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Freitag, 24. November 2017

Nächster Halt: Nimmerland - Kritik: Peter Pan (2003)


Was darf man eigentlich von einer Interpretation von James M. Barries Vorlage erwarten, wenn sie von jemanden umgesetzt wird, der vorher Erfolge mit Filmen wie »Muriels Hochzeit« oder »My Best Friends Wedding« feierte. Das könnte manch einen (auch wenn erst genannter Film gewiss an sich kein schlechter Film ist) skeptisch stimmen. Wenn man sich dann aber die Rezeption zu der Interpretation vom Australier P. J. Hogan näheranschaut, wird man schnell bemerken, dass dieses Werk eine gar nicht so schlechte Resonanz erhält, so wird die Umsetzung unter anderem für ihre Wahrhaftigkeit der Magie und für die Treue gegenüber den Worten Barries (die der Film auch unter anderem mit einer Off-Sprecherin direkt rezitiert) gelobt. Der Film wird als Realverfilmung des Stoffes (anders als ein bestimmter »Hook«) als gelungen bezeichnet. Und tatsächlich ist es ein Film, der auf seine kurzweilige Art und Weise die Vorlage Barries zum Leben erweckt. Wenn man sich nun zunächst fragen möchte, wo man nun den Regisseur und Teildrehbuchautor in diesem Werk finden kann, dann wohl am ehesten in der Komik des Werkes, die es durchzieht. Es ist ein kunterbunter, leicht ironischer und verspielter Film, der besonders zum Anfang bis zur Albernheit tendiert und es manchmal doch etwas zu gut meint. Aber das ist halt auch einfach ein Film über Peter Pan, dem Jungen, der nie erwachsen werden wollte und so verhält es sich mit so manchem Witz des Werkes, in denen eine naive Freude an der Komik des Slapstick durchstrahl,, das so manche Figur droht gar zur Karikatur zu werden. Diese Befürchtungen treten aber nie vollends ein. Vielleicht ist der Film manchmal etwas zu laut, zu marktschreierisch, die Jungdarsteller vielleicht gelegentlich zu affektiert in ihrem Spiel (das bezieht sich eigentlich nur auf eine Handvoll von leicht überzogenen Reaction-Shots). Aber das ist ein Meckern, das man vielleicht nur zu Beginn des Films wirklich für angebracht halten kann.


Am Anfang, wo Hogan noch mehr an der Komik und dem Tempo gelegen ist und die Sensibilität gegenüber dem Stoff und den Figuren noch etwas vergraben liegt. Sie wird sich aber langsam hervorgraben, spätestens, wenn Peter gegenüber Wendy noch nicht fähig ist von seinen Gefühlen zu sprechen, sondern alles nur als Spiel begreifen kann, aber nicht weiter als das gehen will, wird der Film sehr behutsam gegenüber seinen Figuren. Ein besonderes Interesse hat der Film des Weiteren an dem Charakter des Captain Hook, die er mit Charakter des Vaters von Wendy und ihren Büdern koppelt, in dem er beide Rolle Jason Isaac mimen lässt (etwas, das spätere Peter-Pan-Interpretationen, wie »Peter & Wendy« mit Stanley Tucci in einer Doppelrolle gerne zu adaptieren schienen). Der Vater ist ein schüchterner Bankbeamter, der seine Träume in eine Schublade geschlossen hat und sich an manchen Tagen wünscht, dass er ein Mann wäre, den man fürchtet. Die Verbindung zu Hook stellt der Film in einem Übergang der beiden Charaktere dar, denn wo der eine Charakter durch den Überfall des Hausmädchenhundes in Ohnmacht fällt, erwacht der Andere im Nimmerland aus seinem tiefen Schlaf. Damit enthüllt der Film auch einen doppelten Boden, denn das Nimmerland ist ein Traumbild des vikorianischen Englands (wo Mädchen die Kindheit entrissen werden soll, weil sie von Jungen über ihren Bett schwebend träumen), ein Ort, an dem unterbewusste Wünsche ausgelebt werden.


Ein weiteres Mal beweist der Film sein Interesse an den zentralen Figuren, das heißt Peter, Wendy, Hook und Tinkerbell (die Brüder von Wendy, die Piraten und die verlorenen Jungen werden einfach aus der Vorlage übernommen, ohne, dass der Film von selbst noch näher auf sie eingeht oder sich um sie kümmert), wenn er ein durchaus auch amüsantes Beziehungsgeflecht zwischen den Figuren entfaltet, wenn der einsame Hook wehmütig beobachten muss wie Wendy und Peter im siebten romantischen Himmel schweben. Dann geht es um Einsamkeit und Eifersüchte und auch darum, dass alle auf ihre Weise die Aufmerksamkeit von Peter Pan begehren. Aber eigentlich ist Hogans Interpretation ein visuell pompöser und dekorativ ausgeschmückter Film, der unübersehbar ein Filmmärchen sein will und in dem der Zauber der Vorlage über die Bilder erlebt werden soll. So ist es auch ein abenteuerlicher und vielleicht manchmal überdrehter Attraktionsfilm, der uns gar nicht so viel »erzählen« will, sondern uns die Bruchstücke des Nimmerlandes (möglicherweise etwas zu gehetzt) zeigen möchte. Unter anderem ist die Expression der Bilder auch immer nach den Stimmungen der Figuren und des Films an sich ausgerichtet. Der Film möchte uns immer wieder neue phantastische Bilder liefern, mit denen er vor allem seine Lust an dem Visuellen auskostet und davon muss man sich auch einfach mitnehmen lassen, denn im Kern des Films ruht etwas warmherziges, das daraus insgesamt ein wahrlich zauberhaft-augenzwinkerndes Abenteuer wird.

7.0 / 10

Autor: Hoffman 

Mittwoch, 20. Juli 2016

Auf der Jagd nach dem Spektakel - Vergessene Welt: Jurassic Park (1997)


Spielberg spielt zunächst einmal wieder geschickt die Karte mit dem Kind aus, um den Zuschauer in seinen Film zu introduzieren. Während sich seine arrogant-reichen Eltern (natürlich Karikaturen) dem feinen Leben und Essen hingeben, geht ihr naives Mädchen auf Entdeckungstour auf der fernen Insel. Sie streunt herum und Spielberg tapst auf ihren Spuren. Fantastische Neugier wandelt sich in Schrecken und Spielberg lässt gleich darauf Ian Malcolm (Jeff Goldblum) ins Bild und in die Geschichte treten. Damit ist klar, dieses Mal ist er der Protagonist, der Spott geerntet hat, weil er die Wahrheit ans Licht bringen wollte. Seine Nebenfigur wird zu einer Hauptrolle. Damit einhergeht leider auch - wenngleich Jeff Goldblum ihr immer noch ihren Charme gibt - dass die Figur hier klar spröder erscheint. Er erfährt von der Existenz einer zweiten Insel, auf der die Dinosaurier frei hausen. Wieder gibt es eine Gruppe. Diese hier soll eine Expedition starten, observieren und dokumentieren, was auf der Insel vor sich geht. Und auch ein Kind, dieses Mal die Tochter von Malcolm (Vanessa Lee Chester), befördert Spielberg in die Handlung, das begierig staunen darf. Man könnte nun meinen, dass gerade durch sie Spielberg wieder versuchen würde das Ganze neu zu entdecken.


 Wirklich so ist es aber dann doch nicht - auch weil ihr Charakter dafür viel zu rohschnittartig, viel zu sehr an den Rande gedrängt, erscheint. Zwar deutet Spielberg zu Beginn einen Vater-Tochter-Konflikt an, der auch freilich absolut in sein Schaffen gepasst hätte, an, von einem Vater, der nicht da ist und einer Tochter, die bei ihm sein will, wirklich interessieren scheint es ihn dieses Mal aber nicht. Man könnte dahingehend auch noch weiter ausholen und meinen, dass es sich bei »Lost World« um einen Familienfilm handelt. Denn die stärksten Figuren zu Beginn sind zumindest diejenigen, die direkt um das Universum von Ian Malcolm kreisen wie seine Tochter oder die Paläontologin Sarah (tough: Julianne Moore, die versucht wie eine Kriegsfotografin zu nah wie möglich an die Dinos zu kommen), einer Ex-Freundin, mit der Ian scheinbar noch in Kontakt steht. Das heißt, dass Ian in dieser Konstellation den Vater darstellt, Sarah die Mutter und Kelly das Kind. Aber auch das wird recht schnell unter den Tisch gekehrt. Der Großteil der restlichen Figuren bleibt dagegen zum vergessen oder wird von Spielberg auch tatsächlich vergessen. Vielleicht ist das aber auch nur im Vergleich zum Vorgänger so auffällig. Worin aber diese Fortsetzung mit ihrem Vorgänger aber wieder übereinstimmt, das sind Antagonisten, die auch hier wieder Skrupellose, Ausbeuter und Kapitalisten sind. Wieder ist ein Konflikt des Films das Aufeinandertreffen von Forschern und Geschäftsmännern, die wollen, dass der Dino-Zoo nun zu ihnen kommt und sie die Dinos fangen (an dieser Stelle zitiert Spielberg deutlich Howard Hawks »Hatari!«), um sie auf das Festland zu bringen. Dabei lässt Spielberg das Spiel um Jäger und Gejagte wechselhaft durchspielen. Aber der wirkliche Thrill fehlt diesem Werk. Vielleicht weil die Dinosaurier immer und überall sind und in Scharren durch diesen Film stampfen. Etwas besonderes wohnt ihnen nicht mehr inne. Der Schauplatz des Films ist größtenteils die grüne Natur der Insel. Wo der Vorgänger auf Verdichtung setze, bricht die Fortsetzung nun aus, weitet und fährt breit aus und bebildert diese große und weite Welt. Worin liegt also der Reiz an den Dinosauriern bei dieser Redundanz, wo doch der Vorgänger genau das Gegenteilige tat und sie nur in einzelnen und wohl dosierten Höhepunkten im Film auftreten ließ? Es fehlen die Bedrängung und die Anspannung, die sich nur spärlichen Einzelmomenten wiederfinden lassen, die sonst der ermüdenden Redundanz weichen müssen. Ein einschneidender Moment, wie, wenn der Van langsam über die Klippe zu schlittern droht, den Spielberg so schön ausstaffiert mit Nacht, Regen und Matsch (natürlich auch ein Schema, den schon der Vorgänger buchstabierte) und die Situation zuspitzt, die Lage sich wieder verbessert, um kurz darauf wieder zu kippen. Und der einzige Dinosaurier, das einzige Ungetüm, bei dem bis zum ersten Auftritt noch Spannung aufgebaut wird, wie schon im letzten Teil, ist der Tyrannosaurus Rex, um den sich daraufhin auch bis zum Ende auch alles zu drehen scheint, dadurch eindeutig mehr Leinwandpräsenz erfährt und eigentlich die Haupattraktion des Films darstellt.  



Der Film ist in jedem Fall die logische Konsequenz, die die meisten Fortsetzungen innehaben. Er zeigt und beweist das in jeder Pore seines Seins. Besonders am Ende noch einmal, wenn der Tyrannosaurus, der ebenfalls im Übermaß zum Einsatz kommt, dann in die Zivilisation eindringt, durch die Stadt streift, wütet, sich Drehbuchautor David Koepp selbst fressen lässt und ein Chaos anzettelt. Natürlich birgt auch »Lost World« ein Abenteuer in sich, zu dem John William seiner Musik auch durchaus neue Impulse verleiht und dahingehend handelt es sich selbstredend auch um einen gefälligen Film, den Spielberg temporeich erzählt. Er macht kurzen Prozess und reißt somit vieles hintereinander ab. Er wiederholt aber auch viele Schemen (erinnert die austauschbare Figur von Peter Stromare im Verlauf nicht der von Bob Peck im Vorgänger?), wiederholt Tricks (Velociraptoren?) oder gar einzelne Momente des Vorgängers, die er modifiziert. Spielberg sucht das große Spektakel bei diesem Film, verliert aber seine Figuren aus den Augen, die dahinter zurückstehen müssen und schlichtweg blass erscheinen. Es fehlt ihnen das Markante. Spielberg lässt sie aus den Händen gleiten, weshalb viele von ihnen fade bleiben und als Köder für die Bestien verkommen (wie bei diesem Hippie-Wissenschaftler, bei dem man das Gefühl hat, das mehr in seiner Figur hätte stecken können, aber dessen einziger Zweck letztlich nur ist kurz einmal über die Dinos aufzuklären). Der Film ist schlichtweg zu dünn und zu dürftig (was die dadurch leicht albern geratene Aktion von Kelly, die aus der Turnmannschaft flog, belegt, wenn sie den Velociraptor mit einem Schwung aus einem Haus herauskatapultiert) in seiner Ausarbeitung und Entwicklung. Damit kann man »Lost World« als oberflächliche Kurzweil werten. Aber immerhin erkennt man durch dieses Sequel auch die ganze Größe des Originals und was man eigentlich alles an ihm hatte. 


6.0 / 10





Autor: Hoffman 

Mittwoch, 22. Juni 2016

Zurück ins Nimmerland - Kritik: Hook (1991)


Jeder kennt seine Geschichte. Die Kinder lauschen gespannt und starren mit offenen Mündern auf die Bühne, wo sein Stück gespielt wird. Es ist fast so, als würden sie den Atem anhalten. Steven Spielberg denkt mit oft dem gescholtenen »Hook« die Geschichte des ewigen Jungen weiter und dichtet sie um. Er denkt dabei an einen Erwachsenen Peter Pan (jetzt: Banning und mit Robin Williams besetzt), einen spießigen Anwalt, der ständig an seinem Telefon hängt. Der fliegende Junge, der als Mann nun Angst vor dem Fliegen hat. Der Junge, der jetzt als Mann keine Zeit mehr für seine Kinder hat und das Baseballspiel seines Sohnes von einem Mitarbeiter mitfilmen lässt. Er ist ein Vater, der nicht da ist, lieber mit seiner Arbeit liebäugelt und seinen Kindern ins Gesicht schmettert, dass sie erwachsen werden sollen. Und Steven Spielberg erzählt hiermit mit einer kindlichen Naivität und Leichtfertigkeit ausgestattet wie wieder das Kind in ihm erwacht. Es ist die Suche nach Peter Pan, der sich hier nun selbst finden muss. Weiterhin ist es natürlich auch eine Geschichte über Familie, die am Anfang bröckelt durch den egoistischen Peter und die bei Spielberg wieder zusammenfinden muss. Zuerst macht Spielberg aber den Mythos von Peter Pan seinen Zuschauern wieder schmackhaft, wenn Peter mit seiner Familie zu Wendys Haus zurückkehrt, die nun eine alte Dame ist, die meint, dass Peter nun selbst ein Pirat geworden sei. Spielberg lässt (durchaus auch gewitzt) den Blick durch das Haus schweifen, an den bestimmten Ort der Erzählung, das Kinderzimmer, sieht die illustrativen Bilder an den Wänden, lässt seine Figuren sich erinnern und erzählen. Dieser (zauberhafte) Beginn, für den John Williams auch motivierende und treffende Musik findet, macht Lust auf die Magie des Abenteuers.



Wenn Peter dann wieder durch die Hilfe von Glöckchen im Nimmerland landet, wird dort Spielbergs Film dann zu einem pompösen und zügig erzählten Märchen, das keine (wirkliche) Ruhe mehr kennt, bei dem Spielberg zu einer herzhaften Sentimentalität neigt und er sich auch zu affigen Blödsinn hinreißen lässt. In diesem Sinne ist sein Film zweifelsohne infantiler und kindischer Unfug, eine Schelmerei, der er sich hingibt und auch ein buntes und vor allem auch putzmunteres Brimborium. Es ist so, als würde dort im Nimmerland Spielberg eine Mottenkiste plündern und allen möglichen Krempel und Krimskrams herausschmeißen. Somit könnte man auch sagen, dass Spielberg selbst wie ein Pirat oder Räuber ist, der hier alles mögliche aus seiner Schatztruhe zu ziehen scheint. Oder noch anders gesagt: Er ist wie ein Zauberer, der jede Menge (irgendwie bezaubernden) Plunder aus seinem Hut zieht. Denn so deutlich auch die tradierte Studiokulisse hervorscheinen mag, so hat diese doch auch etwas liebenswert-altmodisches, etwas, das man heute wohl nicht mehr in einem (aktuellen) Film vor Augen bekommen würde.


Natürlich muss man auch sagen, dass Spielbergs Film in einem gewissen Rahmen auch einen überladenen und ulkigen Pomp darstellt, der oft auch zu plumpen und albernen Klamauk wird, der aber auch seine Vorzüge hat. Denn mit welch schillernder Entzückung Dustin Hoffman diesen Bösewicht, diesen Hook, der Angst vor den tickenden Uhr hat, die verkünden, dass seine Zeit bald abgelaufen ist, interpretiert, das ist eine helle Freude ihm dabei zu zusehen. Demnach möchte man »Hook« als quietschendes und doch charmant-harmloses Trödelstück betrachten, als einen Film, den man vielleicht aus den Augen eines Kindes (wieder) sehen muss, um seine Faszination zu begreifen.

6.5 / 10

Autor: Hoffman 

Mittwoch, 15. Juni 2016

Come fly with me - Kritik: Catch me if you can (2002)



Zwar handelt Steven Spielbergs »Catch me if you can« von Jäger und Gejagten (und sein Protagonist wird an einer Stelle als ein James Bond der Lüfte bezeichnet, an anderer Stelle sogar »Goldfinger« zitiert), aber nichtsdestotrotz wird sein Film nicht von Hektik bestimmt, sondern stellt im Grunde gediegenes und damit fraglos geradezu altmodisches Erzählkino dar, das eher entspannend scheint. Das heißt aber nicht, dass Spielbergs Film eben kein Film ist, der die Bewegung sucht, denn genau das tut er. Die Inszenierung bleibt betrieblich, immer auf der Suche, versucht zu erfassen, versucht in gewisser Weise auch durch ihr äußeres Umrunden der Figuren sie zu erforschen. Aber es ist des weiteren ein Film, der sich - wie soll man es anders formulieren? - Zeit nimmt, um seine lockere und auf unglaublichen Tatsachen beruhende Geschichte auszubreiten. Es ist das Spiel des Lebens, das Spiel um Gewinn und Verlust, von dem Spielberg erzählt. Und gleichzeitig kann sein Film auch irgendwie als ein ironischer Bruch mit dem American Way of Life gelesen werden. Es ist im Grunde eine typische Aufstiegs- und Fallgeschichte, die aus zwei Perspektiven erzählt, vom Jäger und dem Gejagten, die Beide, trotz ihrer unterschiedlichen Ansichten etwas verbindet. Beide sind sie einsame Männer, die ihre Familie und Liebe hinter sich gelassen haben, der eine für die Flucht, der andere für die Suche, und die zu jedem Weihnachtsabend gemeinsam einsam sind.



Spielbergs Werk ist ein mit Leichtigkeit arrangierter Film, der in ein nostalgisch-warmes Licht getaucht ist, das durch die Fenster in die Welt der Protagonisten hineindringt, sodass in den Bildern ein illusionärer Zauber liegt. Denn Spielbergs Film ist natürlich auch ein Werk über Schein und Sein, Wahrheit und Lügen, mit denen es sich für seinen Protagonisten Frank Abagnale jr. leichter leben lässt. Spielberg nimmt sich Zeit, um diesen Protagonisten geschmeidig zu etablieren. Er zeigt Empfindsamkeit gegenüber seinen Figuren. Sein Fokus liegt - wie so oft - auf der Familie. Durch diesen Schlüssel betritt Spielberg diese Welt seines Films. Der junge Frank bewundert seinen Vater (Christopher Walken), der selbst ein charmanter Ganove ist, die Maus, die die Milch versucht zu Butter zu machen. Doch die Familie zerbricht und das ist der Auslöser für Frank zu fliehen, weil er es nicht akzeptieren kann. Er flüchtet sich in die Welt des Scheins und legt sich folglich eine andere Identität zu. Er ist ein verlorener Junge, der seinen Ängsten, seiner Identität versucht auszuweichen, sich im Schein in Sicherheit fühlt. Am Ende sehnt er sich aber auch nach nichts anderem als nach einer Familie, zu der er gehören kann. Auf der anderen Seite steht der pedantisch-tollpatschige Carl Hanratty (Tom Hanks), der seine Familie für seinen Beruf bereits hinter sich gelassen hat, sich aber sich trotzdem nicht von ihr trennen kann (er trägt seinen Ehering immer noch, trotz der Tatsache, dass er geschieden ist). Es liegt dabei eine gewisse Naivität und lockere Fröhlichkeit in der Betrachtung dieses Stoffes, der nie zu schwer wird, sondern sich eben ganz und gar nonchalant entwickelt. Spielbergs Film ist schlussendlich ein gemächliches und kurzweiliges Katz-und Mausspiel, eine illustre Schnitzeljagd, elegantes Stilkino, ein sanft-liebenswertes und warmherziges Ganovenstück, das eine ehrliche Sympathie für seine beiden Protagonisten hegt.



7.0 / 10

Autor: Hoffman

Freitag, 31. Oktober 2014

Ein Horrorfilm für Halloween - Kritik: Poltergeist (1982)



Wie viel Tobe Hooper steckt eigentlich in »Poltergeist«? Sicherlich genug, um sagen zu können, dass es ein Tobe Hooper Film ist. Mehr als ersichtlich ist aber auch Spielbergs Einfluss, der als Produzent fungierte und für den Final Cut verantwortlich war, auf das Endprodukt. Die Schnittmenge der Beiden lässt sich wohl bei einem Punkt der Ausgangsgeschichte festmachen: Der Familie. Wenngleich Hooper eher Filme gegen die Familie drehte (man ziehe hierfür einfach mal »The Texas Chainsaw Massacre« zurate), ist Spielberg dafür bekannt Filme für die Familie zu machen. Und natürlich zeigt sich auch gerade bei den Figuren der Kinder, dass Spielberg an diesem Film beteiligt war, denn die Beziehung zwischen Eltern und Kindern ist ein starkes Band und wird anfangs sogar mit viel Einfühlungsvermögen für die Ängste der Kinder geschildert. Und eben diese Ängste und Einbildungen macht man letztlich hier ebenso gut greifbar. Man schaut diesen Film wieder durch die Augen eines Kindes. Die Einbildungen werden zu realen und wahren Gespenstern und existieren nicht mehr nur in der Imagination eines Kindes (wie der schaurige Baum oder der furchterregend grinsende Clown am anderen Ende des Zimmers). Und es ist auch die jüngste Tochter, die verschwindet, das schwächste Glied in der Familie, weshalb das für die Familie ebenso gut eine Belastungsprobe darstellt. Die Familie muss solidarisch bleiben. An solchen Stellen lässt sich wohl am deutlichsten Spielbergs Handschrift erkennen.



Doch auch jene von Tobe Hooper lässt sich noch unterschwellig herauslesen, wenn man genauer hinschaut, denn so lässt sich ein faszinierender Detailreichtum entdecken. Und selbstredend ist Hoopers Film zunächst einmal eine Satire auf diese amerikanische Vorstadtidylle. Der Normalbürger beziehungsweise diese perfekte amerikanische Familie wird mit dem Übernatürlichen konfrontiert. Es ist überaus ironisch, dass das Erste, was hier ertönt die amerikanische Nationalhymne ist und darauf Bilder im Fernsehen folgen, die das Hissen der amerikanischen Flagge auf Iwo Jima zeigen. Das ist also ein durch und durch amerikanischer Film. Kurz darauf setzt dann das Übernatürliche ein. Der Bildschirm flackert und rauscht und die Geister nehmen Kontakt auf. Denselben Aufbau verwendet übrigens Hooper noch ein zweites Mal. Das ist typisch für ihn. Es ist so, als wolle er hier wieder mit einem amerikanischen Mythos abrechnen. Hierbei geht es ihm natürlich mehr oder weniger unterschwellig um den amerikanischen Gründungsmythos. Denn es ist hier schließlich die Vergangenheit, welche die Amerikaner (= Familie; die für die Verwirklichung des amerikanischen Traums steht) einholt. Sie lässt ihnen keine Ruhe und verfolgt sie. Sie zerstören das Land, welches nicht ihnen gehört, sie nehmen es sich ohne Skrupel, um es zu besiedeln und um mit ihm zu wirtschaften und daraus Profit zu schlagen. Hier ist es die Schändung der Toten, was natürlich metaphorisch die Vertreibung und Unterwerfung der nordamerikanischen Indianer meint. Nach dieser ersten Geistererscheinung baut Hooper natürlich erstmal seine Vorstadtidylle auf, zeigt eine heile Welt, die stimmungsvoll von Jerry Goldsmith untermalt wird, in der Kinder Schabernack treiben, Männer gemeinsam Bier trinken und American Football vor dem Fernseher schauen.



Und auch weiterhin sind viele interessante Details zu entdecken, die eher auf Hooper denn auf Spielberg schließen lassen: Der Vater liest ein Buch über Ronald Reagan oder eine Szene, in der Carol Anne den flackernden Fernseher betrachtet, die Mutter das sieht und darauf antwortet: »Du verdirbst dir noch die Augen!«, worauf sie dann gleich von dem Flackern zu einem brutalen Kriegsfilm schaltet. Aber mal ganz davon abgesehen, wem dieser Film nun zu gerechnet werden kann, ist »Poltergeist« natürlich auch so eine vergnügliche, effektvolle und augenzwinkernde Grusel-Achterbahnfahrt mit herausragenden Trickeffekten, auf die einen Hooper und Spielberg mitnehmen, in der Mädchen mit Fernsehern sprechen, von dem sie Stimmen aus der Zwischenwelt vernehmen (Fernseher werden also zu Portalen) oder sich zunächst harmlose Ereignisse häufen, wie etwa, dass sich Gabeln verbiegen und Stühle sich von allein bewegen und stapeln, bevor Hooper das Ganze dann immer weiter steigern lässt: Bäume werden zu gefährlichen Eindringlingen, die Kinder verschlucken wollen und Kinderzimmerkleiderschränke leuchten weiß, werden zu Portalen und entwickeln eine gefährlich-anziehende Wirkung. Daneben hält Hooper aber auch inne, weiß meisterhaft und gewandt das Unheimliche zu erzeugen. Er lässt geisterhafte Gestalten erscheinen oder Kontakt aufnehmen zur Zwischenwelt - letztlich wird sogar ein drolliges Medium um Hilfe gebeten. Im Finale treibt es Hooper dann aber zur Spitze: Es wird an Decke umher gelaufen (oder viel eher gepurzelt?), Skelette liegen im Pool, Clowns werden mordlustig, Gräber entsteigen dem Boden. Hooper treibt es so weit, bis nichts mehr davon übrig ist. Und was lernen wir daraus? Fernseher bringen nur Unglück!



8.0 / 10

Autor: Hoffman