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Mittwoch, 13. Mai 2015

Jacques Demy Retrospektive #2 - Klassiker der Extraklasse: Die blonde Sünderin (1962)



Jacques Demys zweiter Spielfilm »La baie des anges« ist ein durch und durch stilvoller, wenn dabei auch schlichter Film, bei dem Demy seine Eindrücke, bei seinem ersten Casinobesuch, zu dem man ihn mitnahm, zu einem Film verarbeitet. Ähnlich ergeht es Demys Protagonisten, einem korrekten jungen Mann (Claude Mann), der als Bankangestellter arbeitet und von einem Kollegen, der Erfahrung mit dem Spiel hat, mit ins Casino genommen wird, der ihn in diese Welt einführt und von dessen Reiz er sich nicht mehr lösen kann. Demy berichtet von der Verführung des Spiels und zeigt präzise die Faszination, das Vergnügen und das Risiko, das hinter dem Spiel liegt, ohne dabei über seine Figuren moralisch zu urteilen. Es ist die Wahl der Zahl, das Mysterium das hinter diesen Zahlen liegt, die Spannung, die in dem Moment vorliegt, wenn die Kugel auf dem Rouletttisch zu rollen beginnt, das Glück, der Reiz zu gewinnen und schnelles Geld zu machen in kurzer Zeit. Denn in Casinos kann das Geld tatsächlich auf Bäumen wachsen von diesem zum nächsten Moment. Gespielt wird hier dann zu den elegant-dynamischen Klavierklängen Michel Legrands, die einen soghaft in diese Welt abtauchen lässt, während die Zeit von dannen zieht.

Der junge Mann verfällt dem Reiz, die diese unbekannte und neuartige Welt auf ihn ausübt. In Nizza, das er besucht um dort in einem Casino spielen zu können, trifft er auf Jackie (nuancenreich: Jeanne Moreau). Eine Frau, die dem Spiel erliegen ist und ihr altes Leben für das Spiel hinter sich gelassen hat. Sie ist eine leidenschaftliche Spielerin, die sich angezogen fühlt von dem Spiel, nicht bereit ist aufzuhören, begierig ist immer weiter zu spielen, auch wenn sie bereits alles verloren hat. Das Spiel gibt ihr Glückseligkeit. Geld sowie Verlust sind für sie bedeutungslos geworden. Daraus entwickelt Demy ein einfaches, aber reizvolles Szenario von zwei Spielern, die zueinander finden, sich beistehen und sich ineinander verlieben. Es treibt sie nach Nizza, später nach Monte Carlo. Demy schildert unbefangen und kühl eine beinahe schon abenteuerliche und risikofreudige Reise, bei dem Gewinn und Verlust oder Hoch- und Tiefflüge dicht beieinander stehen und sich ebenso neben dem Gefühl des Glücks auch die Ernüchterung breitmacht. Demy schildert damit also einen kurzen und Trip, der einen Einblick gibt in die rauschhafte Welt des verführerischen wie auch gefährlichen Spiels.

7.5 / 10

Autor: Hoffman 

Mittwoch, 8. April 2015

Die Rückkehr in das Heimatdorf - Klassiker der Extraklasse: Die Enttäuschten (1958)



Claude Chabrols erster, vom Neorealismus geprägter, Spielfilm, welchen er durch eine Erbschaft finanzierte, handelt von der Rückkehr eines Studenten in sein altes Heimatdorf. Es erwarten ihn alte Bekannte, er trifft Freunde und er sieht die desillusionierten Gesichter. Die Veränderung hielt seit seiner Abreise Einzug, an alte Zeiten erinnert man sich nur noch und Chabrol, der möchte hinter die Fassade dieser Menschen blicken und das mit Bedacht. Schon hier arbeitet Chabrol mit einer Konfrontation von Bürgertum und Arbeiterklasse, die durch seine beiden Hauptfiguren (gespielt von Jean-Claude Brialy und Gérard Blain) symbolisiert werden. Ein netter Gag sind hier übrigens die Gastauftritte von de Broca (als Rivette!) und Chabrol (als La Truffe) selbst. Brialy ist der Beobachter dieser Situation, wie Chabrol und seine Zuschauer. Er versucht zu helfen, will gute Taten vollbringen, doch erst vermutet und spekuliert er nur, später wird er erkennen. Er ist aber auch ein Fremder seiner Heimat geworden, weshalb ihn Blains Charakter oftmals auch als Fremdkörper wahrnimmt. Freundschaft und Feindschaft stehen im stetigen Wechsel.



Das Dorf hat sich nicht verändert, nur die Menschen, heißt es im Film selbst. Der Freund Serge ist eine Ruine, einst ein famoser Kerl. Wie konnte sein Freund so werden? Was ihm blieb, ist sein Alkohol und sein Beruf als Lastwagenfahrer. Was ihn zeichnet, sind ein verlorenes Kind und die Enttäuschungen seiner Ambitionen und Hoffnungen. So ist es auch die innere Wut, Verzweiflung und die Unzufriedenheit über die eigene soziale Lage, die sich in seiner ablehnenden Haltung niederschlagen hat. Diese Menschen haben den Glauben an sich sich selbst verloren. Chabrol bebildert die triste Alltäglichkeit mit einem großen Auge für das Authentische, schließlich drehte auch er (wie seine Vorgänger und Nachfolger) an Originalschauplätzen und das merkt man, denn diese Einfachheit mit der Chabrol ans Werk geht und nebenbei seine Charaktere fein mit der Linse studiert, macht diese Form des Realismus greifbar. Auch wenn das (noch) nicht fehlerfrei sein mag, so ist er dramaturgisch doch noch etwas ungeschliffen, aber das lässt Chabrols Werk dahingehend auch sehr bodenständig wirken, was passend zur Schilderung der Geschichte erscheint. Er gibt sich doch gemächlich, wenn er in den einfachen Dingen dieses Lebens für kurze Zeit verharrt, wie beim Fußballspiel von Kindern, oder mit einer Plansequenzen, mit der er mit seinem Protagonist über den Dorfplatz schreitet. Zuletzt lässt er aber noch einen Funken Hoffnung durch den Glauben aufblitzen, wenn dieses Lachen am Schluss denn ein befreiendes ist.


7.5 / 10


Autor: Hoffman