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Mittwoch, 11. November 2015

Wenn die Projektoren des Kinos zu rattern beginnen... - Kritik: Matinee (1993)


Joe Dante liefert mit »Matinee« eine herzlich-nostalgische Hommage an die Filme seiner Kindheit, das, was was man hier sieht, erinnert an »Tarantula«, »Die Fliege«, »Formicula« oder auch den »Blob«. Dante verlegt seine Geschichte in das Jahr 1962 nach Florida in das Städtchen Key West zu Zeiten einer kritischen Phase des kalten Krieges, der Kuba-Krise. Während die Kinder ins Kino gehen, ist die reale Bedrohung nah. Die Menschen haben Angst vor einem Atomkrieg. Die Menschen sind in Panik. Protagonist dieser Geschichte ist Gene. Sein Vater ist ein Marine und auf einem Blockadeschiff vor Kuba. Gene lebt mit seiner Mutter und seinem Bruder auf einem Militärstützpunkt. Er ist neu an der Harry-S.-Truman-High-School, freundet sich aber schnell mit einem Jungen namens Stan an und verliebt sich in ein Mädchen. Dante schafft es hier und da also selbst in dieser Situation von den alltäglichen Dingen wie Freundschaft und der naiven ersten Liebe kurz zu erzählen, auch wenn er anfangs manchmal da etwas vom Weg abkommt. Letztlich fügt sich hier am Ende aber doch alles zusammen.




Das Hauptaugenmerk des Films gilt aber dem Filmregisseur Lawrence Woosley, der das Städtchen besucht, um dort seinen Film »Mant« (in dem die Bedrohung von einem zu einer Ameise mutierten Mann ausgeht) im Kino zu präsentieren. Er weiß wie er die Fäden bei seinem Publikum ziehen muss, um es für sich zu gewinnen. Er weiß sich und seine Filme zu inszenieren und das selbst über die Kinowände hinaus. Ein Mann, der fragt, ob seine Filme denn schrecklicher sei als die Realität, in der sie leben? Er liefert Schock und Vergnügen. Er begreift Kino als Katharsis. Ein Charakter, mit dem sich Dante vor William Castle, und seinem Können seine Filme mit seinen Gimmicks zu Kinospektakel zu machen, verneigt und natürlich ist es auch eine Rolle, die John Goodman beseelt und fidel mimt, stets mit einer Zigarre zwischen den Beißern. Er ist es, der diesen Film trägt und die großen Momente dieses Films gehören auch zum Großteil seiner Figur, die für Dante auch als Sprachrohr fungiert, um lustvoll über das Kino, die Faszination an Horrorfilmen und damit die Angst, die sie uns vermitteln, zu schwadronieren. Besonders in der zweiten Hälfte des Films, wenn die Projektoren beginnen zu laufen und die Show beginnt, entfacht Dante Begeisterung. Er lässt reale und imaginäre Gefahren aufeinanderprallen. Das Kino wird zu einer interaktiven (und durchaus gefährlichen) Attraktion, in der am Ende um die Liebe gekämpft wird und Ängste überwunden werden. Ja, das ist ein gewitztes und wildes Spektakel! Ein Spektakel, das man bei all seiner Kurzweil am Ende doch gerne verfolgt hat.


7.0 / 10

Autor: Hoffman 

Mittwoch, 19. August 2015

Vor Rambo, da gab es Jack - Klassiker der Extraklasse: Einsam sind die Tapferen (1961)



»Wenn du noch so weitermachst kommst du als Cowboy wahrscheinlich noch in ein Museum.« - Die ersten Bilder vermitteln noch einmal ein romantisiertes Bild des Westerns mit seinen Helden und ihrem treuen Gefährten, einem Pferd, in der wilden Prärie. Binnen Sekunden später sieht sich dieser Idealismus mit konfrontiert der Moderne, Düsenjets fliegen über den Horizont. Die Zeit der Helden ist vorbei. Das ist kein Western im klassischen Sinne, das ist nur ein Neowestern, in dem Kirk Douglas als Cowboy noch einmal Don Quijote seiner Zunft geben darf, einen leibhaftigen Cowboy wie er im Buche steht und dessen Name Jack lautet. Es ist fast wie ein Abgesang auf diese alten Zeiten. Er ist ein Mann mit seinen eigenen Regeln und Gesetzen, für den die Freiheit alles bedeutet. Doch die Zeiten haben sich geändert, die Industrialisierung hielt Einzug in der Gesellschaft. Nun dominieren Straßen, Autos und feste Regeln mit festen Wegen und Besitz. Der Wind hat sich gedreht, doch er, nein er will sich nicht anpassen. Er ist ein Sturkopf, aber auch ein sympathischer, wenn wir es so betrachten auch wegen Douglas energischer und kerniger Performance, gefüllt mit Temperament und Enthusiasmus. Er ist und bleibt ein rebellischer Cowboy, wie ein Mann aus vergangenen Tagen und das enthüllt den Widerspruch im Bild selbst: Dieses Bild des Cowboys in der Moderne, in Haus und Küche, mutet dabei fast ironisch an. Man könnte sagen geradezu gewöhnungsbedürftig. Es sind hier zwei verschiedene Weltbilder, die aufeinanderprallen und die nicht passen wollen.



David Miller arbeitet hierbei eigentlich schon im Jahre 1962 die Prämisse für den Stallonekultfilm »Rambo« heraus, bloß wo der eben rabiater ist, ist Miller differenzierter und präziser. Den gewalttätigen Wärter (in diesem Fall der böse George Kennedy) gibt´s auch, hier wird angedeutet, bei »Rambo« explizit konfrontiert. So übernimmt Miller hier auch dramaturgische Kniffe eines Western und verzichtet dabei in Ansätzen nicht mal auf einen Schuss trockenen Humor. Die Ausgangssituation ist schnell erklärt, aber hintergründig geschrieben von Dalton Trumbo: Vom Cowboy, der einen Freund befreien möchte, sich selbst dafür einbuchten lässt - durch eine gewollte Provokation - um mit seinem Freund zu fliehen. Doch der zweifelt, der hat Frau und Sohn. Das Risiko bei der Flucht ist zu groß - nun hat er ihn überholt, denn er ist vernünftig geworden, so Jack selbst. Denn er tut es für seine Lieben, die ihm vertrauen. Doch für Jack ist es zu spät. Er ist und bleibt ein markanter Einzelgänger. Da besteht keine Hoffnung auf Errettung, da hilft nicht mal Gena Rowlands als Stimme der Vernunft. Ja, dieser Jack ist schon ein schwieriger und sturer Charakter, ein Individualist.



Nicht jede seine Handlungen findet vielleicht Anklang und ist logisch und mag nachvollziehbar sein, das lässt sich aber stets insofern bestärken, dass er ein eigenwilliges Geschöpf ist mit eigenen Methoden, deren Werte er auch vertritt. Besonders im Gefängnis werden diese Ideale der Freiheit umso deutlicher, denn wie er selbst meint, er würde es nicht in einer Zelle überleben. Es entspricht nicht seiner Natur. Wo wir also gerade bei der Natur angelangt sind, wäre es wohl passend auch über diese kurze Worte zu verlieren oder vielmehr über die kraftvolle Kamera und die dynamischen Bilder, die sie erzeugt. Den Score liefert dazu Jerry Goldsmith höchstpersönlich (wie er es auch später in dem Stallonestreifen tat) mit musikalischen Klängen wie aus alten Tagen. Goldsmith vereint dabei sowohl Heldenmut als auch Melancholie in der Musik und bringt sie in ein Zusammenspiel mit den Bildern. Nach dem Ausbruch folgt also nun die erneute Vereinigung mit der Natur. Es folgt die Flucht über die Berge, hinterher jagt ein wohl überlegter Walter Matthau. Hindernisse müssen gemeistert werden, Kompromisse gemacht werden, doch trennen kann er sich nicht. Letztlich ist sein Schicksal tragische und zugleich bittere Ironie. Es ist der aussichtlose Kampf des Individums, der Kampf gegen die Windmühlen. Der Außenseiter, der nicht (mehr) in das System passt und damit ausgemustert wird. Dieser Film ist wohl ein konsequenter und zeitloser Abgesang auf all das.



8.0 / 10

Autor: Hoffman

Freitag, 24. Juli 2015

Duell an der mexikanischen Grenze - Kritik: Ausgelöscht - Extreme Prejudice (1987)




»You know, Jack. I got a feeling the next time we run into each other, we gonna have a killin'. Just a feeling.« - Walter Hill ist mal wieder auf den Pfaden seines Lehrmeisters Peckinpah und dessen ruppiger Art. Zum Sonnenuntergang gibt es Jerry Goldsmiths feurigen Score, der ansonsten eher einen zurückhaltenden Ton innehat. Einmal mehr also verfrachtet Hill den Westernstoff seines Meisters in die liebenswerten 80er Jahre, an die Grenze zwischen Texas und Mexiko und in einen Konflikt von zwei Kontrahenten. Es ist ein irgendwie liebenswerter Genrevertreter, mit kaffähnlichen Gebieten und Grenzstädten, einer hitzigem, wüstenartigen und kantigem Umgebung, voller Gräser, Berge und attraktiv aufwirbelnden Staub. Das ist eine tolle Kulisse. Dazu reduziert Hill die Defizite des Genres, in dem er Handlung und Figuren so einfach wie möglich hält und fokussiert sich damit ganz und gar auf seine Action, bei der er sich austobt. Die Geschichte von ehemaligen Freunden, die zu Feinden wurden, und eine Frau zwischen zwei Männern, ist ein Klischee, in diesem Fall aber auch ein angenehmes Klischee. Es geht um einen Gesetzloser (Powes Boothe) und einen Gesetzeshüter (abgeklärt: Nick Nolte). Sie wollen Freunde sein, können aber nicht. Der eine will den anderen für sich kaufen, der andere mahnt ihn, er trägt den Sheriffsstern. Der wiederum bittet ihn aus seinem Geschäft (= Drogen) auszusteigen, doch der meint, er könne nicht aussteigen. Es kommt zum offenen Bruch.




Faszinierend ist hierbei, wie Hill so langsam die Grenzen zwischen Gut und Böse verschwimmen lässt und damit in Frage stellt - als eine Frage von Moral und Wertung. Beide Figuren verfügen jeweils über besondere Charakteristiken, die beide als Widersprüche zueinander zeichnen, wie aggressiv (Boothe) und passiv (Nolte) oder korrupt und pflichtbewusst. Vornehmlich Nolte bildet dabei auch die exakte Reflexion eines modernen Cowboys, sowohl verbissen, als auch wortkarg, unerbittlich und mit Cowboyhut als Symbol für den Gesetzeshüter ausgestattet. Temperamentvoll und fieberhaft von Hill inszeniert, mit einem Spritzer trockenem Humor und einem massiven Anteil an rasanten Schusswechseln ausgestattet, mit einer bleihaltigen Einfachheit erzählt, getrieben außerdem noch von süffisanten Dialogen und Beziehungsspannungen. Eine zweiten Handlungsstrang bietet Hills Werk dann noch durch eine (totgeglaubte) Eliteeinheit (unter dem Kommando von Michael Ironside) an, die dann aber auch (wie vieles hier) eher nur Mittel zum Zweck wird, als eine theoretisch konstruierte Basis um die (eigentliche) Handlung zu entfalten. Letztlich interessiert das dann aber nur wenig, wenn Hill im blutigen Showdown sein Werk in einem offensiven Feuerwerk von Blei, Kugeln, herben Shootouts und unübersehbaren Peckinpahzitaten (u.a. The Wild Bunch), plus klassischen Mann-gegen-Mann-Duell, münden lässt. Eine kurze und kurzweilige Peckinpahhommage, mehr will Hills Film gar nicht sein und das gelingt ihm in diesem Rahmen doch vorzüglich.


6.5 / 10

Autor: Hoffman

Freitag, 31. Oktober 2014

Ein Horrorfilm für Halloween - Kritik: Poltergeist (1982)



Wie viel Tobe Hooper steckt eigentlich in »Poltergeist«? Sicherlich genug, um sagen zu können, dass es ein Tobe Hooper Film ist. Mehr als ersichtlich ist aber auch Spielbergs Einfluss, der als Produzent fungierte und für den Final Cut verantwortlich war, auf das Endprodukt. Die Schnittmenge der Beiden lässt sich wohl bei einem Punkt der Ausgangsgeschichte festmachen: Der Familie. Wenngleich Hooper eher Filme gegen die Familie drehte (man ziehe hierfür einfach mal »The Texas Chainsaw Massacre« zurate), ist Spielberg dafür bekannt Filme für die Familie zu machen. Und natürlich zeigt sich auch gerade bei den Figuren der Kinder, dass Spielberg an diesem Film beteiligt war, denn die Beziehung zwischen Eltern und Kindern ist ein starkes Band und wird anfangs sogar mit viel Einfühlungsvermögen für die Ängste der Kinder geschildert. Und eben diese Ängste und Einbildungen macht man letztlich hier ebenso gut greifbar. Man schaut diesen Film wieder durch die Augen eines Kindes. Die Einbildungen werden zu realen und wahren Gespenstern und existieren nicht mehr nur in der Imagination eines Kindes (wie der schaurige Baum oder der furchterregend grinsende Clown am anderen Ende des Zimmers). Und es ist auch die jüngste Tochter, die verschwindet, das schwächste Glied in der Familie, weshalb das für die Familie ebenso gut eine Belastungsprobe darstellt. Die Familie muss solidarisch bleiben. An solchen Stellen lässt sich wohl am deutlichsten Spielbergs Handschrift erkennen.



Doch auch jene von Tobe Hooper lässt sich noch unterschwellig herauslesen, wenn man genauer hinschaut, denn so lässt sich ein faszinierender Detailreichtum entdecken. Und selbstredend ist Hoopers Film zunächst einmal eine Satire auf diese amerikanische Vorstadtidylle. Der Normalbürger beziehungsweise diese perfekte amerikanische Familie wird mit dem Übernatürlichen konfrontiert. Es ist überaus ironisch, dass das Erste, was hier ertönt die amerikanische Nationalhymne ist und darauf Bilder im Fernsehen folgen, die das Hissen der amerikanischen Flagge auf Iwo Jima zeigen. Das ist also ein durch und durch amerikanischer Film. Kurz darauf setzt dann das Übernatürliche ein. Der Bildschirm flackert und rauscht und die Geister nehmen Kontakt auf. Denselben Aufbau verwendet übrigens Hooper noch ein zweites Mal. Das ist typisch für ihn. Es ist so, als wolle er hier wieder mit einem amerikanischen Mythos abrechnen. Hierbei geht es ihm natürlich mehr oder weniger unterschwellig um den amerikanischen Gründungsmythos. Denn es ist hier schließlich die Vergangenheit, welche die Amerikaner (= Familie; die für die Verwirklichung des amerikanischen Traums steht) einholt. Sie lässt ihnen keine Ruhe und verfolgt sie. Sie zerstören das Land, welches nicht ihnen gehört, sie nehmen es sich ohne Skrupel, um es zu besiedeln und um mit ihm zu wirtschaften und daraus Profit zu schlagen. Hier ist es die Schändung der Toten, was natürlich metaphorisch die Vertreibung und Unterwerfung der nordamerikanischen Indianer meint. Nach dieser ersten Geistererscheinung baut Hooper natürlich erstmal seine Vorstadtidylle auf, zeigt eine heile Welt, die stimmungsvoll von Jerry Goldsmith untermalt wird, in der Kinder Schabernack treiben, Männer gemeinsam Bier trinken und American Football vor dem Fernseher schauen.



Und auch weiterhin sind viele interessante Details zu entdecken, die eher auf Hooper denn auf Spielberg schließen lassen: Der Vater liest ein Buch über Ronald Reagan oder eine Szene, in der Carol Anne den flackernden Fernseher betrachtet, die Mutter das sieht und darauf antwortet: »Du verdirbst dir noch die Augen!«, worauf sie dann gleich von dem Flackern zu einem brutalen Kriegsfilm schaltet. Aber mal ganz davon abgesehen, wem dieser Film nun zu gerechnet werden kann, ist »Poltergeist« natürlich auch so eine vergnügliche, effektvolle und augenzwinkernde Grusel-Achterbahnfahrt mit herausragenden Trickeffekten, auf die einen Hooper und Spielberg mitnehmen, in der Mädchen mit Fernsehern sprechen, von dem sie Stimmen aus der Zwischenwelt vernehmen (Fernseher werden also zu Portalen) oder sich zunächst harmlose Ereignisse häufen, wie etwa, dass sich Gabeln verbiegen und Stühle sich von allein bewegen und stapeln, bevor Hooper das Ganze dann immer weiter steigern lässt: Bäume werden zu gefährlichen Eindringlingen, die Kinder verschlucken wollen und Kinderzimmerkleiderschränke leuchten weiß, werden zu Portalen und entwickeln eine gefährlich-anziehende Wirkung. Daneben hält Hooper aber auch inne, weiß meisterhaft und gewandt das Unheimliche zu erzeugen. Er lässt geisterhafte Gestalten erscheinen oder Kontakt aufnehmen zur Zwischenwelt - letztlich wird sogar ein drolliges Medium um Hilfe gebeten. Im Finale treibt es Hooper dann aber zur Spitze: Es wird an Decke umher gelaufen (oder viel eher gepurzelt?), Skelette liegen im Pool, Clowns werden mordlustig, Gräber entsteigen dem Boden. Hooper treibt es so weit, bis nichts mehr davon übrig ist. Und was lernen wir daraus? Fernseher bringen nur Unglück!



8.0 / 10

Autor: Hoffman 

Freitag, 10. Mai 2013

Alle lieben Damien - Klassiker der Extraklasse: Das Omen (1976)




»It's not a child!« - In aller erster Linie kann in Hinsicht der thematischen Annäherung des Okkultismus dieser Film als konsequente Weiterentwicklung von Polanskis »Rosemarie´s Baby« (1968) gesehen werden, wo dieser mit dem Kinde in der Wiege noch einen Ausstieg fand, findet »Das Omen« (1976) hier nun damit seinen Einstieg nach der fabulösen Titelsequenz, die hier schon eine eindringliche Stimmung vermittelt - auch dank Jerry Goldsmiths meisterhafter Arbeit. Und schon dort hantiert Richard Donner mit dem ersten unheimlichem Symbol, der teuflischen 6 und so tauscht man den Tod des Eigenen für fremdes Leben. Nun soll das Fremde zum Eigenen werden. Und die Wahrheit vom falschen Sohn stets ein Geheimnis bleiben. Danach bemüht sich Donner nun eine perfekte Idylle zu schaffen - mit Frieden, Glück und Harmonie, gezeichnet mit Sonnenuntergängen und ruhigen Spaziergängen. Selbst ein kurzer Schreck über den verschwundenen Sohn tut dieser Geruhsamkeit keinen Abbruch, sondern porträtiert nur noch umso passender das behutsame und sorgenvolle Verhältnis der Eltern zu ihrem Sohn Damian.



Der Ort des Frohsinns, der Geburtstag Damians, wird nun zum Ausbruch und zum wörtlichen Sprungbrett für den Beginn, davor die Harmonie als Overtüre, von Donners symbolischer Hantierung mit christlichen Motiven und dem Okkultismus, die davor geschaffene Idylle zerbröckelt nun langsam und geradlinig. Dazu nutzt man das Symbol der Unschuld (= das Kind) nun um dieses zum eigentlichen Antagonisten zu erheben, damit wird der Gedanke, der bereits in »Das Dorf der Verdammten« (1960) auftrat, erweitert. Das macht Damian selbst zu einem ambivalenten Charakter - mehr in Beziehung mit dem Zuschauer, denn mit den Protagonisten. Donner betont diese Teuflischkeit des Jungen fast schon vehement, seine Blicke, seine Ausbrüche und seine unheimliche Aura, hervorgerufen durch das absolute Non-Acting vom jungen Harvey Stephens, scheinen keinen Zweifel zu lassen. Das Schein und Sein-Motiv bietet dabei eine Möglichkeit, bleibt aber von Donner meiner Meinung nach zumindest größtenteils ungenutzt. Auch wenn sich faszinierende Verweise darauf durchaus finden lassen, allein in der Figur des Fotografen Jennings (David Warner), der nebenbei gesagt teils auch an David Hemmings in Antonionis »Blow Up« erinnern mag, so teilt sich »Das Omen« aber weniger in Schein und Sein, als denn in Glauben und Aberglauben auf. Donner arbeitet dabei nur Anhand von Andeutungen und Zeichen, das ist Polanskis Stil in »Rosemaries Baby« sicherlich ähnlich, dennoch wo Polanski mit seiner kafkaesken Symbolik exzessiv wurde, bleibt Donner dafür hingegen subtiler beziehungsweise zurückhaltender.



Vertieft werden diese Verweise durch Goldsmiths suggestiv eingesetzten und schauderhaft-schönen Score. Goldsmiths stimmige Untermalung verdeutlicht nun diesen Perspektiveneffekt, das heißt dadurch entwickelt sich in Donners Film eine völlig andere Betrachtungsweise der Ereignisse und suggeriert eine besondere Bedrohlichkeit im Film. Stilsicher wird gefilmt. Donners Erzählung ist gemächlich, wenngleich er wohl dosiert die Zwischenfälle häufen lässt, mit kläffenden Hunden, überzogen-bösen Kindermädchen, stürmischen Winden, spießenden Blitzableitern oder anderen spektakulären »Unfällen«, aus den Fenstern oder durch die Fenster - deren Einfluss kaum verkennbar ist. Der Priester führt ins Zweifel. Vater Gregory Peck beginnt am fremden Sohn zu zweifeln, Mutter Lee Remick dagegen begibt sich in Selbstzweifel. Es folgt auf Zwischenfall, die kriminalistische Untersuchung des Falls. Normalität (auch symbolisiert durch die kriminalistische Ader von Donners Werk) prallt auf das Übernatürliche. Der Höhepunkt ist dann wieder äußerst passend gewählt: Ein Friedhof, samt bellenden und beißenden Hunden. Die Symbole verdichten sich und führen zu einem eindeutigen Fazit. Charakteristisch werden hierbei auch die meisten Konflikte der Figuren nur angerissen, das Motiv der Urangst, der Unsicherheit der Mutter oder die moralische Zwickmühle: Ein Kind zu töten? Im Finale trifft dann schließlich die wilde Dramatik auf die perfide Konsequenz des Films, gegoldet wird das Ganze dann nur noch von einen dämonischen Grinsen - und einem daraus profitierenden eiskalten Schauer, der einen über den Rücken jagt.



7.5 / 10


Autor: Hoffman

Sonntag, 18. März 2012

Kritik: Total Recall - Die totale Erinnerung



»Falls irgendjemand fragen sollte wir haben noch nie von einem Douglas Quaid gehört.«

Es ist ein gewisses Gefühl was stets hinter einem solchen Wort wie Film steht. Stets erinnert man sich an frühere Zeiten, an einzelne Epochen, an Filmen, die einen seither packten und in eine völlig andere Welt zogen. Jenseits aller Realität. Eine andere Welt, in Filmen zu entdecken, ob Zukunft, Vergangenheit oder hin zu einem anderen Planeten, dem Mars. Und doch schwingt heute stets ein Gedanke mit, wenn ich an große Zeiten des Kinos denke, das Remake. Wie im Falle von Paul Verhoevens "Total Recall" aus dem Jahre 1990, wo uns bald ein eine solche filmische Ideenlosigkeit erwartet - ich will keins- und so lasse man uns zurückdenken an die Zeiten eines Originals und an den Spaß an jenem Kino.


Primär gesehen basiert Verhoevens selbstredend auf einer Kurzgeschichte vom großen Philip K. Dick (Der Mann mit den Ideen), vielleicht wäre insofern eine Variation des Stoffes nicht unbedingt schlecht - oder doch? - fest steht, ich will keins. Im Grunde mag die Story anfangs noch recht einfach im Kontext wirken, besitzt aber zweifelsfrei einiges an Intelligenz und Einfallsreichtum, auch wenn insofern Verhoeven etwas brachial an den Stoff geht, was letztlich nichts negatives ist, frei nach dem abgeänderten Prinzip: »Fly me to the mars« - Bauarbeiter Doug träumte vom Mars. Und will nun eine Reise dorthin unternehmen - da bietet sich dennoch Firma »REKALL« an, welche eigen erstellte Urlaubserinnerungen für wenig Geld einpflanzt, doch die Aktion läuft schief und Quaid sieht sich von Verfolgern umzingelt - selbst seine eigene Frau will ihn anscheinend umbringen, obwohl die Ehe so gut lief - einziger Fluchtpunkt: Mars, um den Dingen auf den Grund zu gehen...


Von dieser Situation ausgehend kreiert ein cleveres wie auch geschickt zusammengebasteltes kleines Verwirrspiel, stets wechselnd agierend mit der Erwartungshaltung der Zuschauer und deren Fantasien, so hintergeht Verhoeven die Konventionen und lässt seinen Film vorzüglich veredeln mit einigen äußerst gekonnt eingesetzten Twists, welche die Handlung des Films immer in Frage stellen. Was ist die Realität? Die Wahrheit? Oder ist jenes Welt nur eine implantierte Erinnerung? Neben jenem führt Verhoeven das zusammen, was zusammengehört - Action und Arnold Schwarzenegger - das heißt im Grunde nichts anderes als Schwarzenegger in Hochform, hierbei sogar sehr glaubwürdig als Doug Quaid und mit charmanten Charisma - aber insofern auch für ihn gemaßschneidert. Wie auch sonst glänzend besetzt in Hinsicht des Casts, ob Sharon Stone überzeugend/verführerisch agierend als Ehefrau im späterem Femme Fatale-Gewand, Rachel Ticotin als schlagkräftige Helferin Melina, oder Ronny Cox als korrupter und diabolischer Mars-Gouverneur, gut gewählt und gespielt und nicht zu vergessen Michael Ironside als gnadenloser Jäger und Verfolger von Quaid, welchen er liquidieren soll. Auch wenn man hier durchaus die eher mässigen Charatere bemerkt, in dem Fall doch recht simpel gehalten, dennoch könnte man meinen mit selbstironischen Klischees angereichert und verziert mit dem ein oder anderen interessant gestalteten Mutanten, besonders wenn jene Features vom nutzen sind, was dem Ganzen eine sehr liebevoll angehauchten trashig-ironischen Grundsubstanz gibt. Verhoeven richtet sich dabei aber primär der Unterhaltung und so bildet "Total Recall" eine intelligent gemachte und rein handwerklich brillant inszenierte Achterbahnfahrt, temporeich und rasant erzählt, schön schnörkellos und mit reich Spannung gefüllt, so meine Meinung. Man sollte dabei selbstverständlich wissen, dass Science-Fiction eh mein favorisierte Genre ist und jener Film zudem zu den wunderbaren Erinnerungen meiner Jugend zählte. Und so macht er immer wieder aufs neue Freude und weiß zu fesseln. Wie eine kleine Odyssee auf den Mars und die Welt von morgen. Von Verhoeven in ein faszinierend-futuristisches Gewand gehüllt und so vergisst Verhoeven (wie könnte er?) auch nicht die kritsch-ironischen Seitenhiebe auf die Gesellschaft, denn hierbei liegt die Liebe im Detail und man genau schaut könnte man beileibe davon sprechen, dass kritische und satirische Elemente mit seinem kleinen Verwirrspiel paart, zudem eine Prise makaberer Groteske. Es funktioniert. Primär, sekundär oder tertiär, alles ideal bedacht und bis zum furiosen Showdown faszinierend gestaltet.


   »Möchten sie ihre Zukunft kennen?« - »Wie wärs erstmal mit der Vergangenheit?«

Dazu noch eine exzellente Kameraarbeit, welche mit charmant-futuristischen Bildern groß auftrumpfen kann, so auch die schmackhaft-trashigen Atmosphäre, im Sinne des Wortes liebevoll gehandhabt. Auch wenn in Hinsicht des Drehbuchs einige Schwächen auftreten, so mag "Total Recall" in allererst Linie durch seine technisch-grandiose Umsetzung überzeugen  wie auch in Hinsicht seiner hervorragenden Effekte, sehr wirkungsvoll eingesetzt. Dazu stets passend eingesetzt der kraftvolle wie auch temporeiche Score von Jerry Goldsmith, der wie eigentlich fast immer die Krönung des Ganzen bildet. Eine gelungene Abrundung.


»Was wollen die Rebellen eigentlich?« - »Ach das Übliche: Mehr Geld, mehr Freiheit, mehr Luft.«

So bleibt mir dann also nur noch kurz zu sagen, dass "Total Recall" für mich neben den nicht zu verachtenden Erinnerungen, ausgezeichnet durch komponiertes wie auch stark inszeniertes, dabei nicht zu missachten, intelligentes Actionkino mit hohem Unterhaltungswert (zum lieben), mit souveränen Schwarzenegger, von Meister Verhoeven darstellt, wenn auch mit Schwächen gefertigt, aber anderweitig doch ein hintergründiges und rasantes Verwirrspiel...



                                          8.0 / 10

Autor: Hoffman