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Donnerstag, 19. Juli 2018

Kritik: The Untouchables - Die Unbestechlichen (1987)


Mit dem stilbewussten »Untouchables« befand sich Brian De Palma wohl auf dem kommerziellen Höhepunkt seiner Karriere in Hollywood und ohne Frage machte De Palma mit diesem Werk einen eigentlich klassischen Gangsterfilm - also von einem Regisseur gedreht, den man in jungen Jahren dem New Hollywood zuordnete, und der zu diesem Zeitpunkt seiner Karriere dieses Werk drehte, das auch eigentlich in die Phase des Classical Hollywood gepasst hätte. De Palmas opulent ausgestatteter und elegant inszenierter Film spielt in Chicago, in Zeiten der Prohibition und erzählt vom Kampf der Gesetzeshüter gegen das Verbrechen, das hier durch den berüchtigen Al Capone (Robert De Niro) vertreten wird. Dabei sucht De Palma mehrfach eine direkte Nähe zu den Vorbildern des Genres zu schaffen (als erstes wird einem wohl ein Film wie Howard Hawks »Scarface« in den Sinn kommen). Auch Hitchcock ist hier wieder präsent. Sogar schon zu Beginn des Films, wenn De Palma Affektbilder benutzt, das heißt ein unschuldiges Mädchen ins Bild kommen lässt, das eine Kofferbombe transportiert, die kurz darauf hochgeht (vgl. Hitchcocks »Sabotage«), um auf die Kompromisslosigkeit dieser Gangster zu verweisen und den Zuschauer sofort auf die Seite der Gesetzeshüter zu stellen. Dorthin, wo auch Eliot Ness (Kevin Costner, der in den darauffolgenden Jahren einen ähnlich aufrichtig-naiven Mann des Gesetzes spielen wird in Oliver Stones »JFK«) steht.

Was De Palmas Werk auszeichnet, das ist zum einen die Geradlinigkeit, mit der er auf das Ziel der Geschichte zusteuert aber auch die Klarheit, mit der er Erzählung wie auch Figuren skizziert. Denn er schildert den klar eingeteilten Kampf von Gut gegen Böse, von Ehrlichkeit gegen Korruption, von einer kleinen Gruppe von Männern gegen ein großes System, gegen das sich keiner stemmen will. Dazu kontrastiert De Palma diese Welten auch noch auf einer weiteren Ebene, denn während die Welt des Capones eine der verschwenderischen Dekadenz und des Luxus ist, ist die Welt der Polizisten weitaus karger, besteht aus den Büroräumen und der Straße. Al Capone ist dabei als Antagonist eine beinahe passive Figur, der sich zum Teil in seinen kurzen Auftritten zunächst bedienen lässt, aber auch Momente des Ausbruchs erlebt. De Palma versteht in seinem Film Al Capone aber mehr als Symbolfigur (oder konkretes Gesicht) für das Verbrechen, das es zu bekämpfen gilt. Elliot Ness wird dagegen als einfacher Beamter dargestellt, der schlicht nur seinen Job gewissenhaft nachgeht (und folglich auch am Ende nach getaner Arbeit mit seiner Aktentasche in der Masse verschwindet) und Kevin Costner gibt diesem Helden auch das Gesicht, um ihm eine bestimmte Gewöhnlichkeit zu verleihen.



So ist »The Untouchables« auch ein Film, der eine amerikanische (mythische) Heldengeschichte erzählt, einen Großstadtwestern darstellt, in dem Eliot Ness auch seinen eigenen »Wild Bunch« (u.a. mit einem knurrigen Sean Connery als väterlichen Mentor) zusammenstellen muss und damit auch von einer Männerfreundschaft berichtet, die sich ein gemeinsames Ziel gesetzt haben. Des Weiteren setzt der Film, genau in der Mitte seiner Spielzeit, den großen Triumph der Truppe an der kanadischen Grenze als direkten Westernverweis um, in dem erst in der offenen Landschaft (in weiten Totalen) John Ford und kurz darauf in einem kleinen Häuschen am Rande (erneut) Howard Hawks (»Rio Bravo«) zitiert werden. Überhaupt muss man sagen, dass die amerikanische Kinogeschichte (aber nicht nur die, wenn man dazu noch das berühmte Kinderwagentreppenzitat aus Eisensteins »Panzerkreuzer Potemkin« heranzieht) in diesem Film extrem präsent ist. Die Gewalt in diesem Film tritt dazu immer wie ein Schlag ein, ist drastisch und und impulsiv im Film. De Palma arbeitet dazu auf seine bestimmten (und sehr durchdachten) Spannungsmomente gezielt hin, die der Film mitunter auch genussvoll ausdehnt (erneut: Die Kinderwagensequenz) und spielt damit auch mit den Erwartungen des Zuschauers, in dem er sie etwa ins Leere laufen lässt (besonders am Anfang) oder sie auf die Spitze treibt. Das sind dann auch diese raffiniert geschilderten und von De Palma fraglos gewandt abgewickelten Momente, aus denen der Film dann auch seine Dynamik entwickelt und an denen sich wohl am ehesten auch die Klasse dieses Werkes ablesen lässt.

7.5 / 10

Autor: Hoffman 

Freitag, 12. Februar 2016

"When you want to shoot, shoot. Don't talk!" - Klassiker der Extraklasse: Zwei glorreiche Halunken (1966)



Sergio Leones "The Good, the Bad and the Ugly" scheint mit jeder Sichtung einfach noch größer zu werden, als er sowieso schon ist. Angesiedelt in den Wirren des Amerikanischen Bürgerkriegs, wirkt der Film mit seinen drei Hauptfiguren und ihrer "Suche nach dem Schatz", die vor dem Hintergrund des Krieges eigentlich völlig trivial erscheint, relativ plump.

Doch dem ist nicht so! Wir schreiben das Jahr 1862, Amerika wird vom Bürgerkrieg heimgesucht: Städte sind zerstört, Menschen fliehen vor dem Krieg, ehemalige Freunde stehen sich nun bewaffnet gegenüber; es herrscht das reine Chaos. Inmitten dieser Wirren verdienen sich zwei (mehr oder weniger) glorreiche Halunken ihr Geld, in dem sie von Stadt zu Stadt die Leute verarschen... Sie interessiert es scheinbar nicht, was so um sie rum geschieht. Doch dann bekommen sie davon Wind, dass irgendwo da draußen, zwischen den Schlachtfeldern, eine Menge Geld auf sie wartet. Jedoch bekommt auch ein ziemlicher Fiesling Wind davon, und eine Odyssee durch den Bürgerkrieg sowie die Legende des Westerns beginnt.

"The Good, the Bad and the Ugly" strotzt nur so vor zynischem Humor, Westernstereotypen und jeder Menge Coolness. Alleine schon wenn Clint Eastwood, "der Gute", während seiner Einführung drei Menschen über den Haufen schießt und seinen Partner ohne berechtigten Grund im wahrsten Sinne des Wortes in die Wüste schickt, merkt man, dass man diesen Film am besten mit einem Augenzwinkern schauen sollte. Auch "der Böse" und "der Hässliche" wirken zunächst wie coole, abgebrühte Säue, die in keiner Situation den Schwanz einziehen und immer eine ironische Bemerkung auf Lager haben. Doch wenn man den Film in all seiner Größe auf sich wirken lässt, bemerkt man, dass Leone seine "Helden" (eigentlich gibt es hier nur "The Bad, the Bad and the Bad") als ganz normale Männer mit ganz normalen Gefühlen entlarvt.



Sehr gut bemerkt man das an der Rolle Eastwoods. Klar ist er den ganzen Film über der coole, scharfsinnige, wortkarge und zigarrenrauchende Antiheld, jedoch wirkt er zu Beginn fast schon bösartig, da er seinen Partner Tuco ohne wirklich erkennbaren Grund fallen lässt und sich scheinbar nicht drum schert, was aus ihm wird. Doch mit fortschreitender Laufzeit zeigt er immer mehr menschliche Züge. Die Reise durch das Amerika während des Bürgerkriegs scheint auch an ihm nicht ohne weiteres vorbei gegangen zu sein, und ihm scheint wohl auch klar geworden zu sein, wie kindisch diese egoistische Schatzsuche inmitten eines tobenden Kriegs, in dem Männer für nichts und wieder nichts in Massen sterben, ist: er bezeichnet den Krieg als "Blödsinn", kümmert sich um ein Kätzchen und wacht bei einem im Sterben liegenden Soldaten. Aber auch der draufgängerische Tuco wird an vielen Stellen als arme Sau, die eigentlich niemanden in ihrem Leben hat, der nicht ohne Bezahlung oder der Aussicht auf schnelles Geld an seiner Seite steht, dargestellt. Und sogar Sentenza, ein Mann, der keine Reue kennt, und der Menschenleben in Münzen misst, wirkt während der Szene im Fort der Konföderierten, als er zu Ennio Morricones "The Strong" langsam an den vielen verwundeten Soldaten vorbei schreitet, wenigstens für ein paar Minuten schockiert und fassungslos über all die Gräul des Krieges.

Diese Szene ist eigentlich sinnbildlich für Leones Stil zum Aufbau von Dramatik und Spannung in "The Good, the Bad and the Ugly" - und eigentlich auch in seinen anderen Filmen, doch hier ist es ihm wohl am besten gelungen. Leone nimmt sich viel Zeit, er gibt dem Zuschauer die Möglichkeit, die perfekt eingefangene Umgebung auf sich wirken zu lassen. Wenn dazu noch eine der besten Scores der Filmgeschichte erklingt, gelingt es Leone immer wieder seinem Film, der ja vordergründig noch immer ein Italowestern (für die, die es nicht wissen: ein höchst billiges Genre in den meisten Fällen) ist, mehr emotionale Tiefe, mehr Dramatik, mehr Spannung, sprich, mehr Kinomagie zu verleihen. Ohne Leone hinter der Kamera wäre "The Good, the Bad and the Ugly" einfach nur einer von vielen Italowestern geworden, den man heute wohl längst vergessen hätte.




Natürlich sind die drei Hauptfiguren den größten Teil des Films über coole, knallharte und abgebrühte Antihelden, doch Leone macht, wie bereits geschrieben, an mehreren Stellen klar, dass das alles nur gespielt ist. Das sind drei Männer auf der Jagd nach dem großen Geld, drei Männer, die ohne es zu wollen mehrmals zusammenarbeiten müssen. Wer sich auf solch ein Unterfangen einlässt, der darf keine Gefühle zeigen, der muss knallhart sein und auch mal über Leichen gehen, jedoch verkommt "The Good, the Bad and the Ugly" nicht zu einer plumpen Coolness Show, er ist schlichtweg perfekt ausbalanciert zwischen Ernsthaftigkeit, Tiefe, zynischem Humor und Western pur. Das ist es, was für mich großes Kino ausmacht. Dieser Film lädt zum Eintauchen ein, dieser Film macht Spaß, ist jedoch zugleich ernst, bietet coole Sprüche, hat einen fantastischen Soundtrack und ist großartig inszeniert. Unter all den billigen Italowestern, die Mitte der Sechziger entstanden ragt "The Good, the Bad and the Ugly" völlig zurecht heraus und ist schlicht ein genreübergreifendes Meisterwerk, das sich auch noch heute mit so gut wie jedem Film messen kann.



10/ 10

Autor: MacReady


Samstag, 5. Oktober 2013

Überhaupt nicht mein Ding! - Kritik: The Thing (2011)


Geht es um die persönlichen Lieblingsfilme, sind Remakes von ihnen eigentlich schon, bevor sie überhaupt abgedreht sind, gescheitert. Man braucht sie nicht. Sie werden einem niemals das bieten, was das Original bietet. Das weiß wohl jeder. Deswegen kommen einige Schlaumeier immer häufiger auf die Idee, einfach Fortsetzungen oder Vorgeschichten dieser Filme zu drehen, um somit die Fans des Originals ins Kino zu locken, da aus dem Stoff ja noch was rauszuholen wäre. So ist das im Jahre 2011 auch bei John Carpenters "The Thing" der Fall gewesen. Für mich persönlich sowas wie der absolute Lieblingsfilm. Mein cineastischer Gral. Mein Refugium, in das ich mich zu jeder Zeit zurückziehen kann. (ein Aufenthalt unter Alkoholeinfluss ist dabei zu empfehlen. Nicht unbedingt, weil der Film schlecht ist, aber mit seinen besten Freunden oder der großen Liebe trifft man sich ja auch nicht zum Tee.) Warum kann ich nicht sagen, ist auch nicht so wichtig. Meisterwerk! 
Wie auch immer, da gibt es nun dieses Prequel. Als ich das erste Mal davon hörte, runzelte ich bloß mit der Stirn und ignorierte es getrost. Man "muss" ja schließlich nichts schauen. Aber es kam wie es kommen musste, und ich sah mir das Teil halt auch mal an. Dass ich ihn scheiße finden würde, war mir schon davor klar, aber ich habe ihn trotzdem geschaut, da die Neugierde oft über die Vernunft siegt. 


Der Film ist natürlich scheiße, aber ich will noch auf ein paar andere Themen zu sprechen kommen. Zuerst einmal die Sinnhaftigkeit eines solchen Prequels. Wer Carpenters Film kennt, der weiß, dass das eigentlich gar keine sehr epische oder komplexe Geschichte ist, als dass in dem Stoff noch arg viel mehr als ein für sich stehender Film, der ja selbst ein Remake ist, aber sich eben vom Vorgänger loslösen konnte, drinsteckt. Das ist nicht wie beim ebenfalls traumhaft-genialen "Alien", der vor Symbolik und Subtext nur so überquillt. Nein, "The Thing" war eigentlich das komplette Gegenteil. Der Film war toll wie er ist. Er lebte davon, dass man einerseits "alles sah" (Bodyhorror, Zerstörung des menschlichen Köpers von innen), was ihn vom ersten "Alien"-Film unterscheidet, und auf der anderen Seite nicht wusste, woher das böse Alien kam, was es genau auf der norwegischen Forschungsstation getan hatte, außer, dass es die Norweger brutal abgemetzelt hatte, was man allerdings nur anhand der Überreste der norwegischen Crew erahnen konnte, weshalb sich der Horror in Carpenters Version durchaus auch im Kopf des Zuschauers abspielte, obwohl Carpenter auf der einen Seite wiederum nicht an Fleisch, Blut und Gore spart. Ein sehr cleverer Film eben, der den Zuschauer somit auf mehreren Ebenen attackiert. Das Prequel, das natürlich die Geschichte, wie es den Norwegern genau erging, erzählen muss, kann damit für jemanden, der das Original aus ähnlichen Gesichtspunkten schätzt, nur eine Totgeburt sein! Zwar mag es auf den ersten Blick so wirken, als ob das Prequel seinen Bezugsfilm mit Samthandschuhen anfasst - sprich: mit dem nötigen Respekt an die Sache herangeht -, doch es wird sehr schnell klar, dass dies der größte Fehler ist, den der Film machen konnte. Das Prequel schafft es nämlich zu keinem Zeitpunkt, aus dem Schatten des Carpenter-Films herauszutreten: die Figurenkonstellation wird völlig übernommen, auch wenn es diesmal Frauenrollen gibt, denen allerdings keine eigenen Facetten abgewonnen wurden; einzelne Szenen sind kopiert; der Score klingt fast gleich und ist stellenweise sogar der selbe und es wird einfach alles, was im Film von 1982 noch unerklärlich war, erklärt und damit verklärt und entmystifiziert, da es dem Zuschauer jeglichen Freiraum für eigene Fantasien und somit der Erzeugung von Furcht vor dem, was man nicht kennt und weiß, nimmt. Ein einziges Ärgernis. 


Aber das ist noch nicht genug, der Film hat, wie zu erwarten, noch ganz andere Schwächen. Zum einen sind das die Darsteller. Die Rollenverteilung ist mehr oder weniger die selbe, doch es fehlen die Ecken und Kanten, die Überzeichnung, die trockenen Sprüche und der daraus resultierende Humor des Originals. (ich schreibe bewusst "Orignal", da der Film aufgrund seiner Feigheit davor, der Thematik auch nur ein bisschen was Neues abzugewinnen, mehr ein Remake als ein Prequel ist) Hier bekommt man einfach eine Truppe voller Abziehbilder, die von untalentierten Darstellern verkörpert werden, wie man es aus vielen anderen, an dieser und auch sonst keiner Stelle erwähnenswerten Horrorproduktionen kennt. Solche Schablonen von Charakteren sind mir egal, da können sie auch noch so toll aussehen, ich will lieber hässliche und ehrliche Typen! Die andere Sache ist ein leidiges, oft schon durchgekautes Thema, auf das ich eigentlich nicht wirklich eingehen will, da das wohl vielen so geht: die Effekte. Klar, heute ist durch die CGI-Technik einiges machbar, aber trotzdem sollte man sich in der Hinsicht immer noch zurückhalten, da diese Gore-Szenen meinetwegen brutaler sind, aber man ihre sterile und technokratische Künstlichkeit einfach nicht übersehen kann. Man sieht einfach, dass das am PC gemacht wurde, da steckt nix dahinter. Das trieft nicht, das ist nicht fleischig, nicht blutig, das ist leblos und lässt einen einfach nur kalt. Da kann man nix machen. Die perversen und kreativen Special-Effects des Originals und anderer Genrevertreter spielen einfach mindestens zehn Ligen höher. 
All das zusammen ergibt einen Film, der sich nichts traut, der ohne das Original nicht mal ansatzweise funktioniert, und der Freunde des Carpenter-Films einfach nur nervt, da er auf heuchlerische Art über Umwege an den Mechanismen des Originals herumwerkelt, da er selbst überhaupt keine Ideen hat. Ein Film wie ein dreckiger Schleimer, der immer einen auf nett macht, da er es ja "nicht anders kann", aber dem man deswegen am liebsten die Fresse polieren wöllte. 


1.0/10

Autor: MacReady


Dienstag, 4. Juni 2013

Das Streben nach Glück - Klassiker der Extraklasse: In der Glut des Südens (1978)


Wenn man 'Days of Heaven' sieht, fühlt es sich an, als würde man in Erinnerungen schwelgen. Teils über eine längst vergangene Zeit, die die meisten Zuschauer wohl nicht mehr mit erlebt haben dürften, aber die - zumindest auf mich - eine riesige Faszination ausübt: das aufkommende 20. Jahrhundert. Die Welt befindet sich im Wandel und geht mit großen Schritten in Richtung Moderne. Alles scheint in diesen Zeiten möglich zu sein: schnelles Geld, schnelle Armut, ein schönes Leben, ein elendes Leben, usw...
Auf der anderen Seite fühle ich mich oftmals an das eigene (Fehl-) Verhalten erinnert: man lügt anderen was vor, da man glaubt, dass man sich dadurch irgendwie einen Vorteil erringen kann, durch den plötzlich alles besser wird, nur um zu merken, dass es dann doch nichts bringt und man seine Situation nur noch verschlimmert. Doch Malick verteufelt dieses Verhalten nicht und gibt auch kein utopisches Ideal vor, er zeigt Menschen, die sich einfach wie Menschen verhalten. (Stichwort: "Nobody's perfect")


Diese allzu menschliche Tragödie ist vor einer Kulisse angesiedelt, die ihres Gleichen sucht, und wirklich zum traumhaftesten gehört, was eine Kamera bisher eingefangen hat. Wenn es den Himmel auf Erden gäbe, dann würde wohl so aussehen. Da ist es verständlich, dass man für ein - scheinbar - sorgenfreies Leben an diesem Ort Lug, Betrug und noch mehr in Kauf nimmt.

Im Gegensatz zu seinen Filmen ab 'The Thin Red Line' ist die Erzählstimme hier noch klassischer Natur, da hier Einstellung an Einstellung aneinandergereiht wird, und nur durch das klassische Voice Over des kleinen Mädchens (in etwa die klügste Person im ganzen Film) erhalten die Bilder einen linearen Zusammenhang. Wenn man dann nach einer Weile bemerkt, was dieser Film mit einem macht - eben dieses Schwelgen in Erinnerungen mit allen Höhen und Tiefen -, dann erkennt man, was für eine große Kunstform Film sein kann, wenn der Richtige hinter der Kamera steht.



Und sobald am Schluss der Garten Eden seine Türen geschlossen hat; die Menschen tot sind oder getrennte Wege gehen - erneut einer ungewissen Zukunft entgegen -, dann weiß man, dass das Streben nach Glück immer wieder aufs Neue zum Scheitern verurteilt ist. Doch wir können es nicht lassen, da die bloße Aussicht darauf viel zu schön erscheint.

10/10

Autor: MacReady


Samstag, 26. Januar 2013

Wie eine Westernhommage nicht aussehen sollte - Kritik: Django Unchained (2012)




"Django Unchained" macht umso deutlicher, dass auch ein Quentin Tarantino nicht im Jungbrunnen gebadet hat, und dass auch er gerne alten Wein in neuen Gläsern einschenkt. Das übliche Tarantino Programm halt: Dialoge, Zitate, Referenzen, Coolness, Blut, Gewalt, Musik, und so weiter und so fort... Ich finde, näher muss ich darauf nun wirklich nicht eingehen. Und dass Herr Tarantino Italowestern sehr gerne hat, sollte mittlerweile auch niemanden mehr vom Hocker hauen, waren "Kill Bill" und "Inglourious Basterds" ja schon halbe Western. Da liegt es ja irgendwo nahe, dass von Tarantino auch mal ein "richtiger" Italowestern kommen muss. Ja, das geschah nun mit "Django Unchained", jedoch fällt das Ergebnis für mich mehr als nur ernüchternd aus. Fangen wir einfach am Anfang an: die Eröffnungsszene mit dem originalen "Django" Thema ist schön, und auch der Plot ist vielversprechend und könnte mit seinem Protagonisten, dem Sklaven Django, dem Film eine gewisse politische Brisanz verleihen, da die Sklaverei und der Bürgerkrieg in Amerika noch heute nachhallen. Das wirkt fast so, als hätte sich Herr Tarantino da einiges vorgenommen...



Ich kam schon bei meiner "Inglourious Basterds" Auffrischung vor einiger Zeit zu dem Schluss, dass Tarantino Probleme damit hat, eine wirklich große Geschichte zu erzählen und hatte auch meine Bedenken in Sachen "Django Unchained". Und was soll ich sagen? Was ich befürchtet hatte, ist eingetreten. Tarantino versäumt es wieder einmal, den Zuschauer sicher durch seinen Film zu führen. Da wäre zu allererst der "german Gentleman" Christoph Waltz (Nur so am Rande: Ist die Rolle des guten, deutschen Kopfgeldjägers eine Art "Entschuldigung" dafür, dass in "Inglourious Basterds" kein Unterschied zwischen einem deutschen Soldaten und einem überzeugten Nationalsozialisten gemacht wurde?). Natürlich spielt er seine Rolle gut und sauber, jedoch passt einfach vorne und hinten nichts. Stahl er in "Inglourious Basterds" noch dem Rest des Casts die Show, beginnt seine aufgesetzte, ja fast schon zwanghafte, Coolness hier schnell zu nerven. Ja, er nervt einfach, ich kann es nicht anders sagen. Welche Hauptfigur in einem Italowestern ist schon so eine bornierte Quasselstrippe, die unbedingt cool sein will, jedoch so wirkt, als hätte sie einen ganzen Baumstamm im Allerwertesten? Es passt schlichtweg nicht. Sicher, einen Clint Eastwood- oder Franco Nero Abklatsch wollte auch keiner sehen, aber diese Figur, sowie Tarantinos gesamter Stil, schaden dem Film einfach. Es gibt coole Sprüche, cooles Gepose und einfach coole Coolness en massé. Doch zu welchem Preis? Richtig, die Geschichte interessiert ab ca. 20 Minuten nicht mehr die Bohne. Es ist halt einfach ein typischer Tarantino Film, der sich die Haut eines Italowesterns übergestreift hat. Ich kann es ganz schwer in Worte fassen, aber ich kann nur wieder betonen: es nervt, es ist anstrengend, es ist schlecht. So erzählt man keinen Western, Herr Tarantino. Sind Sie sich eigentlich bewusst, dass Sie eine überaus ambitionierte Geschichte zugunsten von Dingen, die seit "Pulp Fiction" jeder kennt, über den Haufen geworfen haben? Ich weiß es nicht, und es steht mir auch nicht zu, jetzt darüber zu mutmaßen, jedoch wirkte der ganze Film einfach nur nervig selbstverliebt. Ein Regisseur dreht einen Film angesiedelt in einem seiner Lieblingsgenres, doch er präsentiert nur Dinge, die wir schon längst aus seinen früheren Filmen kennen. 

Natürlich ist das Inszenatorisch noch immer gut, der Score ist stimmig, und so weiter und so fort. Aber ich musste im Kino schnell den Kopf schütteln, da der Film seine Laufzeit, die mit fast drei Stunden einiges zu erzählen gehabt hätte, einfach nicht nutzt. Stattdessen irrt er auf denkbar uninteressanteste Weise seinem Ende entgegen. Währenddessen gibt's halt 100% Tarantino mit all dem, was ich schon längst kannte, und was mir mittlerweile, wenn ich ganz ehrlich sein muss, zum Hals raushängt. Stellenweise wusste ich schon im Voraus, wie sich die Figuren verhalten, was als nächstes passiert, wann der nächste coole Spruch (denkt euch das "cool" bitte immer in Anführungszeichen, da es nicht wirklich cool ist.) kommt und wann der nächste ganz cool abgeknallt wird. Apropos "abknallen": Ja, Tarantinos Filme waren schon immer blutig, und Tarantino darf das ja, denn Tarantino ist Tarantino und Tarantino ist cool und lustig. Wusste ich schon längst, und hat mich auch nie sonderlich gestört. Bis jetzt! Kaum ist einer der endlos langen, endlos coolen, ultra tarantinoesken, affengeilen, kultverdächtigen Dialoge vorbei, entlädt sich der Film in eine Gewaltorgie voller Blut und Shootouts in Zeitlupen, die fast schon 1:1 aus Peckinpahs "The Wild Bunch" stammen könnten. Doch im Gegensatz zu Tarantino hatte Sam Peckinpah etwas zu sagen. Doch was will Tarantino eigentlich mit seinem Film sagen? Dass er cool ist? Achso, hab ich ja noch gar nicht gewusst, danke! Nein, ganz im Gegenteil, das war purer Selbstzweck, und weder grotesk noch ernst. Denn Tarantino hat gar nichts zu sagen. Dass Sklaverei scheiße ist, sollte jeder Zuschauer, der nicht heimlich Mitglied beim Ku-Klux-Klan ist, wissen. Tarantino kann es nicht verheimlichen, dass ein solch brisantes Thema viel zu hoch für ihn ist, und eine tiefere Auseinandersetzung mit der Materie nicht einmal ansatzweise stattfindet. Stattdessen versinkt sein Film mit zunehmender Laufzeit immer tiefer im Sumpf der Belanglosigkeit, nur um sich kurz vor Schluss, nach einem gefühlt dreistündigen Tischgespräch zwischen DiCaprio, der einen Preis für die Fehlbestzung des Jahres erhalten sollte, und Waltz, noch einmal in eine pseudopeckinpaheske Gewaltorgie zu stürzen.



Schließlich zieht sich der Film noch weiter in die Länge, damit irgendwann endlich Schluss ist. Zwischendurch gibt's noch Musik von Maestro Morricone, die irgendwie an "The Strong" aus "The Good, the Bad and the Ugly" erinnert und den Zuschauer wohl daran erinnern soll, dass das hier ein Westerns sein soll. Und dann ist er auch glücklicherweise mal zu ende, und ich war erleichtert, es überstanden zu haben. Und vor allem war ich erstaunt. Erstaunt darüber, wie schlecht der Film doch ist. "Inglourius Basterds" fand ich ja bei den ersten Sichtungen noch toll, doch das hier nervt einfach von Beginn an. Jemand sollte Tarantino mal klar machen, dass seine coolen Dialoge in einer Imbissbude im Los Angeles Anfang der Neunziger wirklich cool waren, aber jetzt - und vor allem in einem Western - einfach nur noch traurig und peinlich sind. Wen das aber schon bei den "Basterds" nicht gestört hat, der wird mit "Django Unchained" irgendwo und irgendwie glücklich werden. Wie in einer Ehe, in der schon seit Jahren nichts mehr im Bett oder sonst wo geht, aber man halt trotzdem zueinander hält. Der Rest wird diesen Film wohl kaum mögen, denn er ist wirklich schlecht, und wenn man bedenkt, dass "Reservoir Dogs" und "Pulp Fiction" schon fast zwanzig Jahre her sind, einfach unfassbar öde und unfassbar belanglos. Für mich schon jetzt der Flop des Jahres. Und ob die Ankündigung eines neuen Tarantino-Werks bei mir in Zukunft auch nur ansatzweise Interesse hervorrufen wird, wage ich auch zu bezweifeln.


4.0/10

Autor: MacReady

Sonntag, 9. Oktober 2011

Kurzkritik: "Frantic"

Schöner Urlaub in Paris. Dr. Walker und Gattin wollen ein paar Tage Sexualkunde praktizieren.


 Eingerostet, erschreckend kraftlos und fast schon einschläfernd belanglos. Polanskis 1980er-Paris-Odyssee schleppt sich im Jahre 2011 zu stark durch zwei Stunden Verschwörungskonfusität, die durch geschickt eingesetzte Verschachtelungen einen höheren Wert besitzen möchte als eigentlich verdient.

Nackt, rasiert und Frau weg. Dr. Walker ist verwundert.
Brillant ist das Spiel des Harrison Ford – auch heute noch. Derartige Rollentypen verkörpert kaum ein anderer Darsteller mit solch einer Intensität und Glaubwürdigkeit. Man fiebert, leidet und fühlt mit ihm. Aber anders als bei einem „The Fugitive“ war und ist dieses Filmprojekt nicht zeitlos. Es verfällt. Die rauen Straßenzüge des unterkühlten Paris oder der fantastisch, wenn auch fast durchweg gleiche, Soundtrack können dies zwar für ein paar Minuten unschädlich machen, jedoch wäre es fatal zu glauben, dass das „Frantic“ am Ende rettet. 


Je t'aime. Je t'aime. Wundervoll Paris. Hervorstechendes Merkmal des Films: Mülltonnen.
  
Immer gut: Frag' den Besoffenen. Der weiß es.
Denn zu prägnant sind dessen Mängel. Besonders die zweite Filmhälfte entbehrt sich ihrer Ideenarmut im - furchtbar schlecht geschriebenen - Drehbuch und ist daraus resultierend wendungsarm. Die Krönung ist schließlich noch das Finale selbst, das nicht nur lächerlich konzipiert ist, sondern vordergründig im kühlen Klischeebad der Seine untergeht.

Unterhalten wurde ich dennoch Auch wenn's schlussendlich, trotz manch spannenden Szenen, nur an Morricone und Ford lag.

5 / 10

Autor: Iso