Posts mit dem Label Mason (James) werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Mason (James) werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Mittwoch, 18. Dezember 2013

Von West nach Ost und wieder zurück - Klassiker der Extraklasse: Gefährlicher Urlaub - The Man Between (1953)




Carol Reed will den »dritten Mann« wiederholen: Nach Wien führt es in diesem Mal nach Berlin; um dort seine Liebeserklärung, wenn man das so nennen möchte, mehr oder weniger, eher weniger, filmisch zu verfassen. So erfolgt auch gleich zu Beginn das schriftliche Statement der dichterischen Freiheit, die Reed seinem Werk selbst eingesteht. Die unschuldige Susan (hilflos: Claire Bloom) kommt von London zu Besuch zu ihrem Bruder nach Westberlin. In der Stadt kreuzt sie den Weg mit den Flüchtigen aus dem Osten, sieht Trümmer und das Brandenburger Tor und wird von einem Jungen mit Fahrrad, der sie wie der Schatten eines Jemanden beobachtet, verfolgt. Auch der Osten wird besucht mit ihrer Schwägerin Bettina (Hildegard Knef); dort treffen sie auf einen alten Bekannten Bettinas, den mysteriösen Ivo Kern (mit Mantel und Hut: James Mason). Es gibt Geheimnisse in dieser Stadt, die man verbergen will. Zunächst matt-melodramatisch aufgekocht als Zweifrontenliebesgeschichte, von der sich Reed auch nie ganz löst, ist es ein Werk über vergessene Wahrheiten, Lügen, Verschwiegenheit, Täuschung und Vertrauen, das sich letztlich zum politischen Krimi oder Thriller entwickelt, das heißt hier geht es von West nach Ost und wieder zurück.

Oder um es anders zu sagen, so übernimmt Reed mehr oder weniger hier das Grundgerüst seines »dritten Mannes«, verspielt aber seine Chance an ihn anzuknüpfen durch die enorme Banalität seiner doch eben zeitgebundenen Geschichte, denn das ist eher hochkonstruiert und abgegriffen denn hochgradig treffend, und bleibt so hinter seinem Vorgänger zurück. Zudem bleiben die Figuren Schablonen. So sind es auch hier die schmuckvollen Trümmer und Ruinen, ob mit oder ohne Schnee, die fesseln und auch hier legt Reed Wert auf den Einfluss von Licht und Schatten, wenngleich es nicht so intensiv ist wie beim vorherigen Male. Wenn Reed aber die Mechanismen im Osten in Gang setzt, um Menschenraub, Verschwinden und der gemeinsamen Flucht erzählt, befindet er sich in seinem Element von Suspense. Eine Flucht über die Grenzlinie des Ostteils, gezimmert mit einer Autoverfolgung, der Flucht über die Häuserdächer und dem Versteck in der Baustelle, die Aktion beherrscht er und manchmal trifft dann auch die richtigen Töne, wenn es um Egoismus in einer Stadt (= Welt), in der jeder für sich selbst kämpft, geht. Nichtsdestotrotz ist das also ein doch recht ansehnlicher Berlinfilm, wenn einem denn so etwas zusagt.


6.0 / 10

Autor: Hoffman 

Samstag, 31. August 2013

Auf der Flucht, Richtung Nordwest - Klassiker der Extraklasse - Der unsichtbare Dritte (1959)

"That's funny, that plane's dustin' crops where there ain't no crops."

»Northy by Northwest« mutet zu weiten Teilen wie ein Hitchcocksches Best Of an. Eine ganze Vielzahl an Motiven vergangener und folgender Werke findet hier Einzug: Da wäre zum einen die verschwundene Person im Zug (»The Lady Vanishes«), der unschuldige Verdächtige auf der Flucht (»The 39 Steps«), Spionageverwicklungen (»Saboteur«) oder eine Anhänglichkeit an die eigene Mutter (»Psycho«; »The Birds«), die allerdings ihren Sohn nicht psychisch einengt, sondern hingegen für eine der lustigsten Szenen des Films sorgt: "You gentlemen aren't really trying to kill my son, are you?"





Viellleicht liegt es ja auch an der Besetzung, dass dieser Film Hitchcocks sein bis dato Bester, möglicherweise sein Bester überhaupt ist. Vor allem zwischen Cary Grant und Eva Marie Saint knistert es gewaltig. Grant, als Vorläufer von Don Draper (ja, seine Figur Roger Thornhill arbeitet tatsächlich in der Werbebranche) besitzt eine fantastische Grandezza und lässt keine Zweifel aufkommen, dass er in seinen späteren Rollen besser denn je war. Saint, zwar Neuling unter Hitchs Ägide, gelingt es wunderbar, die Reihe an Blondinen für den Altmeister fortzusetzen. Auf der anderen Seite wären da die nicht weniger unvergesslichen James Mason und Martin Landau mit einem seiner ersten Auftritte. Auch Stammkomponist Bernard Herrmann, Kamerann Robert Burks und Cutter George Tomasini sind mit von der Partie. Stellt diese Zusammensetzung aus alteingessenen Beteiligten und großer Mimen das Erfolgsrezept dar?




Dramaturgisch wird ein Höhenpumkt an den Nächsten gereiht, was dem Film einen episodischen Charakter zukommen lässt, jedoch nicht auf negative Weise. Gerade so kippt die Spannungskurve erst gar nicht und mitreißender kann ein für die Zeit derart ungewöhnlich kinetischer Film nur schwerlich werden. Und doch wird nie der heitere Tonfall gebrochen, denn Platz für Herzlichkeit und Humor (genial: Grants renitentes Verhalten auf der Auktion) findet sich immer. Nicht umsonst wird vielerorts behauptet, dass die James Bond-Filme viele Charakteristika aus »Northy by Northwest« übernommen haben. Zwar bewegt sich der Protagonist nur quer durch die Vereinigten Staaten und nicht interkontinental fort, doch auch dieser rasche Standortwechsel ist so kennzeichnend wie inspirierend für kommende, leicht entrückte Agentenabenteuer. Daran ändert auch der Umstand nichts, dass Roger Thornhill nur unfreiwillig in die Rolle des George Kaplan gerät und kein Berufsspion ist. Memorable Szenen wie die Maisfeldszene oder die Flucht über die Granitköpfe des Mount Rushmores halten zurecht einen Ikonenstatus und treiben Hitchs inszenatorisches Können auf die Spitze. Ja, für mich steht fest: »Northy by Northwest« ist Hitchcock größtes, schönstes und aufregendstes Werk!


                                                                    9 / 10

Autor: DeDavid