weiteren Worte verlieren, ein sehr cleveres, amüsantes wie auch intelligent inszeniertes Debüt vom Meister. Und was lernt man daraus? »What a beautiful way to die - as a falling star.«



7.5 / 10

Autor: Hoffman

Sonntag, 20. Mai 2012

Das Ende ist nah - Kritik: John Carpenters Mächte des Wahnsinns





»Do you read Sutter Cane?« - Ehrlich gesagt hatte dieser Film irgendwie eine dualistische Wirkung auf mich bevor ich ihn schaute, einerseits war ich doch interessiert, andererseits war wie so oft meine Geschwindigkeit bei Ausführung der Suche nach diesem Film doch äußerst gering. Dennoch kann auch auch ein alter Man flink agieren, wenn es darum ginge nach hohen Lobpreisungen erweckt worden zu sein, zudem passte dieses Werk perfekt in meine derzeitige Horrorfilm-Euphorie. Außerdem lockte Sam Neill, obwohl ich mich bis zuletzt skeptisch zeigte und Minute für Minute bis zur Sichtung immer noch aalglatt überlegte, trotzdem sagte eine innere Stimme - ja. Statistisch wurde eh angepasst und damit meine ich nicht nur, dass dies ein fortführender Film von John Carpenter ist, wobei ein oftmaliges Motiv von Carpenter, jenes der Hommage sein möge, wie schon bei "Dark Star" oder "The Fog" und so auch bei John Carpenters "Die Mächte des Wahnsinns" aus dem Jahre 1994.



Doch bevor ich noch irgendein weiteres Wort von mir gebe, ist es doch wunderbar, dass Carpenter Sam Neill für die Hauptrolle besetzte - Notiz an mich: Sollte ihm dafür einen Geschenkekorb schicken - in der Neill auch erneut beweisen kann, was in ihm steckt und seine großen schauspielerischen Qualitäten zu Tage gebracht werden, denn hierbei zeigt er zweifelsfrei vollen Einsatz. Als Versicherungsdetektiv John Trent, der sich auf die Suche nach einem verschwundenen Horrorbuch-Autor begibt und letztlich einem Alptraum entgegen sehen muss, sodass die Grenzen zwischen Wahn und Wirklichkeit zerbrechen mögen. Detektiv mit modernen Noir-Einfluss und Neill mimt ihn exzellent und trägt im Grunde genommen Carpenters gesamten Film, jedenfalls gibt er den Anstoß dazu. Während der Meister selbst clever auf dem Regiestuhl agiert. Denn in Anbetracht der vielerlei auftrettenden Parallelen könnte man John Carpenters "Mächte des Wahnsinns" zunächst als Hommage oder gar Ode an Stephen King und seine Werke bezeichnen, allein die Erwähnung dieses stellt dabei einen wichtigen Faktor dar. Zudem manifestieren sich hierbei genug Versatzstücke, die insofern auch einem King entsprungen sein könnten (wenn sie es nicht schon sind) und so dient »Sutter Cane« demnach auch als Pseudonym für King, was dem Ganzen dann noch einen für mich äußerst originell angefertigten Beiwert gab. Und so sind die feinen Anspielungen nur eine Frage der Zeit, eh an sich scheint Carpenter hierbei nach äußersten Maßen auf die kleinen, liebevollen Details zu achten - selbiges sollte man selbst beachten. So wie auch, dass Carpeters Regiestil sich erneut eher dem subtilen Grusel widmet, in der präsent Symbolik dargestellt wird und sogar ein Hauch von Surrealismus hinüberschwingt. Aber zugleich vermischt mit wohl dosierten und herzlich doppelbödigen Schockmomenten (Carpenter verzichtet demnach zugleich auch nicht auf seine typischen Zutaten), eine faszinierende und unheimliche Charade, die Carpenter mit einem treibt.



Das macht allein die Grundidee von seinem Film so anziehend und schon der Anfang legt nahe, dass sein Film wiederum auch nicht auf eine angespitzte, satirische Note verzichtet, was sich meiner Meinung nach zunächst auch in der fast surrealen und prächtigen Optik widerschlägt, gerade der Kontrast zwischen den Bildern, einerseits erleuchtend, andererseits düster und unheilvoll in der Bildersprache, legt dabei auch eine gewisse Doppeldeutigkeit in ihrer Interpretation nahe und mich faszinierte dies zweifelsfrei. Auch wenn ich in den anfänglichen Momenten, mich doch noch skeptisch zeigte, dies verschwand spätestens nach den folgenden 5 Minuten und Carpenter faszinierte wie fesselte bis zum konsequent durchgesetzten Abschluss seines Films, was nebenher erwähnt ihm auch einen wunderbar-bösartigen Ton verleiht, wobei man hier an sich auch auf ironische Untertöne und präzise platzierten Humor setzt, neben Carpenters sich konstant immer weiter entwickelnden Trip in den Wahnsinn und in dem er seinen Hauptprotagonisten an seine Grenzen treibt, mit doppelnden Boden wie auch klug mit eingefädelten Twists ausgestattet und effektiv inszeniert vom Meister, so auch von eben jenem wieder schaurig-schön untermalt. Außerdem ist auch der Nebencast gut gewählt, mit Jürgen Prochnow als verschwundener Autor (Figur des Mysteriums) Sutter Cane oder eben Charlton Heston als undurchsichtiger Verleger, obgleich hierbei doch das Problem bestehe, dass man den Nebenfiguren an sich leider zu wenig Screentime einräumt, um sie in ihren Zügen voll und ganz zu erfassen. Des weiteren hat Hayden Christensen eine Minirolle, nicht erwähnenswert. An sich gäbe es viele, kleine Makel, die man Carpenters Film ankreiden könnte, mich störten diese jedoch insgesamt wenig. Insofern überwiegt auch zweifelsfrei der allzu positive Anteil. Carpenter verstrickt geschickt die Welten der Realität und Fiktion, zwischen Wahrheit und Lüge oder Wahn und Wirklichkeit, es wird Paranoia geweckt und der Wahnsinn gewinnt Überhand, meisterlich von ihm eingefädelt.




Was mich demnach auch dazu führt Carpenters ausgeklügeltes Verwirrspiel doch als unterschätzt anzusehen, welches insofern zu Unrecht floppte und ich gar zu meinen favorisierten Filmen seitens der Horrorlegende zählen würde. Da sein Film eine ganze Bandbreite an faszinierenden Details bietet, welche es zu erfassen gilt, Sam Neill agiert dazu brillant und auch als Ode an einen der größten Horrorautoren unserer Zeit clever und ambivalent inszeniert und darausergibt sich zusammengefasst bei Carpenters "Mächte des Wahnsinns" eine mehr als gelungene Symbiose des Alptraums. Das was der Altmeister eh schon immer am besten konnte.



8.0 / 10

Autor: Hoffman