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Mittwoch, 15. April 2015

Sommer, Sonne, Strand und die Liebe - Kritik: Pauline am Strand (1983)




Eric Rohmers »Pauline am Strand« ist der dritte Teil, der unter dem Motto »Wer zuviel redet, verliert sich selbst« stand, aus seinem Zyklus »Comédies et proverbes«. Es ist wieder einmal ein dezenter und leichtfüßig voran tapsender Film von Rohmer. Ein Film, der mit einem an den Strand fährt. Ein Film, der einen in den Sommer geleitet und das eben zwischen Ferienhaus, Garten und Strand. Ein Film, in dem ausgetauscht, getanzt und surfen gelernt wird. Aber da ist natürlich noch mehr, noch viel mehr, worüber Rohmer hier berichtet: Es geht ihm auch hier wieder um das Suchen und Finden der Liebe. Er zettelt Romanzen des Sommers an. Die Liebe irrt durch die Figuren und verwirrt sie. Rohmer beobachtet fein und liebenswert seine Figuren und zeichnet sie sensibel, da ist wieder genaues zuhören gefragt. Elegant ist auch, wie Rohmer die Figurenkonstellation aufbaut und die Figuren miteinander verknüpft.



Pauline ist ein naives und verträumtes Mädchen, das sich noch nicht sicher ist, was sie finden will. Ein Mädchen, das hofft und das die Liebe kennt, aber doch nicht so wirklich, da sie nur schwärmte. Das bedeutet, dass sie die Menschen kennen will, die sie liebt, um sie zu lieben. Ihre ältere Cousine Marion ist geschieden und versucht nun die große Liebe kennen zu lernen, nachdem sie in die Irre geführt wurde. Und dann gibt es da noch die ebenfalls erwachsenden Pierre und Henri. Pierre, ein alter Freund von ihr, liebt Marion. Sie hingegen sieht ihn nur als Freund. Sie sind sich zu gleich, während Marion jemanden sucht, der sie ergänzt. Den glaubt sie in Henri zu finden, fühlt sich so zu diesem hingezogen und entbrennt schnell für ihn. Henri wiederum lebt aber nur für das Provisorische und begreift ihre Beziehung nur als körperlich. Er ist ein Jemand, der frei sein will und die Mädchen aufliest, wie er sie findet, um sich mit ihnen zu vergnügen. Er geht keine feste Bindung ein. Pierre kann Henri nicht leiden. Marion will Pauline mit Pierre zusammenbringen, um diesen zu trösten. Pauline hingegen nährt sich lieber einem Jungen ihres Alters, Sylvain, einer Zufallsbegegnung.



Die Erwachsenen führen intellektuelle Gespräche über die Liebe, tauschen sich aus und geben sich abgeklärt gegenüber diesem Thema. Als wüssten sie genau, was sie wollten und was auf sie zukommt. Sie wollen die Liebe durchschauen, das denken sie zumindest. Doch gerade sie sind jetzt diejenigen, die sich hier verirren und die sich gegenseitig täuschen, sich letztlich sogar selbst belügen und versuchen zu verheimlichen, womit sie auch die Beziehung der Jugendlichen beeinflussen und diese somit Opfer ihrer Vortäuschungsversuche werden, während die Jugendlichen in ihrer Unschuld diese Gefühlsverstrickungen der Erwachsenen wirklich durchschauen. Ihre Liebe ist - wie ihr Blick auf die Dinge - direkt und rein. Das ist gewitzt von Rohmer eingefädelt. Ebenso rein und naturalistisch sind die Bilder, die von Nestor Almendros harmonisch und ruhevoll eingefangen und von Henri Matisse inspiriert wurden. Es zeigt sich auch hier wieder, dass Rohmer ein großartiger Dialogregisseur ist, dem mit »Pauline am Strand« ein zärtliches Werk gelungen ist, das von seinen kleinen Gesten lebt.


7.5 / 10


Autor: Hoffman 

Freitag, 7. März 2014

Die Geschichte einer Amour Fou - Klassiker der Extraklasse: Die Geschichte der Adéle H. (1975)




Die Geschichte der Adele H., das ist die Geschichte einer Amour Fou, die Truffaut hier erzählt. Das »H« in ihrem Namen steht für Hugo. Sie ist die Tochter des berühmten und von Truffaut verehrten Victor Hugo. So führt dieser Film, in dessen Fokus eine Frau und deren Liebeswahn steht, von Truffaut auch wieder in vergangene Zeiten. Vergangen, das ist eigentlich auch die Musik, die Truffaut für seinen Film verwendete. Sie stammt vom Komponisten Maurice Jaubert, der 1940 starb und dessen musikalische Untermalung sowohl schnelle und bedrängende als auch elegante Klänge umfasst. Besonders die disharmonischen Klänge geben passend Stimmung und Charakter des Films wieder, sodass dadurch das Gezeigte eindrucksvoll untermauert wird. Truffaut konzentriert sich ganz und gar auf seine Protagonistin, die von Isabelle Adjani leidenschaftlich, zerbrechlich und doch impulsiv verkörpert wird. Es ist ein Film, der Adjani gehört und ihr auch gehen sollte, laut Truffaut. Und auch die Bilder kleben an seiner Protagonistin.



Anfangs verschleiert Truffaut noch die Geschichte: Eine Frau kommt von London nach Halifax. Sie hat einen falschen Namen angenommen. Langsam wird das Thema des Films erkennbar. Es geht um die Liebe von Adele zu einem gewissen Leutnant Pinson, den sie in London kennen lernte und für den sie alles tun und dessen Frau sie gerne werden würde. Sie läuft ihm nach, sie ist sehnsüchtig nach ihm und würde mit ihm bis zu ihrem Tod zusammenbleiben. Sie ist eine Frau, die sich nach dem Absoluten sehnt. Er hingegen liebt sie nicht mehr. Er lebt für das Provisorische. Für ihn war das in London mit ihr nur eine weitere Affäre. Es gab vor ihr und es wird auch nach ihr Frauen für ihn geben, sagt er. Truffaut geht hier also wieder um die Obsession einer Frau, welche er diskret erzählt und welche gepflegt ausgestattet ist. Jedoch hetzt er oftmals von Szene zu Szene, sodass sie sich anfangs nur schwerlich entfalten können (als Beispiel wäre hier die Szene zu nennen, in der Adele einem Soldaten, der von Truffaut selbst gespielt wird, den sie für Pinson hält, nachläuft). Sein Film wirkt in dieser Hinsicht recht zusammengepfercht. Dabei gehört auch dieses Werk zu Truffauts düsteren Filmen. Aufregend ist wie er die Alpträume Adeles vom Ertrinken visualisiert und so auch die erdrückende Last, die auf ihr liegt, verdeutlicht.



Sie nimmt einen falschen Namen an, um sich vor ihrer Identität zu flüchten. Sie versucht diesem Namen zu entkommen. Auf ihr liegt der Druck des Namens ihres Vaters und in diesem Sinne versucht sie ihre Ziele auch umzusetzen. Es ist wohl auch der Versuch einer Emanzipation. Sie versucht das Absolute zu erlangen, ein Wunsch, in den sie sich aber zu drastisch hineinsteigert. Sie versucht die Liebe des Leutnants zu erzwingen. Sie ist bereit dafür alles zu geben. Sie leidet und verzweifelt. Sie versucht diese absolute Liebe seinerseits unbedingt zu erreichen. Sie kann nicht loslassen und lehnt auch die Annäherungen eines Buchhändlers vollkommen ab. Auch Briefe spielen hier als Mittel der Kommunikation eine bedeutende Rolle, nicht nur, dass sie die Handlung vorantreiben, sondern auch, dass sie das Scheitern der Kommunikation aufzeigen. Briefe sind hier trügerisch. Da Adele ihren Eltern per Brief Dinge vorlügt und sich damit natürlich auch selbst belügt. Sie gibt sich ganz dieser eigen geschaffenen Illusion hin. Die Liebe hat hier also eine zerstörerische beziehungsweise selbstzerstörerische Wirkung. Nach außen gibt sich Adele vielleicht resolut, innerlich ist sie aber zerrissen und wird letztlich an dieser Liebe zerbrechen und zerfallen. Und während ihr Vater eine große und imposante Gedenkfeier bekommen wird, wird sie stets in seinen Schatten bleiben und unerkannt und als gebrochene Frau sterben.



7.0 / 10

Autor: Hoffman 

Donnerstag, 27. Februar 2014

Der Junge aus den Wäldern - Klassiker der Extraklasse: Der Wolfsjunge (1970)




Dieses Werk von Truffaut beginnt wie ein Film aus vergangenen Tagen, wie etwas, das aus der Zeit gefallen ist, eine Aufblende, eine Irisblende, welche Truffaut hierbei konstant verwendet, die sich vom Kreis zum großen Bild ausweitet, als würden einem hier die Augen geöffnet werden. Es ist wohl inszenatorisch Truffauts konsequentester Umgang mit einer historischen (und wahren) Begebenheiten. Und zunächst wird hier auch nicht gesprochen, es wirken ganz die Bilder von Natur, nur das Rascheln der Blätter ist zu vernehmen und ein Junge, der eins geworden ist mit der Natur, ist zu sehen. Truffaut streift mit ihm durch die Natur und Wälder. Er geht gekrümmt, klettert auf Bäume, will überleben, wird gejagt und schnell gefangen, wo er zum Institut für Taubstumme gebracht wird und dort von einem Dr. Itard unter dessen Fittiche genommen wird. Truffaut legt sein Werk dokumentarisch an, in stilistisch schwarzweißen Bildern. Die Bilder sind stilecht wie auch an sich sehr hell, dieses Weiß sticht hervor und dominiert die Bilder die meiste Zeit. Truffaut studiert hier genau, steckt viel Liebe ins Detail und erzählt sehr kompakt wie auch komprimiert. Er verdichtet den Stoff mit Kürzungen.

Der Einstieg mag da vielleicht hastig sein, aber nur logisch, da es die Beziehung zwischen Dr. Itard und dem Wolfsjungen Victor ist, auf die sich Truffaut stützt, das ist, was diesen Film in gewisser Weise ausmacht, was fasziniert. Seine Konzentration liegt auf der Verbindung dieser beiden Charaktere, er arbeitet mit Reduktion, irgendwie erinnert das an Bresson. Dieser Film hat einen sehr experimentellen, daneben noch pädagogischen, Charakter inne und das gefällt. Er ist ein wilder, widerspenstiger, rebellischer Junge, der zur Schau gestellt für die enttäuschten Pariser, als hoffnungsloser Fall bezeichnet wird, als ein Idiot, aber Truffaut (und ebenso sein dargestellter Charakter des Itard) hat Verständnis für ihn, ein Kind, möglicherweise ein uneheliches Kind, das ausgesetzt wurde und so nichts für sein Lage kann, eben ein Unglück. Dieser Truffaut zeugt eben auch von großer Menschlichkeit. Das Kind wird gepflegt, untersucht, es wird geübt, Truffaut nährt sich feinsinnig dem Thema an, es wird entwickelt, überdacht und umgedacht, es soll erlernen und lernen, eine Erziehung genießen, eine Aufgabe zwischen Erfolgen und Misserfolgen, die zu neuen Lösungswegen führen, der Doktor ist erpicht auf Forschung, auf Test und darauf ihn ständig zu prüfen, aber ein Kind muss auch mal ein Kind sein dürfen. Und auch viel persönliches steckt in diesem Film: die Theorie des Autodidakt, die Beziehung zwischen Truffaut und Léaud, dem dieses Werk auch gewidmet ist, wie auch die Beziehung zwischen André Bazin und Truffaut, der, wie er für Léaud,  eine Vaterfigur, die ihn aufnahm, war. Daneben sind die Fenster leuchtend und werden in manchen Szenen zu Portalen, zu Verbindungslinien zwischen zwei Punkten und Spiegel dienen als Projektionen. »L'Enfant sauvage« ist eines von Truffauts großen, kleinen Werken. Wenn man so möchte, ein besonderer Film.


8.0 / 10

Autor: Hoffman 

Donnerstag, 22. August 2013

Truffaut Retrospektive #8 - Kritik: Auf Liebe und Tod (1983)



Truffauts letzter Film, welchen er damals verlangte recht schnell abzudrehen, ist eine Hommage an den Film noir und seine absolute Hinwendung zu Alfred Hitchcock und dessen Spannungskino geworden. Die Bilder sind in ästhetisches wie auch reizvolles Schwarzweiß getränkt, mit welchem Truffaut die Kontraste von Licht und Schatten hervorheben möchte, um einerseits seinen Vorbildern näherzukommen, andererseits um die düstere Atmosphäre eines Kriminalfilms zu verstärken. Wieder wird Truffauts Film von einer Frau (Fanny Ardant) dominiert, vorangetrieben als würde sie ihn förmlich beherrschen. Ein Chef (Jean-Louis Trintignant), der unter Mordverdacht steht (wie eben bei Hitchcock) und sie als seine tatkräftige Sekretärin und letzte Vertraute, die er vorher noch abwies und nun wieder um Mitarbeit bittet, die nun helfen will und ermittelt. Ein witziger Aspekt ist hier auch wie Truffaut, ganz im Stile Howard Hawks, die Geschlechterrollen vertauscht, der Mann ist bei Truffaut passiv und defensiv, die Frau schreitet hingegen zur Tat: Frech, mit Herz, Verstand und im Regenmantel. Der Aspekt, der schließlich Truffaut auch zu »Vivement Dimanche« inspirierte. Straff erzählt Truffaut die Geschichte stets zwischen Leichtigkeit und Dramatik, zwischen Humor und Spannung, zwischen düster und salopp und das natürlich mit viel Charme. Gewitzt mixt Truffaut also die bekannten Versatzstücke von Überwachung, Beschattung, Verhören, Detekteien, eigener Nachforschung, Wiederaufnahme durch Rückblenden und Telefonzellen! Wo wären wir bloß ohne sie?!



Eine Suche bei dunklen Nächten und Regen, voller inszenatorischer Details, durch verdächtige Nachtclubs und Hotels, bei der sich Abgründe auftun und Geheimnisse gelüftet werden. Es ist natürlich auch ein Film, in dem Truffaut noch ein letztes Mal in wunderbarer Manier die Beine der Frauen huldigt, als wäre es ein langerwartetes und offenkundiges Geständnis und damit eine Liebeserklärung an sie und die Frauen selbst. Ein feines Detail ist hier daneben auch, dass (wie es die Zeitung schreibt) Kubrick und dessen »Paths of Glory« im Kino läuft, welchem Truffaut hier auch eine gewisse Bedeutung zukommen lässt. Und auch Verweise auf das Theaterspiel und Victor Hugo lassen sich finden. Dabei blickt Truffaut doch auch in kleinen Momenten sanft und interessiert auf seine zwei Protagonisten und ihre Chemie, als wäre ihre Liebe noch unausgesprochen. Da spricht Truffaut freilich auch kurz Hitchcocks Kernmotiv von Schuld und Unschuld an und entlarvt letztlich humorvoll die Verlogenheit, die Niedertracht und die Lügen. So entpuppt sich das Verbrechen als zweifelhafte Tat für die Frauen und ihre Magie, also sind Liebe und Tod vereint! Am Ende stehen ein Mann, der die Frauen liebte und ein versöhnlicher Abschluss. Truffauts letztes Werk ist eine stimmige, verspielte, atmosphärische und im allerersten Sinne unterhaltsame Hommage, bei der man gerne in den Bilder der Vergangenheit (= Nostalgie) schwelgt und Truffaut noch einmal für sein Schaffen danken möchte, auch wenn dieser Film damit die eigentliche Abkehr von seinen anfänglichen Zielen war.


7.5 / 10



Autor: Hoffman

Mittwoch, 7. August 2013

Truffaut Retrospektive #6 - Kritik: Die letzte Metro (1980)



Truffauts »letzte Metro« ist ein Studiofilm geworden, mit Kulissen, die aussehen wie im Theater und einer räumlichen Struktur und Gestaltung, die in ihren Ausführungen beschränkt scheint. Das Szenenbild wirkt künstlich, doch mir gefällt diese eingeschlossene Atmosphäre an Truffauts Film, der sich um eine Theatergruppe und das Theater selbst, während der deutschen Besatzung im zweiten Weltkrieg, dreht. Ganz dokumentarisch setzt Truffaut den Zuschauer zunächst ins Bild von Zeit, Geschehen und Geschichte. Dabei ist für Truffaut der politische Kontext sekundär, wie immer interessiert er sich vielmehr für seine Figuren und das Leben und auch wenn dies eine Studioproduktion ist, so verzichtete Truffaut auch nicht auf seinen altbekannten Stil, um die Handlung zu erstellen, in dem er sich von der detaillierten Archivarbeit und teils von seiner eigenen Kindheit, in der er diese Zeit erlebt hatte, inspirieren ließ. Dieser Aspekt wird am deutlichsten, wenn Truffaut den Kontrast zwischen Theater und Realität durchleuchtet. Truffauts Werk ist geprägt von Dunkelheit (= als Symbol der Frustration) und sanften Lichtern (= als kleine Hoffnungsschimmer), von geheimen Orten, Verstecken und von der Nacht. Das Theater und die Kinos leben, sie sind voll von Zuschauern, die so versuchen der düsteren Realität zu entfliehen, auch wenn es nur für wenige Stunden ist.





So erinnert das dann auch ein bisschen an Truffauts »Die amerikanische Nacht«, bloß, dass Truffaut dieses Mal nicht das Kino illustriert, sondern seine Faszination hierbei dem Theater gilt, von Vorbereitung, Inszenierung und Premiere, in Zeiten der Besatzung. Dabei ist besonders beachtlich wie subtil er den Grat zwischen hintersinnigem Humor, der gerne auch frech sein darf, und Dramatik bei der Geschichte hält, die Truffaut damit sowohl behutsam als auch des öfteren ironisch erzählt und dank Almendros in ein exquisites Bildergewand gekleidet. Es ist natürlich auch wieder eine Dreiecksgeschichte, welche Truffaut schildert (selbstredend auch nicht ohne Frauenbeine und Chansons!). Der junge Depardieu als Bernard, ein Charmeur, der sich den Frauen liebevoll nährt und Schauspieler, der seine politischen Überzeugen umzusetzen versucht; Deneuve als emanzipierte Theaterchefin, die sich durchsetzen und Kraft nach Außen strahlen muss, was ihr (der Figur, wie auch Deneuves Spiel an sich) einen kühlen Stich verleiht, dahinter verbirgt sich aber mehr, wie die Liebe und ihre Sorge um ihren Mann, für den sie die Flucht plant, dem jüdischen Theaterregisseur Steiner (Heinz Bennent), der isoliert und ohnmächtig im Keller des Theater verborgen verweilen muss und langsam zu verzweifeln droht durch das Warten, dieses endlose und quälende Warten. So dirigiert er nun hinter (oder unter) den Kulissen, durch seine Frau als ausführendes Organ, das Stück. Seine Frau führt ein Doppelleben, von Tarnung und Täuschung, wie im Theater, sie muss die Fassung wahren und nimmt damit eine heikle Position in dieser Zeit von Gefahren, Verdächtigungen, Denunzianten, selbstgefälligen Journalisten und Stromausfällen ein. Da ist Vorsicht geboten.




Denevues Figur steht aber auch in der Liebe im Mittelpunkt von Theater und Realität, im Theater liebt sie Bernard, im Leben gibt sie sich ihrem Mann hin, doch entwickelt Truffaut daraus langsam eine Übertragung von Schein zu Sein; das gilt aber auch für den gesamten Film. Eine besonders amüsante Szene ist in dieser Hinsicht ist jene, wenn Steiner kurz darüber spricht, dass seine derzeitige Situation ihn an ein Theaterstück erinnere, oder eine andere wunderbare Szene ist, wenn er im Zuge der Premiere des Stücks nervös und bangend um den Erfolg des Stückes fürchtet, dabei aufgeregt das Zimmer auf- und abschreitet, während seine Frau die Ruhe selbst  ist, ein witziger Schwenk in die Richtung des von Truffaut verehrten Howard Hawks. Und beim herrlichen Schlussakkord führt Truffaut schließlich persönlich alles mit aberwitzigen Tempo zum Ende und schreitet humorvoll zum Epilog, in dem er nun das Theater und die Wirklichkeit vollkommen miteinander verschmelzen  und zu einem werden lässt.



8.0 / 10

Autor: Hoffman 

Dienstag, 18. Juni 2013

Truffaut Retrospektive #3 - Klassiker der Extraklasse: Zwei Mädchen aus Wales und die Liebe zum Kontinent (1971)




Ein zweites Mal arbeitet Truffaut also nach einer Vorlage von Roché, wieder ist es dabei eine Dreiecksgeschichte, die ihn interessiert, wie einst in »Jules und Jim«. Hier sind es zwei Mädchen (= die Engländerinnen Anne und Muriel), die einen Mann (=  der Franzose Claude; Jean-Pierre Leaud) lieben und wieder thematisiert Truffaut sein Lieblingsmotiv der ausweglosen Liebe, doch zieht es ihn hier auch in die Vergangenheit, aber das war ja auch in »Jules und Jim« nicht anders. Man spürt das Herzblut, mit welchem Truffaut an die Arbeit ging, umso tragischer ist natürlich die Bilanz, dass sein Werk schlussendlich zum Misserfolg wurde, trotz Truffauts großer Ambitionen gegenüber dem Film. Besonders interessant ist dabei Truffauts Herangehensweise an die Verfilmung des Romans, die Titelsequenz ist mit den Buchseiten verziert, danach rekonstruiert Truffaut die Zeitepoche mit einer edlen Ausstattung und stilvollen Dekors und wie einst gibt es auch hier den Erzähler aus dem Off, der detailgetreu die Figuren und das Fortschreiten der Handlung schildert. Diese Stimme verbindet gekonnt den Übergang von Roman zu Film, da sie eben auch als direkte Parallele zum Roman gesehen werden kann, den Truffaut auf diese Weise durchdacht und nachvollziehbar komprimiert, auch wenn das dann manchmal etwas zu ausbuchstabiert ist.



Daneben ist auch der konstant ernste und gesetzte Erzählton durchaus ungewöhnlich für den Truffaut dieser Zeit, aber zeigt hier auch schon eine erste Entwicklung und Überlegung seitens des Regisseurs, welche durch die gemächliche Erzählweise noch bestärkt wird. So kann »Les Deux anglaises et le continent« auch als Abwechslung in Truffauts mittlerer Schaffensperiode gesehen werden. Auch wenn man dazu ergänzen sollte, dass Truffauts Film wohl gesittet erzählt sein mag, jedoch nichts von seiner gewandten Art und inszenatorischen Anmut verliert. Im Gegenteil sogar, Truffaut präsentiert eine äußerst ausgewogene Verbindung zwischen Erzählstil und den grazilen Bildern. Da sind nur die Zeitsprünge in der Handlung manchmal etwas zu abrupt. Truffaut ging es hierbei aber, wie er selbst meinte, darum einen körperlichen Film über die Liebe zu erschaffen und dies gelingt ihm vorzüglich durch die belebten und förmlich atmenden Bilder von Almendros, vom Meer oder einfach von der Landschaft, und so baut er damit eine besondere (innere) Ruhe auf, in die man gerne versinken möchte. Es ist so eine sanfte Melodramatik, mit welcher Truffaut seine Geschichte erzählt: Seine Charaktere versuchen die Liebe zu finden und festzuhalten, die Trennung folgt als Opfer für das Glück und für die Liebe. Eine solche Trennung erlaubt aber auch die Geschichte und die Gedanken der Figuren aus verschiedenen Perspektiven zu betrachten. Sie sind dabei hin und her gerissen in ihren Entscheidungen und stehen dabei sowohl vor moralischen als auch vor emotionalen (= innerlichen) Konflikten. Und man kann sogar kleine Andeutungen in Richtung des damals aktuellen Kontextes der sexuellen Revolution entdecken, wenn man das Erwachen der Sexualität als eine solche Parallele sehen möchte. Es ist also ein Film über eine wechselhafte und zerbrechliche Liebe. Eine Liebe, die gleichzeitig auch mit dem Schmerz verbunden ist, die absolute Liebe wird damit unmöglich und unerreichbar.



7.5 / 10

Autor: Hoffman 

Dienstag, 4. Juni 2013

Das Streben nach Glück - Klassiker der Extraklasse: In der Glut des Südens (1978)


Wenn man 'Days of Heaven' sieht, fühlt es sich an, als würde man in Erinnerungen schwelgen. Teils über eine längst vergangene Zeit, die die meisten Zuschauer wohl nicht mehr mit erlebt haben dürften, aber die - zumindest auf mich - eine riesige Faszination ausübt: das aufkommende 20. Jahrhundert. Die Welt befindet sich im Wandel und geht mit großen Schritten in Richtung Moderne. Alles scheint in diesen Zeiten möglich zu sein: schnelles Geld, schnelle Armut, ein schönes Leben, ein elendes Leben, usw...
Auf der anderen Seite fühle ich mich oftmals an das eigene (Fehl-) Verhalten erinnert: man lügt anderen was vor, da man glaubt, dass man sich dadurch irgendwie einen Vorteil erringen kann, durch den plötzlich alles besser wird, nur um zu merken, dass es dann doch nichts bringt und man seine Situation nur noch verschlimmert. Doch Malick verteufelt dieses Verhalten nicht und gibt auch kein utopisches Ideal vor, er zeigt Menschen, die sich einfach wie Menschen verhalten. (Stichwort: "Nobody's perfect")


Diese allzu menschliche Tragödie ist vor einer Kulisse angesiedelt, die ihres Gleichen sucht, und wirklich zum traumhaftesten gehört, was eine Kamera bisher eingefangen hat. Wenn es den Himmel auf Erden gäbe, dann würde wohl so aussehen. Da ist es verständlich, dass man für ein - scheinbar - sorgenfreies Leben an diesem Ort Lug, Betrug und noch mehr in Kauf nimmt.

Im Gegensatz zu seinen Filmen ab 'The Thin Red Line' ist die Erzählstimme hier noch klassischer Natur, da hier Einstellung an Einstellung aneinandergereiht wird, und nur durch das klassische Voice Over des kleinen Mädchens (in etwa die klügste Person im ganzen Film) erhalten die Bilder einen linearen Zusammenhang. Wenn man dann nach einer Weile bemerkt, was dieser Film mit einem macht - eben dieses Schwelgen in Erinnerungen mit allen Höhen und Tiefen -, dann erkennt man, was für eine große Kunstform Film sein kann, wenn der Richtige hinter der Kamera steht.



Und sobald am Schluss der Garten Eden seine Türen geschlossen hat; die Menschen tot sind oder getrennte Wege gehen - erneut einer ungewissen Zukunft entgegen -, dann weiß man, dass das Streben nach Glück immer wieder aufs Neue zum Scheitern verurteilt ist. Doch wir können es nicht lassen, da die bloße Aussicht darauf viel zu schön erscheint.

10/10

Autor: MacReady


Montag, 27. Februar 2012

Klassiker der Extraklasse: Liebe auf der Flucht (1979)


Es schlägt die Uhr und das Ende scheint erkennbar. Nun noch ein weiteres Mal, Truffaut verehren und Abschied nehmen von Antoine Doinel, im Sinne der Reihe, denn mit "Liebe auf der Flucht" schloss Francois Truffaut den Kreis des Doinel-Zyklus, der einst mit "Sie küssten ihn und schlugen ihn" im Jahre 1959 begann, und so fand nun im Jahre 1979 die Geschichte des Rebellen Antoine Doinel seinen Abschluss. Ich muss aber an dieser Stelle sagen, dass ich "Liebe auf der Flucht" für den schwächsten Vertreter des Zyklus halte, denn vielmehr mag Truffauts Film für mich doch eher einem Flickwerk seiner alten Doinel-Filme ähneln.




Kurz gesagt, die Story des Ganzen wirkte auf mich tatsächlich etwas leer und wirkliche ohne Fülle, Antoine und Christine haben sich scheiden lassen, doch der Träumer will nicht aufgeben und versucht immer noch die wahre Liebe in seinem Leben zu finden und so trifft er bald wieder auf seine alte Jugendliebe Colette und bald darauf werden alte Erinnerungen wach und er lässt sein Leben noch einmal Revue passieren. So weit, so simpel und so viel Platz für Schnipsel alter Doinel-Teile, welche Truffaut wenigstens dabei gekonnt verbindet. Dennoch empfand ich dies des öfteren auch teils als störend, wenn man gerade zuvor sich intensiv mit den vorherigen Werke beschäftigte und in "Liebe auf der Flucht" nochmal ein Zusammenschnitt jener bester Momente der Filme geboten bekommt und so ist es auch nur verständlich das eine große Schwäche gerade im Aufbau und der Handlung von Truffauts Film liegt. Dennoch einen nostalgischen Wert besitzt das Werk so zweifelsfrei, in dem man sich an die großen Sekunden des Antoine erinnert und so die Vergangenheit bewältigt und vielleicht erkennt, was schon immer klar sein müsste. Eine weitere Schwäche hierbei liegt dann noch in der Tatsache, dass Truffaut dieses Mal Doinel oder gar Christine, welche trotz Scheidung noch freundschaftlich kommunizieren, recht wenig Screentime im Ganzen einräumt, jedenfalls wenn er gerade nicht aufs neue und alte Schnipsel seiner Doinel-Werke zusammensammelt, auch wenn er so doch wiederum clever mit Täuschung und Fiktion spielt und dabei doch recht zitatfreudig herangeht, doch verlegt er denn Hauptpunkt des Films eher auf den Charakter der Colette (größtenteils recht blass und aufdringlich verkörpert von Marie-France Pisier - welche die Colette bereits in Truffauts Kurzfilm "Antoine und Colette" mimte, einer kleinen, aber feinen Ergänzung zum Leben des Antoine), was wahrscheinlich der Tatsache geschuldet ist, dass jene direkt am Drehbuch mitschrieb und so ihren Charakter gleichauf in die Mitte des Kreises schob, aber dieser Charakter ist im Grunde unbedeutend, wenn es um Doinel geht. Am schlimmsten sind jene Momente, in denen Pisier versucht zwangsweise ihrem Charakter mehr Tiefe auf eine äußerst affektierte und unschöne Weise zu verleihen. Das misslingt leider vollkommen. Zum Glück sind dies auch nur wenige Sekunde des Ganzes.


Denn so spielen Jean-Pierre Leaud, wieder einmal exzellent als Doinel und dabei noch weitaus arroganter, und Claude Jade als Christine eigentlich mehr als überzeugend ihre Rollen in alter Manier und mit gewohntem Charme. Und Dorothée ist an sich auch ganz ok und ein nettes Anhängsel. Aber mal von dem Status des Flickwerks gesehen, ist Truffauts letzter Doinel-Film doch erneut geprägt von einer stilvollen Eleganz, welche eh stets präsent bei Truffaut, teilweise heiter erzählt, aber doch größtenteils konsequent-wehmütig gehalten, was ihm dann doch eine gewisse Würde verleiht, auch wenn ich ich wie gesagt finde, dass er einfallslos anmutet durch diese Schnipselei. Aber wenigstens auch Grundmotive wie Bücher und das telefonieren in speziell ausgewählten Telefonzellen sind vorhanden, ich vermute bis dato dahinter eine versteckte Symbolik, denn wer weiß. Ein feines Detail ist es. P.S: Und ich glaube in diesem Film auch die Vase aus "Die amerikanische Nacht" identifiziert zu haben, hehe!





Letztlich ist sein letzter Doinel eine Bilanz geworden aus den vorherigen Filmen, wobei zu sagen ist, dass er damit auch eher einer Montage als einem materiellen Film gleicht und doch schafft es Meister Truffaut dabei Charme und Eleganz in sein Werk zu transferieren, nicht so wie in seinen Vorgängern, aber immer noch äußerst schmackhaft. Warum schenkte er der Pisier nur so viel Raum? Das hat durchaus einen negativen Beigeschmack. Er verläuft zwar nicht reibungslos, aber zugegeben: Irgendwie kann man Truffauts Abschluss des Doinelzyklus nicht wirklich böse, dazu ist mir sein Antoine vielleicht schon viel zu sehr ans Herz gewachsen.




7.0 / 10

Autor: Hoffman

Samstag, 25. Februar 2012

Klassiker der Extraklasse: Tisch und Bett (1970)



Antoine Doinel. Antoine Doinel. Antoine Doinel. Antoine Doinel. Wie oft könnte ich diese Worte wiederholen Antoine Doinel. Antoine Doinel. Einfach wunderbar und so kämen wir nun also zum bereits dritten Truffaut in Folge, nach dem er auf Pianisten wie immer präzise schoss und uns geraubte Küsse schenkte, bittet er nun uns also zu Tisch und doch zu Bett, ob wir dfieser Versuchung wiederstehen können? Sicher nicht. Und zum vierten Doinel, das nicht zu vergessen , in Francois Truffaut Doinel-Zyklus und so begeistert auch "Tisch und Bett" aus dem Jahre 1970, ein weiterer Grund Truffaut zu lieben und zum Truffautismus überzutreten.



Nachdem Truffaut bereits in "Geraubte Küsse", die Geschichte des jungen Antoine Doinel nach "Sie küssten ihn und schlugen ihn" konsequent weiter erzählte, bleibt auch hier Truffaut seiner Inszenierung treu und erzählt auch hier insofern erneut gekonnt-konsequent. Die Geschichte geht weiter und so zeigt uns Truffaut nun den Alltag des nun doch verheirateten Paares Doinel (Antoine & Christine), das Eheleben mit all seinen Konflikten und Problemen.ob Kind, ob Affäre. Man kämpft mit dem Alltag, und mit aller Kraft. Das Auf und Ab einer Beziehung. Das Eheleben, insofern authentisch, feinfühlig und wie immer charmant gezeigt von Truffaut.


Der Cast bleibt standhaft. Mein Held Jean-Pierre Leaud mimt erneut den Antone Doinel in Perfektion, Truffauts Alter Ego mit Eleganz und Arroganz und einer gewissen Selbstgefälligkeit. Antoine eigentlich ein Naivling und irgendwie ein Rebell, der nicht erwachsen werden will wie es scheint und so hat er die Liebe nicht in ihren Vollen erfasst, und muss noch lernen was sie zu bedeuten mag. Ein komplexes Wort, wie Liebe. Kurzum wie könnte ich Leaud nicht für diese Rolle lieben, ich weiß es ehrlich gesagt nicht. Irgendwie ein kleiner Lebenskünstler. Neben ihm, auf der anderen Seite des Ehebettes, erneut Claude Jade, wieder einmal bezaubernd und stets elegant agierend, besonders wichtig dabei Madame, nicht Mademoiselle und so verzaubert sie auch hier mit ihrer natürlichen Aura als Christine. Zudem existiert auch bei "Tisch und Bett" eine gewisse Harmonie /ein lockeres Verhältnis zwischen den zwei Hauptprotagonisten, welches größtenteils stets stark spürbar bleibt, was in dem Punkt dem Ganzen immerhin auch eine gewisse Leichtigkeit verleiht. Und auch Hiroko Berghauer weiß als Antoine´s "Arbeitkollegin", mit der er eine Affäre beginnt, was Christine gar nicht gefallen mag,...Die Tür steht zum herausschreiten bereit.., zu überzeugen.




Truffaut selbst dabei, von solcher Hochform geprägt wie einst in "Geraubte Küsse", wenn nicht sogar besser, denn immerhin bemerkt man schnell, dass Truffaut hierbei doch weitaus kritischer mit dem Bürgertum ins Gericht geht und mit ihm wenigstens charmant abrechnet und insofern hinterfragt er auch den Alltag des Lebens eines Ehepaares. Ob tragisch, ob dramatisch oder humorvoll Truffaut meistert gekonnt wie auch souverän und verspürt Charme, Esprit und Eleganz wie auch im Vorgänger. Dazu angereichert mit grandios geschriebenen Dialogen, gut pointiert. Die Liebe einer Ehe, ihr Werdegang von Hingebung bis Verblassen. Überall scheinen kleine Fluchten. Truffaut´s Film dabei von einer fast schon ungewöhnlichen Leichtigkeit und Spielfreude geprägt. Wie wundervoll und zugleich amüsant. Wieder einer dieser Gründe, warum man Truffaut auf Ewig lieben könnte. Ganz einfach nur für solche Filme. Witz, Charme, Herz. Da fragt man sich glatt, was Truffauts Film nicht hat, denn auch hier verfolgte ich die Ereignisse des Lebens der Doinels gespannt wie auch fasziniert, gerade dadurch, dass Truffaut auf eine gewisse Glaubwürdigkeit bei seiner konsequenten Weitererzählung setzt, er analysiert präzise insofern seine beide Hauptcharaktere, in Art und Weise. Dabei wird selbstredend auch hier nicht die liebevolle Hommage vergessen, welche sich dieses Mal in Form eines falschen Monsieur Hulot, nett gemacht und schon denken wir an Jacques Tati. Und man zitiert bzw. parodiert auch Kollegen wie Alain Resnais und sein "Letztes Jahr im Marienbad" - fand ich nochmal besonders einprägend und bezaubernd gemacht. Und auch die üblichen Elemente sind vorhanden, es wird gelesen, und heftig telefoniert in Tefelonzellen.


Außerdem bebildert die Kamera exzellent, auch hier stets elegant, treffend und sonst auch mit einem locker-leicht bzw. charmanten Touch gefilmt. Andererseits sollte ich natürlich noch erläutern warum meiner Meinung nach "Geraubte Küsse" in Hinsicht der Bewertung siegt, denn technisch sind sie beide so gesehen ausgezeichnet, so mag der Grund schnell gefunden sein, denn "Geraubte Küsse" riss mich insofern weitaus mehr mit, eines dieser Gefühle im Sinne der Filmkunst, die man kaum mit Worten erfassen kann und erzeugte bei mir eine unbeschreibliche Faszination, zwar mag insofern jene auch bei "Tisch und Bett" existieren, aber doch spüre ich tief in meinem Filmherzen, dass der Vorgänger mich emotional mehr packte, auch wenn "Tisch und Bett" in Aufbau und Struktur erstklassig gemacht ist mit satirischen Seitenhieben, verziert mit einer unscheinbaren Dramatik.




Also bleibt mir letztendlich nur noch zu sagen, dass "Tisch und Bett" ein exzellent inszeniertes und  liebenswürdiges Meisterstück des Doinel-Zyklus ist, wie auch der Vorgänger an Charme, Eleganz und Leichtigkeit kaum zu übertrumpfen. Dabei wieder einmal großartig verkörpert in den Hauptrollen von Leaud und Jade. Kurzum: Ganz wunderbar.



                                               8.5 / 10

Autor: Hoffman