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Mittwoch, 29. Mai 2013

Truffaut Retrospektive #1 - Klassiker der Extraklasse: Antoine et Colette (1962)




Nachdem Truffaut »Jules und Jim« (1962) abgedreht hatte, widmete sich Truffaut diesem kleinen Kurzfilm, bei welchem er die Geschichte seines Alter Egos Antoine Doinel (= dem ewigen Rebellen und Symbol der Nouvelle Vague) weiterspinnt. In »Antoine und Colette« sollte nun unser junger Doinel, der nun beinahe erwachsen ist, das kennen lernen, was ihm in seiner Kindheit verwehrt blieb: Die wahre Liebe. In diesem Fall berufe ich mich übrigens auf die fehlende Liebe seiner Eltern. Dabei ist Truffauts »Antoine und Colette« ein Beitrag aus dem fünfteiligen Episodenfilm »Die Liebe mit 20«, zu welchem unter anderem auch (Renzo) Rossellini, Wajda und (Marcel) Ophüls Kurzfilme beisteuerten. Clever also, dass Truffaut die Möglichkeit nutzte, um seinen Doinel-Zyklus weiterzuführen, wieder mit dem geliebten Jean-Pierre Leaud als Protagonisten. Und sofort fühlt man sich wieder heimisch in den lebendigen Bildern von Paris, dieses Mal ästhetisiert sie schließlich auch der große Coutard, der Lebensnähe schafft. Unser Doinel ist selbstständig, besitzt nun eine Wohnung und ist ein fleißiger, kleiner Arbeiter - in einer Schallplattenfabrik, da wird selbstredend auch des öfteren mal der Chanson gespielt. Leicht und liebenswert erzählt, und auch die alten Bekannten hat Truffaut nicht vergessen, montiert in Rückblicken elegant bekannte Szenen und lässt den Zuschauer nostalgisch an »Les Quatre cents coups« zurückdenken. Das Kino liebt unser Antoine auch immer noch und die erste Liebe trifft er im Konzert - wie hochromantisch! Blicke schweifen, eine Obsession, das Mädchen wird verfolgt und es werden Annäherungsversuche gemacht, mal mehr, mal weniger gelungen. Dann erfolgt die Kommunikation der Beiden (= Antoine und Colette) über Bücher, Platten oder es wird einfach nur so geredet, gern auch über Musik. Sie ist schließlich Musikstudentin, er ein Schallplattenfabrikant. Das sind mir Zwei, die sich gefunden haben! Oder doch nicht?



Colette gibt sich desinteressiert dem verliebten Antoine gegenüber, scheint ihm nicht zugeneigt zu sein, ist so abweisend, wie eine kalte Dusche. Für sie ist er wohl eher ein Freund und Kumpel. Da kann die Liebe schon mal schmerzlich sein, da helfen keine Näherung per Wohnungswechsel oder Besuche. Naja, wenigstens die Eltern empfinden starke Empathie gegenüber einem. Der Kummer ist trotzdem groß. Und wie Truffaut das alles wieder verpackt und schildert, so voller Esprit und Charme, so frei und so munter, wie auch versehen mit diesen feinen Anspielungen und Details, wie das gemalte Bild des jungen Antoine an der Wand, bei denen Truffaut expliziten Bezug zum vorherigen Doinelteil herstellt. Von der Lieblosigkeit führt Truffaut also zur gescheiterten Liebe und will es sichtlich in seinen folgenden Teilen fortführen vielleicht sogar bis zum wahren Glück. Also nur Mut, junger Doinel! Da ist es fast schon schade, dass Truffauts Werk nur ein Kurzfilm ist. Wobei das Konzept dahinter eigentlich logisch erklärbar ist, dass Truffaut einen erneuten (kurzen) Blick in Antoine´s Leben wagt, um zu veranschaulichen, dass auch die erste Liebe nicht die Wahre sein muss. So schafft es Truffaut also wieder die Authentizität der Realität ins fiktive Kino zu bringen.




8.0 / 10

Autor: Hoffman

Dienstag, 28. August 2012

Der Klang des unermütlichen Rebellen - Klassiker der Extraklasse: Sie küssten ihn und sie schlugen ihn




»Les Quatre Cents Coups« - Der Anbeginn alter guten Dinge. Der Beginn der Novuelle Vague. Der Beginn des großen Francois Truffaut. Der Beginn des persönlichen Doinel-Zyklus. Durch den Beginn des Nouvelle Vague auch der Beginn vieler anderer großer Regisseure von Godard, Chabrol, Rohmer (ok, den mag ich nicht) bis Resnais und auch der Beginn des oft zitierten Schlussbildes - obgleich es vor Truffaut wiederum auch nicht möglich gewesen wäre. Aber nicht der Beginn meiner Liebe zum Film - das wäre zu klischeehaft. Der Anbeginn von allem Guten - nun gut das wäre zu weit gefächert. Aber immerhin ein Beginn. Aber genug von zweitrangigen Buchstaben: »400 Blows« aus dem Jahre 1959 legte schließlich den Grundstein für den Anfang wie auch ersten Spielfilm von Francois Truffaut. Und auch dieser Film beginnt: Kunstvoll wie Truffauts gesamtes Schaffen. Mit einer Kamerafahrt durch das bezaubernde Paris. Bevor uns Truffaut kurz darauf mit seinem Alter Ego bekannt macht: Antoine Doinel.




Der Held des Nouvelle Vague. Der Revolutionär. Das Symbol der Nouvelle Vague. Kein Rebell und doch ein Rebell, der gegen die Normen der alten Generation ankämpft. Ein zweckloser Kampf? Noch nicht ganz. Der tapfere Kämpfer. Die Sympathiefigur? Ein respektloser, frecher, dreister, ungeliebten und schelmischer Junge? Auch ein Kleinkrimineller. Und ein Lügner. Als Projektion wie Intention dieser Stilrichtung? Als Kampf des Individuums gegen das Systems? Ja, so was gab es schließlich nur bei Truffaut und seiner selbstreflexionistischen Figur. Überall kleinere filmische Revolutionen. Und ja Doinel als Symbol der Stilrichtung. Der Schrei nach Veränderung. Der Charakter des Doinel lässt sich zweifelsfrei auf den Gedanken dieser übertragen. »Wind of Change« in der Generation wie auch im Medium Film. Der Junge, der sich nicht anpassen will. Weg vom alten hin zum neuen. Eine neue Hoffnung.

Der Wille des Truffaut geschieht aus Kinderaugen und die Konventionsbrüche werden beantragt, etwas kleiner und zahmer, aber noch wie gesagt jeder beginnt klein. Daher mag »400 Blows« doch noch Konventionen enthalten, was so mancherlei Stilmittel betrifft. Unser Antoine Doinel kristallisiert sich stark heraus, während sein Umfeld hierbei mit Klischees belegt wird, um zu verdeutlichen, auch wenn es Truffaut schafft diesen Klischees durchaus Authentizität zu verleihen. Liegt vielleicht auch nur an heutigen Umständen, so etwa die desinteressierte Mutter, der bemühte Stiefvater, der treue Kumpel oder die tyrannischen Lehrer. Doinel grandios dargestellt vom späteren Nouvelle Vague-Star der Herzen, Jean-Pierre Leaud - mit gerade mal 14 Jahren - lebensnah, faszinierend wie auch glaubwürdig gemimt. Mit besonderer Intensität und nicht zuletzt unendlich sympathisch dabei. Schon hier beweist Leaud großes Können. So auch der ewige Träumer, so wird auch »Cinema« selbst gehuldigt, für welches Antoine eine Vorliebe prägt oder essentiell auch das Buch wie von Balzac.

Truffaut, dieser alte Büchernarr reflektiert sich selbst. Wenn auch hier schon seine Handschrift deutlich erkennbar, frisch wie eh und je und mit einem Charme, den man sich nicht entziehen könnte. Federleicht, in manchen Momenten melancholisch wie auch tragisch und doch zugleich so frech und spontan inszeniert, nicht ohne Humor - Truffaut beschwört die Nostalgie des Kinos geschickt herauf. Behutsam erzählt und sensibel gefasst. Verführt auch mit seinen wundervollen Bildkompositionen und seiner poetischen Ader dieser. Stilistisch hervorragend wie auch kühl gefilmt und stets mit Authentizität und purer Eleganz in Szene gesetzt. Die Kamera, intensiv schwebt sie nahezu meisterhaft über den Protagonisten und doch so umfassend. Der Nouvelle Vague lebt.





Vielleicht somit auch ein Beginn für den Coming-of-Age-Film. Wie unendlichfach erwähnt, hier beginnt vieles. Von Stil bis Truffaut. Ein verzückendes Werk. Antoine Doinel gegen die Unterdrückung der Erwachsenen. Ein Kämpfer. Ein unermüdlicher Renner. Bis zur Unendlichkeit oder einfach nur bis zum Meer. Das Schlussbild deutet und setzt dann schließlich den Jungen zwischen Sehnsucht, Zuneigung, Unabhängigkeit und Freiheit. »So shine sweet freedom?« - Es bleibt den unseren verschlossen, doch Truffaut wird fortsetzten - zunächst schießt er noch frech auf seine Pianisten - bevor er Antoine die Liebe mit Zwanzig entdecken lässt.



8.5 / 10



Autor: Hoffman

Montag, 27. Februar 2012

Klassiker der Extraklasse: Liebe auf der Flucht (1979)


Es schlägt die Uhr und das Ende scheint erkennbar. Nun noch ein weiteres Mal, Truffaut verehren und Abschied nehmen von Antoine Doinel, im Sinne der Reihe, denn mit "Liebe auf der Flucht" schloss Francois Truffaut den Kreis des Doinel-Zyklus, der einst mit "Sie küssten ihn und schlugen ihn" im Jahre 1959 begann, und so fand nun im Jahre 1979 die Geschichte des Rebellen Antoine Doinel seinen Abschluss. Ich muss aber an dieser Stelle sagen, dass ich "Liebe auf der Flucht" für den schwächsten Vertreter des Zyklus halte, denn vielmehr mag Truffauts Film für mich doch eher einem Flickwerk seiner alten Doinel-Filme ähneln.




Kurz gesagt, die Story des Ganzen wirkte auf mich tatsächlich etwas leer und wirkliche ohne Fülle, Antoine und Christine haben sich scheiden lassen, doch der Träumer will nicht aufgeben und versucht immer noch die wahre Liebe in seinem Leben zu finden und so trifft er bald wieder auf seine alte Jugendliebe Colette und bald darauf werden alte Erinnerungen wach und er lässt sein Leben noch einmal Revue passieren. So weit, so simpel und so viel Platz für Schnipsel alter Doinel-Teile, welche Truffaut wenigstens dabei gekonnt verbindet. Dennoch empfand ich dies des öfteren auch teils als störend, wenn man gerade zuvor sich intensiv mit den vorherigen Werke beschäftigte und in "Liebe auf der Flucht" nochmal ein Zusammenschnitt jener bester Momente der Filme geboten bekommt und so ist es auch nur verständlich das eine große Schwäche gerade im Aufbau und der Handlung von Truffauts Film liegt. Dennoch einen nostalgischen Wert besitzt das Werk so zweifelsfrei, in dem man sich an die großen Sekunden des Antoine erinnert und so die Vergangenheit bewältigt und vielleicht erkennt, was schon immer klar sein müsste. Eine weitere Schwäche hierbei liegt dann noch in der Tatsache, dass Truffaut dieses Mal Doinel oder gar Christine, welche trotz Scheidung noch freundschaftlich kommunizieren, recht wenig Screentime im Ganzen einräumt, jedenfalls wenn er gerade nicht aufs neue und alte Schnipsel seiner Doinel-Werke zusammensammelt, auch wenn er so doch wiederum clever mit Täuschung und Fiktion spielt und dabei doch recht zitatfreudig herangeht, doch verlegt er denn Hauptpunkt des Films eher auf den Charakter der Colette (größtenteils recht blass und aufdringlich verkörpert von Marie-France Pisier - welche die Colette bereits in Truffauts Kurzfilm "Antoine und Colette" mimte, einer kleinen, aber feinen Ergänzung zum Leben des Antoine), was wahrscheinlich der Tatsache geschuldet ist, dass jene direkt am Drehbuch mitschrieb und so ihren Charakter gleichauf in die Mitte des Kreises schob, aber dieser Charakter ist im Grunde unbedeutend, wenn es um Doinel geht. Am schlimmsten sind jene Momente, in denen Pisier versucht zwangsweise ihrem Charakter mehr Tiefe auf eine äußerst affektierte und unschöne Weise zu verleihen. Das misslingt leider vollkommen. Zum Glück sind dies auch nur wenige Sekunde des Ganzes.


Denn so spielen Jean-Pierre Leaud, wieder einmal exzellent als Doinel und dabei noch weitaus arroganter, und Claude Jade als Christine eigentlich mehr als überzeugend ihre Rollen in alter Manier und mit gewohntem Charme. Und Dorothée ist an sich auch ganz ok und ein nettes Anhängsel. Aber mal von dem Status des Flickwerks gesehen, ist Truffauts letzter Doinel-Film doch erneut geprägt von einer stilvollen Eleganz, welche eh stets präsent bei Truffaut, teilweise heiter erzählt, aber doch größtenteils konsequent-wehmütig gehalten, was ihm dann doch eine gewisse Würde verleiht, auch wenn ich ich wie gesagt finde, dass er einfallslos anmutet durch diese Schnipselei. Aber wenigstens auch Grundmotive wie Bücher und das telefonieren in speziell ausgewählten Telefonzellen sind vorhanden, ich vermute bis dato dahinter eine versteckte Symbolik, denn wer weiß. Ein feines Detail ist es. P.S: Und ich glaube in diesem Film auch die Vase aus "Die amerikanische Nacht" identifiziert zu haben, hehe!





Letztlich ist sein letzter Doinel eine Bilanz geworden aus den vorherigen Filmen, wobei zu sagen ist, dass er damit auch eher einer Montage als einem materiellen Film gleicht und doch schafft es Meister Truffaut dabei Charme und Eleganz in sein Werk zu transferieren, nicht so wie in seinen Vorgängern, aber immer noch äußerst schmackhaft. Warum schenkte er der Pisier nur so viel Raum? Das hat durchaus einen negativen Beigeschmack. Er verläuft zwar nicht reibungslos, aber zugegeben: Irgendwie kann man Truffauts Abschluss des Doinelzyklus nicht wirklich böse, dazu ist mir sein Antoine vielleicht schon viel zu sehr ans Herz gewachsen.




7.0 / 10

Autor: Hoffman

Samstag, 25. Februar 2012

Klassiker der Extraklasse: Tisch und Bett (1970)



Antoine Doinel. Antoine Doinel. Antoine Doinel. Antoine Doinel. Wie oft könnte ich diese Worte wiederholen Antoine Doinel. Antoine Doinel. Einfach wunderbar und so kämen wir nun also zum bereits dritten Truffaut in Folge, nach dem er auf Pianisten wie immer präzise schoss und uns geraubte Küsse schenkte, bittet er nun uns also zu Tisch und doch zu Bett, ob wir dfieser Versuchung wiederstehen können? Sicher nicht. Und zum vierten Doinel, das nicht zu vergessen , in Francois Truffaut Doinel-Zyklus und so begeistert auch "Tisch und Bett" aus dem Jahre 1970, ein weiterer Grund Truffaut zu lieben und zum Truffautismus überzutreten.



Nachdem Truffaut bereits in "Geraubte Küsse", die Geschichte des jungen Antoine Doinel nach "Sie küssten ihn und schlugen ihn" konsequent weiter erzählte, bleibt auch hier Truffaut seiner Inszenierung treu und erzählt auch hier insofern erneut gekonnt-konsequent. Die Geschichte geht weiter und so zeigt uns Truffaut nun den Alltag des nun doch verheirateten Paares Doinel (Antoine & Christine), das Eheleben mit all seinen Konflikten und Problemen.ob Kind, ob Affäre. Man kämpft mit dem Alltag, und mit aller Kraft. Das Auf und Ab einer Beziehung. Das Eheleben, insofern authentisch, feinfühlig und wie immer charmant gezeigt von Truffaut.


Der Cast bleibt standhaft. Mein Held Jean-Pierre Leaud mimt erneut den Antone Doinel in Perfektion, Truffauts Alter Ego mit Eleganz und Arroganz und einer gewissen Selbstgefälligkeit. Antoine eigentlich ein Naivling und irgendwie ein Rebell, der nicht erwachsen werden will wie es scheint und so hat er die Liebe nicht in ihren Vollen erfasst, und muss noch lernen was sie zu bedeuten mag. Ein komplexes Wort, wie Liebe. Kurzum wie könnte ich Leaud nicht für diese Rolle lieben, ich weiß es ehrlich gesagt nicht. Irgendwie ein kleiner Lebenskünstler. Neben ihm, auf der anderen Seite des Ehebettes, erneut Claude Jade, wieder einmal bezaubernd und stets elegant agierend, besonders wichtig dabei Madame, nicht Mademoiselle und so verzaubert sie auch hier mit ihrer natürlichen Aura als Christine. Zudem existiert auch bei "Tisch und Bett" eine gewisse Harmonie /ein lockeres Verhältnis zwischen den zwei Hauptprotagonisten, welches größtenteils stets stark spürbar bleibt, was in dem Punkt dem Ganzen immerhin auch eine gewisse Leichtigkeit verleiht. Und auch Hiroko Berghauer weiß als Antoine´s "Arbeitkollegin", mit der er eine Affäre beginnt, was Christine gar nicht gefallen mag,...Die Tür steht zum herausschreiten bereit.., zu überzeugen.




Truffaut selbst dabei, von solcher Hochform geprägt wie einst in "Geraubte Küsse", wenn nicht sogar besser, denn immerhin bemerkt man schnell, dass Truffaut hierbei doch weitaus kritischer mit dem Bürgertum ins Gericht geht und mit ihm wenigstens charmant abrechnet und insofern hinterfragt er auch den Alltag des Lebens eines Ehepaares. Ob tragisch, ob dramatisch oder humorvoll Truffaut meistert gekonnt wie auch souverän und verspürt Charme, Esprit und Eleganz wie auch im Vorgänger. Dazu angereichert mit grandios geschriebenen Dialogen, gut pointiert. Die Liebe einer Ehe, ihr Werdegang von Hingebung bis Verblassen. Überall scheinen kleine Fluchten. Truffaut´s Film dabei von einer fast schon ungewöhnlichen Leichtigkeit und Spielfreude geprägt. Wie wundervoll und zugleich amüsant. Wieder einer dieser Gründe, warum man Truffaut auf Ewig lieben könnte. Ganz einfach nur für solche Filme. Witz, Charme, Herz. Da fragt man sich glatt, was Truffauts Film nicht hat, denn auch hier verfolgte ich die Ereignisse des Lebens der Doinels gespannt wie auch fasziniert, gerade dadurch, dass Truffaut auf eine gewisse Glaubwürdigkeit bei seiner konsequenten Weitererzählung setzt, er analysiert präzise insofern seine beide Hauptcharaktere, in Art und Weise. Dabei wird selbstredend auch hier nicht die liebevolle Hommage vergessen, welche sich dieses Mal in Form eines falschen Monsieur Hulot, nett gemacht und schon denken wir an Jacques Tati. Und man zitiert bzw. parodiert auch Kollegen wie Alain Resnais und sein "Letztes Jahr im Marienbad" - fand ich nochmal besonders einprägend und bezaubernd gemacht. Und auch die üblichen Elemente sind vorhanden, es wird gelesen, und heftig telefoniert in Tefelonzellen.


Außerdem bebildert die Kamera exzellent, auch hier stets elegant, treffend und sonst auch mit einem locker-leicht bzw. charmanten Touch gefilmt. Andererseits sollte ich natürlich noch erläutern warum meiner Meinung nach "Geraubte Küsse" in Hinsicht der Bewertung siegt, denn technisch sind sie beide so gesehen ausgezeichnet, so mag der Grund schnell gefunden sein, denn "Geraubte Küsse" riss mich insofern weitaus mehr mit, eines dieser Gefühle im Sinne der Filmkunst, die man kaum mit Worten erfassen kann und erzeugte bei mir eine unbeschreibliche Faszination, zwar mag insofern jene auch bei "Tisch und Bett" existieren, aber doch spüre ich tief in meinem Filmherzen, dass der Vorgänger mich emotional mehr packte, auch wenn "Tisch und Bett" in Aufbau und Struktur erstklassig gemacht ist mit satirischen Seitenhieben, verziert mit einer unscheinbaren Dramatik.




Also bleibt mir letztendlich nur noch zu sagen, dass "Tisch und Bett" ein exzellent inszeniertes und  liebenswürdiges Meisterstück des Doinel-Zyklus ist, wie auch der Vorgänger an Charme, Eleganz und Leichtigkeit kaum zu übertrumpfen. Dabei wieder einmal großartig verkörpert in den Hauptrollen von Leaud und Jade. Kurzum: Ganz wunderbar.



                                               8.5 / 10

Autor: Hoffman