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Mittwoch, 20. April 2016

Kein Zombie, nur gesichtslos - Kritik: Bruiser (2000)

George A. Romero ist selbstredend vormerklich durch seine Zombiefilme bekannt geworden. Er war es erst, der die Zombies in einen gesellschaftlichen Kontext einband und sie somit definierte. Vorab ist die Schauergestalt des Untoten vorwiegend an den Voodoo-Kult gebunden gewesen, ehe sie 1968 in NIGHT OF THE LIVING DEAD ihre Gräber verließen. Seitdem dauerte es knapp zwei Jahrzehnte, um die erste Trilogie mit weiteren Themen wie einer bitterbösen Konsumkritik und militärischer Idiotie zu komplettieren. Leider fiel die zweite Trilogie ab dem Millenium bei der Kritik durch, obgleich Romero auch in dieser mehr Einfälle (der nächste Evolutionsschritt der Zombies, Found Footage-Ästhetik und Western-Mythen) verwirklichte als die meisten seiner Kollegen. Undankbarkeit ist der Welten Lohn und dennoch hat Romero einen besseren Stand als viele der anderen Altmeister des Horror: Auf Dario Argento und seiner katastrophalen Spätphase wurde hier bereits genügend eingegangen und Wes Cravens versammelte ab den 80ern zwar einige Aussetzer (besonders THE HILLS HAVE EYES 2 oder VAMPIRE IN BROOKLYN sollten erwähnt werden), was aber angesichts der phänomenalen Scream-Reihe nicht ins Gewicht fällt. John Carpenter und Tobe Hooper  hingegen nähern sich mit GHOSTS OF MARS oder MORTUARY durchaus ihrem italienischen Freund auf einige negative Weise an. Romero war indes später nicht allzu produktiv, kann dafür aber neben besagter neuen Zombie-Reihe mit STARK zudem eine der eindrucksvollsten Stephen King-Adaption vorweisen. Lediglich ein Werk fällt dazwischen, welches gemeinhin einen wirklich üblen Ruf genießt: BRUISER schaffte es aufgrund einer erzwungenen Vermarktung als Horrorfilm gar nicht erst in die Lichtspielhäuser. Doch inwieweit stimmen die Unkenrufe und welchen Reiz versprüht der Film möglicherweise nichtsdestotrotz?



In BRUISER türmen sich die Probleme für die Hauptfigur Henry Creedlow (Jason Flemying), die nicht nur das Interesse seiner Frau verloren hat, sondern auch noch mehrfach vom besten Freund oder Chef hintergangen wird. Dass er den Suizid eines Radioanrufers miterlebt, könnte seiner Umgebung egaler nicht sein. All die daraus resultierenden, unterdrückten Frustrationen machen sich eines Morgens sogar physisch bemerkbar, indem eine völlig weiße Maske Henrys Gesicht verdeckt. Jegliche Versuche, sie zu entfernen, führen zu Verletzungen an der Gesichtshaut. Eine solche surrealle Idee muss umso unwahrscheinlichere Konsequenzen nach sich ziehen, so entsorgt Henry nicht nur seine Frau mit einer Schlinge um den Hals aus dem Fenster, sondern jagt auch seine anderen Peniger. Sein Chef (am Rande des Wahnsinns: Peter Stomare), ein völlig überdrehter Narzisst, der sich nicht nur vor den Angestellten entblößt und öffentlich Fotos von Models mit seiner Zunge liebkost, sondern zusätzlich den Liebhaber seiner Frau darstellt, ist das eigentliche Ziel des maskierten Vigilanten, das er bei einer Kostümparty (in der nicht weiter auffällt) schließlich in die Enge treibt. Romero erzählt somit die Geschichte eines Selbstjustizlers, der mit der verhüllenden Funktion seiner Maske nur weitesgehend unerkannt bleiben kann und eine Veränderung seiner Persönlichkeit durchlebt. Statt aber um Fragen der Identität zu kreisen, wird die Oberfläche des Plots nie wirklich durchbrochen. Wobei natürlich gar nicht erst ein THE FACE OF ANOTHER erwartet werden sollte. Die anfänglichen Rachevorstellungen, die zu Beginn des Films noch Vorstellungen bleiben, gleiten also in die Wirklichkeit über. Oder doch nicht? Diese Frage wird letztlich offengelassen, was durchaus etwas lyncheskes an sich hat. So manch schwarzhumorige Situation sorgt zumindest für einige Schauwerte. Die fehlende Moral kann man entweder als mutig oder einfach nur rotzig betrachten. Zwar handelt es sich fraglos Romeros blödesten Film, aber wie bereits angeführt: Es geht auch wesentlich schlechter.

                                                                        4/10

Autor: DeDavid

Freitag, 11. März 2016

Short Cuts: Ein Potpourri aus Horrorfilmen

Dolls (1987)


Es war einmal in einer langen Nacht: Eine Autopanne, Blitz & Donner, eine unheimliche und gestrige Villa, zwei fürchterliche Eltern und ihre Tochter, ein Mädchen, das eine Tagträumerin ist, die sich nicht vor der Dunkelheit fürchtet, sondern vor dem, was in ihr lauert. Und viele weitere Menschen (ein gutherziger Mann, der im Herzen noch ein Kind geblieben ist und zwei Punk-Girls), also (zum Großteil eher auffallend unsympathische) Karikaturen, die dort - in dieser mysteriösen Villa - Zuflucht suchen und erleben wie Spielzeuge zum Leben erwachen, wie diese harmlosen und leblosen Geschöpfe sich gegen sie wenden. Stuart Gordon, der das Genre zu verstehen scheint und dahingehend auch einige kluge Bemerkungen am Rande fallen lässt, macht daraus einen verspielt inszenierten, grotesk angefüllten und einfallsreichen Film um Imagination und Magie, der neben (oder gerade mit) seiner Verschrobenheit fast schon naiv erscheint, um im nächsten Moment blutigen Gore (bestes Beispiel: ein Teddybär mutiert zu einem blutrünstigen Ungeheuer aus den Büschen) aufzufahren. Dafür setzt Stuart Gordon gekonnt die unheilvollen Mechanismen in Gang. Gordon hat ein Gespür für das Märchenhafte, für den sanften Schauer, wenn seine Protagonisten das einladend altmodische Haus erforschen, er das Unheimliche nicht erklärt, sondern es an ihnen vorbeiziehen lässt. Denn wenn er das tut (das Unheimliche erklärt) ist das Ergebnis eher platt, aber nichtsdestotrotz irrsinnig. Viel passiert nicht in diesem kleinen Film, die Ereignisse überstürzen sich, manchmal ist Ganze reichlich trottelig, der Streit zwischen den Figuren unbeholfen, aber Gordon findet auch stimmungsvolle Momente, die behagen zwischen seinen liebenswerten (diesen, in denen der Film von einer kindlichen Freude am Schauerlichen durchzogen ist) und seinen grimmigen Augenblicken.

6.5 / 10

Insidious (2011)


James Wan steigt also jetzt auf Haunted-Houses um (oder in der Rückschau betrachtet: Hat es schon lange getan), statt um Häuser, geht es hier aber mehr um besessene Jungen und Männer. Der Einstieg in das Werk ist sogar überaus gelungen (wie auch die Außenaufnahmen der Häuser): geisterhafte Schatten und Gesichter. Wan setzt hier ganz und gar auf das Altbewährte, denn die Geschichte ist ein einziger Flickenteppich aus verschiedenen Klassikern des Genres. Die Familie bleibt uninteressant, eine überforderte Mutter und ein arbeitender Vater (und drei Kinder, von denen zwei irgendwann nicht mehr relevant sind. Wo sind die eigentlich abgeblieben?), was wohl auch daran liegt, dass Wan das Ganze überhetzt erzählt. Wan´s Grusel ist plakativ, wenn er den Klangteppich aufdreht und nervenzerrende und schauerliche Töne erzeugt und Türen erwartungsgemäß knattern lässt. Wan präsentiert den Grusel stets als Sensation und das funktioniert nur schwerlich, er will schocken, nicht gruseln. Das wirkte auf mich infantil. Er deutet an, aber führt dann nicht aus. Sein digital gedrehter Film ist karg gefärbt, wirkt verfinstert, die Kamera schwenkt dabei exzessiv herum, ebenso wird auch zu Beginn geschnitten, was unschönerweise an Paranormal Activity erinnern lässt. Es gibt aber durchaus interessante Einzelmomente: Der erste Auftritt des Mediums, das sich als Referenz an Poltergeist versteht, und die Traumschilderung. Das ist alles bierernst und ein weiteres Problem des Films ist, dass er recht schnell zu überzogen sentimentalen und melodramatischen Gesten greift, die das Ganze als Farce erscheinen lassen. Die erste Seance ist dann ein tollwütiges Schnitt- und Blitzgewitter, das irgendwie nur grotesk wirkt (wie auch das faszinierende Puppenspiel mit Wilson in der Zwischenwelt, was ich wiederum als stimmungsvoll empfand). Wenn die Monster dann aber fassbar werden, es sogar zu einem Faustkampf kommt, ist das einfach nur töricht (und lasch präsentiert) und das Freddy-Krueger-Zitat ist einfach nur dreister Quark. James Wan´s Film ist kurz gesagt ein Polterfilm, der natürlich wieder nach einer Fortsetzung lechzt (und mehrere davon bekanntlich auch schon bekommen hat).

5.5 / 10


Zombie 2 - Das letzte Kapitel (1985)




Es sind leere Städte, die Romero zu Beginn zeigt, die von Verfall und Barbarei der Zombies gezeichnet sind, nichts ist mehr wie früher. Die Welt ist entvölkert an der Oberfläche. Das treibt die Menschen in den Untergrund. Es ist eine Ausnahmesituation, die Romero konsequent in diesem letzten Teil seiner ersten Trilogie bebildert. Die Menschen sind auf engsten Raum zusammengetrieben. Es sind Menschen, die nicht miteinander harmonieren können, zu verschieden sind sie. Die bedrückende Isolation, die auf sie wirkt,  führt zu Anspannung und Verzweiflung. Es ist ein Fass, das überlaufen zu droht, das zur Resignation, zur Paranoia und zum Wahnsinn schlussendlich führt. Es ist ein Film, der von seiner Aggressivität zwischen den Figuren lebt, die sich immer weiter zuspitzt, weiter wächst. Die Menschen beginnen sich selbst zu zerfleischen. Es ist ein knallharter und düsterer Abgesang auf die Menschheit, den Romero hier geschaffen hat in grau-trostlosen Bildern. Die einzige Figur, die hier noch die Lage zu verstehen scheint, versucht eine Rettung zu erreichen, ist seine entschlossene Protagonistin, die sich nicht unterkriegen lässt, eine Einzelkämpferin und Wissenschaftlerin, während auf der anderen Seite das finstere und vulgäre Militär zu finden ist. Daneben schlägt Romero aber auch nachdenklichere Töne, denkt über das Ende und die Zukunft nach, zeigt ein heimisches Paradies, das sich die Protagonisten eingerichtet haben, um für sich die Illusion einer heilen Welt aufrecht zu erhalten, mag an der Oberfläche auch die Apokalypse toben - bevor er am Ende das Grauen, die Grausamkeit der Zombies, die alles verschlingende Masse über ihnen hereinbrechen lässt. Ebenfalls entwickelt Romero auch hier die Theorie zu seinem Zombies klug und konsequent weiter und findet mit Bub eine wirklich emotional entfaltende Zombie-Geschichte (vielleicht bewegt seine Emanzipations-Geschichte eines Zombies sogar mehr als die der Menschen). Aber halten wir uns kurz: Ein schlichtweg herrlicher Film.


8.5 / 10



Autor: Hoffman 

Dienstag, 16. Oktober 2012

Romeros Hausfrauenhexe von Pittsburgh - Alte Schinken Edition: Season of the Witch (1972)




»I´m a witch!« - Nein, hierbei handelt es nicht um den im Jahre 2011 angelaufenen Blockbuster ( = Der letzte Tempelritter) mit Nicolas Cage (der das Geld mal wieder brauchte), sondern um einen (scheinbar vergessenen) Film von George A. Romero, obgleich dieser mit facettenreichen Titeln beworben wurde im Jahre 1972 wie natürlich heute noch beworben wird, ob nun als »Hungry Wives«, den eher abwegigen »Season of the Witch« (dessen Ursprung sich auf den gleichnamigen Titelsong von Donovan stützt; mir persönlich sogar noch am meisten zusagt) oder als »Jack´s Wife« (Romeros Titelfavorit), wie man es auch dreht und wendet - Romeros Film stammt aus einer schwierigen Epoche seines Schaffens, in der heutzutage die meisten Filme in Vergessenheit geraten sind - vielleicht nicht zu Unrecht, wenngleich auch erfolgsbedingt. Denn nach seinem fulminanten Erfolg von »Night of the Living Dead«, experimentierte Romero mit seinem eigenen Stil. Nach dem bereits die die zuvorgehende Liebeskomödie(!) »There´s always Vanilla« floppte, versuchte Romero zumindest wieder im angetrauten Genre (dem Horror) seinen Platz zu finden mit diesem Film.



Problematisch zu damaliger Zeit die Produktion (gedreht in Pittsburgh), durch zeitweise fehlendes Kapital. Somit meinte Romero heute, dass »Season of the Witch« der einzige seiner Filme seie von dem er sich gerne ein Remake wünsche, die Idee gefiel, nur das Geld wollte nicht fließen, womit Romero auch improvisierte und nicht all seine Visionen seitens des ambitionierten Projektes verwirklichen konnte. Genug Geschichtsstunde. Denn auch bei Romero wirds obskur, wenn er Fellini und Buñuel (wesentlich mehr er) referiert! Was fragt man? Romero wird surrealistisch?! Freilich und das sogar gleich zu Beginn. Jene Traumsequenz mutet zwar (dank unwirklichen, verzerrten Klängen) anstrengend an, ist zugleich aber hochinteressant zu betrachten (nicht nur in Romeros Schaffen) und fasziniert durch Befremdlichkeit der trockenen Szenerie (fast fühlt man sich an Buñuels »Belle De Jour« erinnert), angerichtert mit vielerlei Symbolen und Metaphern (jeweils kaum vollstandig zu entschlüsseln). Alptraumartiger Surrealismus! Verwirrende Schnitte. Groteskte Züge, reihen sich neben seltsamer Nachwirkung und Frauen in Käfigen als Zeichen der Unterdrückung der Frau. Durch Mann, gesehen als Tier, nicht als Gleichberechtigte! Ja, dies ist wohl Romeros größter und deutlichster Emanzpiationsstreifen. Zeitgeistig wie meist bei Romero verankert. Jedoch bis auf jene hervorstechende Sequenz bleibt Romeros erstaunlich unspektakulär.

Was auch hier einen Bezug zu Romeros Frühwerk zwischen »Night« und »Dawn of the Dead« knüpft. Am vergleichbarsten wäre hier bei die inszenatorische Parallele zu Romeros »Martin« (1977). Beide funktionieren von ihrem Grundschema recht ähnlich, wenngleich Martin in seiner Tristesse wesentlich ausgefeilter wirkt, wo »Season of the Witch« teils noch ziemlich hölzern und ungelenk ist. Doch erweisen sich auch hier Romeros minimalistische Mittel als hilfreich, da durch jene triste und trostlose Kulisse dies zugleich den Seelenzustand von der Protagonistin Joan Mitchell wiedergibt, was dem Ganzen sogar eine gewisse Natürlichkeit einräumt. Geplagt von ihrem Alpträumen und gelangweilt von ihrem Leben. Die Faszination an der Hexererei bringt schließlich den Ausbruch aus dem Alltag und die Emanzipation ihrerseits, durch die Machtposition, die dadurch einnimmt gegenüber dem männlichen Geschlecht, dabei auch storytechnisch mit direktem Verweis auf Polanskis »Rosemaries Baby«.

Doch für Romero gilt (im Grunde wie immer) weniger der Okkult, als denn die Menschen und Charakteren dahinter. Das vermag zwar auch der Grund zu sein, dass  so manche Schauersequenz teils aufgesetzt sein möge, wenngleich dabei (auf ihre abwegige Art) wirksam. Wenn Romero mit expressionistischen Schatten und dunklen Nächten spielt, langsam die Grenzen zwischen Wahn und Wirklichkeit verschwimmen lässt - in Zwiespalt seine Protagonistion beleuchtet - und durch geliebte Metaphern und Symbolik Akzente setzt. Meist dienen Romero die surrealistischen und alptraumartigen Sequenzen um die Ängste (wie das gealterte Alter Ego im Spiegel), ihre innere Einsamkeit oder ihre Stellung in der Familie zu verdeutlichen (der Hauseindringling mit der Maske kann als [so seltsam ich das jetzt auch finde] Furcht vor ihrem eigenen Mann gedeutet werden) - Romero bricht ironisch, wenngleich dies alles andere als subtil vermittelt wird. Meist ziemlich holzhammerhaft und steif. Sieht man von der andererseits auch ziemlich chiffrierten Symbolik ab. So werden Träume zur Wahrheit oder sind diese gar Visionen, Schreckensbilder der Zukunft?



Einen weiteren Vorteil - den sich Romero dadurch verschafft - wie später in »Martin«- ist aber auch, dass er seine Protagonistin den Interpretationen des Zuschauers überlasst, anders gesagt ambivalent zeichnet. So bleibt es unklar, ob diese nun eine wirkliche Hexe seie oder nur in ihrer eigenen Phantasie lebe (wer Romero und sein Schaffen kennt, weiß die pessimistischere Opposition einzunehmen), stets andeutungsvoll, nie bestätigend. Ganz so sonnig wie ich ihn vorzugsweise beschrieb, wobei ich auch schon Konträre hinterließ, ist er dann aber doch nicht. So hochinteressant dieser Romero auch in seiner gesamten Ambition sein mag, so spröde und plump ist er auch mit einem feministischen Männerbild und seiner handlungstechnischen Irrung, die irgendwie nur ein roter Faden ist, der irgendwie Realismus sein möchte, was irgendwie nicht funktioniert, sondern streckenweise belanglos anmutet. Aber wollen wir halten, den kennt eh keiner, der brauch nicht noch zerissen zu werden! Die Leute sollen sehen! Die Menschheit muss über Romeros gefülltes Schaffen aufgeklärt werden und es ihnen angepriesen (wenn auch nicht durchweg) werden! Zumindest eines lasst mich sagen: Die anfängliche Traumsequenz bleibt unvergessen, obgleich sie nur kopiert ist. Doch wofür gibt es Fans? Die vergeben und vergessen. Der hat dann ja doch seine Vorzüge. Und zum Glück zähle ich mich zu ihnen - also seitens Romero.





5.5 / 10

Autor: Hoffman

Dienstag, 18. September 2012

Wenn Politik und Militär versagen - Klassiker der Extraklasse: George A. Romeros "The Crazies"



Es gibt sie doch immer wieder, diese auf den ersten Blick, kleinen, unbeachteten Filme. Meistens erscheinen sie genau zwischen zwei Filmen, mit denen der Regisseur weitaus mehr Aufsehen erregcht, als mit dem vernachlässigten Film in der Mitte. Bei Stanley Kubrick wäre das "Barry Lyndon", der zwischen "Uhrwerk Orange" und "The Shining" erschien, aber im Vergleich zu diesen zwei Filmen oftmals vergessen wird, obwohl er das nicht verdient hat. Ein ähnlicher Fall wäre auch Quentin Tarantinos "Jackie Brown", der zwischen seinem Opus magnum "Pulp Fiction" und den kommerziell sehr erfolgreichen "Kill Bill" Filmen erschien und oft als schlechtester Tarantino angesehen wird, wobei ich das in keinster Weise nachvollziehen kann. Doch genug abgeschweift. Auch unser guter alter Zombiemeister George A. Romero hat so einen Film. Und zwar nicht nur einen Film, sondern gleich mehrere, sie erschienen alle zwischen seinem Regiedebüt und wegweisenden Klassiker "Night of the Living Dead" und dem Film, der für viele heute der ultimative Zombiefilm ist: "Dawn of the Dead". Ich habe mir von diesen Filmen einen ganz speziellen herausgesucht: "The Crazies" aus dem Jahre 1973. Dass ich mir gerade diesen Film herausgesucht habe liegt daran, dass es nun mal der einzige ist, den ich von diesen Filmen kenne, und da ich finde, dass dieser Film schon teilweise etwas in Vergessenheit geraten ist, obwohl er eigentlich auch eine ganze Sorte von Filmen inspiriert hat.






Romero widmet sich in "The Crazies" dem Szenario, dass durch einen Flugzeugabsturz des Militärs ein biochemischer Kampfstoff freigesetzt wird, der viele Einwohner einer kleineren Stadt, nahe der Unglücksstelle, entweder sofort tötet, oder sie zu wahnsinnigen Psychopathen, Crazies, macht. Die Regierung und das Militär sind von den Ereignissen überrumpelt und wissen nicht wirklich, wie sie mit der Situation umgehen sollen. Wer ist infiziert und wer ist es nicht? Die Regierung scheint mit der Aufgabe, wieder Ordnung herzustellen, völlig überfordert zu sein und setzt daraufhin den ganzen Ort unter Quarantäne. Dazu werden ganze Scharen von in Schutzanzügen verpackten und mit Gasmasken versehenen Soldaten in den Ort geschickt. Jedoch sind ja nicht alle Einwohner infiziert und eine kleine Gruppe versucht sich den Weg durch das Chaos, raus aus Evans City, zu bahnen. Dabei geraten sie unweigerlich zwischen die Fronten, da sich die Crazies von den Soldaten nichts befehlen lassen wollen. In Evans City herrscht fast schon Kriegszustand. Romero greift hier sehr direkt die Regierung und das Militär an. Er zeigt die Soldaten als anonymisierte Masse, die wahllos auf die Bewohner von Evans City schießt. Sie stehen symbolhaft für eine skrupellose Regierung, die lieber massenweise Bürger, also Menschen, opfert, als dass sie sich eingesteht, die Situation nicht im Griff zu haben. Wenn man das im Kontext des damaligen Zeitgeschehens sieht, müssen sich viele Zuschauer in dem Film bestätigt gefühlt haben. Gerade im Bezug auf die 68er Generation und die Demonstrationen gegen den Vietnamkrieg, bei der die US-Regierung auch teilweise mit aller Härte gegen die Demonstranten vorging. Genau wie bei den Demonstranten geht die Regierung auch bei "The Crazies" nicht auf die Wünsche der betroffenen ein, es geht nur darum, möglichst heil aus der Angelegenheit herauszukommen - egal ob eine ganze Stadt darunter leiden muss.





Man könnte jetzt sagen, dass "The Crazies" ein sehr untypischer Romero ist. In gewisser Weise ist er das auch. Er ist ziemlich actionlastig und er ist sehr direkt in seiner Gesellschaftskritik. Manche würden auch sagen, dass dem Film die Zombies fehlen. Aber das sehe ich anders, die Crazies sind für mich sowas wie ein Ersatzzombie, da sie schon sehr hohe Ähnlichkeiten aufweisen. Sowohl Crazies und Zombies - zumindest der Zombie aus "Dawn of the Dead" - sind durch den Absturz von Etwas auf die Erde entstanden. Beide folgen nur noch simplen Trieben und ihre Verhaltensweise ist erschreckend vorhersehbar. Also, auf Zombies konnte der gute George dann doch nicht ganz verzichten. Das alles klingt jetzt so, als wäre "The Crazies" ein ganz großer Film. Das ist er dann leider auch nicht, da er schon einige Schwächen offenbart. Zum einen kommen Horror und/oder Terror viel zu kurz, bzw gar nicht, vor. Der Film geht wirklich mehr in die Richtung Actionthriller, was ja grundsätzlich nicht schlecht, aber halt ein wenig untypisch für Romero ist. Oder um es kurz zu sagen: Der Horror-Romero ist mir dann doch lieber. Jedoch bleibt noch zu sagen, dass "The Crazies" nach wie vor eine knallharte Auseinandersetzung mit dem Thema des Versagens einer Regierung und des Militärs während eines Ausnahmezustands ist. Auch ist der Film einer der großen Wegbereiter für andere "Virenfilme" wie "Outbreak" oder "28 Days later" und wenn man all das in Betracht zieht, dann ist "The Crazies" zwar trotzdem nicht Romeros Meisterstück - er sagte selbst, dass er im nachhinein gar nicht zufrieden mit dem Film war - aber nichtsdestotrotz ein guter Film, der zwar etwas angestaubt daher kommt, aber in seiner Kritik an einer skrupellosen Regierung auch noch heute eine gewisse Brisanz hat und allemal sehenswert ist.



7,0 / 10

Autor: MacReady

Dienstag, 21. August 2012

Romero und die Repression seines heranwachsenden Nosferatu - Klassiker der Extraklasse: Martin



»Things only seem to be magic. There is no real magic. There's no real magic ever.« - Häufig oder naja an sich überhaupt assoziert man den Namen des Regisseurs George A. Romero eigentlich nur mit seinen legendären Zombies von »Night« bis zu »Survival of the Dead«. Das mag berechtigt sein, da diese nun mal Romeros größtenteils bekannteste Werke widerspiegeln und Romero ja allzu vernarrt seine Liebe zu diesen Ungetümern repräsentiert. Jedoch unterschätzt wie reduziert man Romero auch gleichzeitig damit. Denn so fest Romero auch im Zombiefilm verankert ist, so entpuppen sich auch - bei etwaiger Entdeckung - andere seiner (Früh)-Werke als besondere Perlen des Horrorgenres, auch bei »Martin« aus dem Jahre 1977 - so dem letzten Film seitens Romero vor Opus magnum »Dawn of the Dead« - bewies Romero wieder seine geschichte Viruosität in Hinsicht des Genres. Sogar ganz ohne Zombie, dafür mit jungem Vampir, dessen Mystik Romero selbstredend direkt wieder unter die Lupe nahm und insofern auch dieses Subgenre neudefinierte. Dem Mann macht das scheinbar Spaß.



Obgleich sich Romero dabei gar nicht allzu sehr von dem symbolischen Prinzip »seines« Zombies entfernt. Romero übertragt das Motiv des Außenseiters - welches er bekanntlich schon in »Night« einsetzte - insofern nun auf den Vampir, passend natürlich. Ein innerlich zerissener Junge, der seinen Platz in der Gesellschaft sucht - das ist Romeros Martin. Der Comig of Age im Horrorfilm - ich vermute erstmals bei Romero zu finden. Und selbst heute findet dieses definierte Motiv noch Einklang in Genre - Paradebeispiel: Tomas Alfredsons Romanverfilmung »So finster die Nacht« aus dem Jahre 2008.

So verbindet Romero aber auch eine mystische Legendenbildung und das ist die Differenz bei Romero, wie auch bei seinen Zombies weckt bei Romero der Mensch und die Fassade dahinter mehr das Interesse als der Grusel, anders als man es bei den alten Hammerstudios tat, um ein Beispiel zu nennen, er entmystifiziert sozusagen seinen Vampir, es prägt diesen keine Abnormalität, nur die Qual seiner Seele und die Peinigung seines Umfeldes, weder Übernatürlichkeit noch die typische Attribution eines Vampires. Romero wagt einiges an Experimentierfreude. Transferiert den Stoff faszinierend in die Moderne und weiß doch respektvoll die Vorbilder zu referieren und Reminiszenz zu erweisen, in Schwarzweiß-Bildern, die wiederum für den Zuschauer eine Vielzahl an Interpretationen beherbergen. Als Rückblenden. Als die Vergangenheits Martins? Als Nächte der Erinnerung also.

Romero lässt spekulieren und lässt so manches im Dunkeln. Amerken sollte man dabei aber auch, dass Romeros Film mit der thematischen Annäherung des Coming-of-Age für mich dadurch aber auch wie ein Gegenentwurf zu Brian De Palmas King-Verfilmung »Carrie« (1976) wirkte, wobei es hierbei wiederum das männliche Individum, das mit den Problemen seines Umfeldes zu kämpfen hat. Zeitlich passend als filmischer Nachzügler der sexuellen Revolution, die spätestens mit David Cronenberg und seinen »Shivers« (1975) sich einer großen Beliebtheit erfreute.



Und Romero liebte ja schon immer seine Metaphern. Die Figur des Martin selbst zeichnet Romero ambivalent und fragt, ist er nun ein Vampir oder nicht? Nur Psychopath? Ein Unzurechnungsfähiger? Ein Fantast? Es lässt sich nur spekulieren. Andererseits greift er anderswo auch in Hinsicht des Charakters Motive von De Palmas »Carrie« auf des zurückgezogenen und schüchternden Jungen (glaubwürdig-bedrückt: John Amplas), der nichtdestotrotz unter der Repression seines Umfeldes leidet. Auch insofern scheint Romero das Prinzip von De Palma aufzugreifen, in dem er religiösen Fanatismus, bei De Palma durch die Mutter symbolisiert, attackiert. In diesem Fall mit drastsisch älteren Cousin, der Martin als »Nosferatu« verteufelt. Sogar Friedkin findet mit seiner Gesellschaftsanalyse »Der Exorzist« Erwähnung.

Zwischendrin wird mit der Vorstadtidylle abgerechnet, obgleich Romeros Gesellschafskritik einfach konzipiert ist, aber doch effektvoll. So bekämpft hierbei die Gesellschaft den Außenseiter, statt ihn zu unterstützen oder ihn überhaupt versuchen zu integrieren, man hält an dem reaktionären Bild des Glaubens fest und das führt zum tragischen Scheitern und zur Eskalation. Wieder einmal definiert Romero die Genrekonventionen. Überraschend subtil dabei aber sein Einfühlungsvermögen in den Charakter des unscheinbaren Martin, Romero beansprucht den Zuschauer. Erzählt gediegen, minimalisiert von Beginn an das Tempo. Langsam schreitet sein Film. Sogar äußerst langsam. Jedoch ist dies in erster Linie keinesfalls kritisch zu sehen, denn so erzeugt er eine gewisse Initimität und Bindung zu seinen Protagonisten. So agiert auch die Kamera mit zurückhaltenden Blick. Nüchtern. Aber meist so auch unspektuakulär.

Doch die Eskalation folgt. Keine Scheu. Manchmal auch etwas melancholisch, wie man es nur aus Romeros Spätwerken (»Survival of the Dead«) kennt und zusammengefasst sehr detailverliebt, auch mit seinen präzisen Metaphern. Natürlich spielt Romero auch hier wieder mit so manchem Klischee und betont oftmals neben der Tragik des Protagonisten, die ironische Seite seines Film. Ganz ohne Ironie, oftmals bittere, kommt er eben doch nicht aus, ob Martin gerade die Frau als eines seiner »Blutopfer« auserkort, die wiederum ihren Mann mit einem anderen betrügt - und Martin selbst die Überraschung erlebt. Ein spottender Radiomoderator ist, dem Martin seine tiefen Wünsche getarnt als »Count« enthüllt oder Romero selbst als Pater - mit persönlichen Bezug zur eigenen Vergangenheit, er besuchte eine katholische Schule. Und mag es nur ein Hirngespinst meiner Gedanken sein oder synonymisiert Romero etwa seinen damaligen Heimatsort Pittsburgh, Pennsylvania als Transsilvanien Amerikas? Spekulation.



Dabei beginnt Romero anfangs noch so unvermittelt. Es will Blut gesaugt werden. Es erinnert an Hitchcock und dessen Idee des »Fremden im Zug«. Die klinisch gesäuberte Spritze wird präpariert. Und letzte Interaktion des Opfers findet statt. So ist für Romero der Mord und Liebesakt gleichauf bei Martin ein weiterer Versuch der Integration durch Liebe in die Gesellschaft vorzudringen, er kompensiert damit die Furcht vor den eigenen Gefühlen. Es ist für ihn letztlich nichts anderes als eine Identitätssuche, die stets von der Sehnsucht begleitet wird wie auch seiner aufkeimenden sexuellen Begierde, die er nicht kontrollieren kann und so sucht er die Nähe seiner Opfer, kein Verführer wie das Genreklischee spricht. Sondern eine geplage Seele. Verzerrter Klang und Ton nehmen dazu passende Gestalt an. »It´s the Kiss of Death«. Urplötzlich wieder aus dem Nichts. Wie aus dem Schlaf gerissen. Genauso schlagartig die bitteren Töne des Abschluss. Eine zutiefst zynische und tragische Pointe. Irgendwie musste man ja gekonnten Anschluss finden an die Originale, während in den letzten Minuten Schillers »Ode an die Freude« durch das Szenario tönt. Fast schon wieder spirituell.



8.0 / 10

Autor: Hoffman



Dienstag, 31. Juli 2012

Ein melancholisch-vergnügter Zombieritt des Altmeisters Romero - Kritik: Survival of the Dead



»Survival isn´t just for the Living.« - George A. Romero scheint mir als Regisseur immer aufgeschlossen zu sein sich stets neu im Zombiegenre zu erfinden und auch stets seinen Zombie zu definieren, ob dies nun als Steigerung wie im Falle seiner »Living Dead«-Quadrologie (ja zu der ich auch »Land of the Dead« zähle) oder kleinen Gefilden seines favorisierten Untoten. Mit »Survival of the Dead« begibt sich Romero nun bereits zum sechsten (und bisher letzten) Male im Jahre 2009 auf die Spuren der Gesellschaftsanalyse und des schönen Stück verwester Überreste - und immer noch so frisch und offenherzig wie beim ersten Mal, obgleich sein »Survival« hierbei mit dem Vorgänger »Diary of the Dead« einem eigenen Filmuniversum zu zuordnen wäre. Insofern ließe sich dieser Romero als Spin-Off seines Vorläufers sehen, in dem er eine von dessen Nebencharakteren (Romero hilft weiter: Ein sagenhafter Auftritt von 30 Sekunden) seine eigene Geschichte spendiert und nobel den Bezug nimmt auf »Diary« und zuletzt auch beweist, dass ihm selbst ein Genrewechsel gelingen mag - den sich Romero schon immer wünschte - in Form eines Western.



Mit einer erneuten Definition des Zombies im schussbereiten Colt. Dies bezüglich lässt sich wohl auch Romeros Intention am Projekt deuten. Insofern mutet »Survival of the Dead« als zombische Western-Hommage an sowohl mit rauchenden Colts, flüchenden Pferden als auch mit bekannten Motiven eines solchen Genres. Zudem setzt die Kamera auf flächige Weitwinkelaufnahmen während auch Romero seine Dramaturgie eines Western gar nicht so unähnlich ist. Und Shoot-Outs verzieren Romeros Film wie goldenglänzende Äpfel.

Romeros hintergründige und zugleich gewitzte Intention -»Der Western ist nicht tot!«  - Er ist untot! Doch bleibt dies sichtlich nicht Romeros einzige Motivation, denn wo er noch bei seinen Anfängen eine bestimmte Regierung und dessen Gesellschaft analysierte, scheint hier Romeros Ambition an universellen Beleuchtung des Themas zu sein, was daraus profitiert ist seine Betrachtung zwei verfeindeter politischer Systeme (auch als symbolischer Urkampf Republikaner gegen Demokraten), obgleich es Romero dabei unterlässt in irgendeiner Form eine Partei der Beiden vorzuziehen.

Dieses Szenario reflektiert Romero wiederum auf seit Urzeiten verfeindete Clans - klassisch mit Legendenstatus und doch weiß niemand woher dieser Verfeindung rührt? - Romero richtet dabei seinen Fokus auf den Verlust der Kommunikation und der Banalisierung der Situation. Krieg, statt einem Wort (und doch schon Carl Theodor Dreyer definierte die Achtung vor diesem) zu wechseln.

Dadurch enthüllt sich schnell, dass Romeros Fokus hierbei erneut auf dem Menschen selbst liegt. Der Zombie wird dienlich als Hintergrundfigur und um auf eines neues Romeros Gesellschaftskritik zu äußern, welche er wohl dosiert einsetzt, in dem er sowohl die Klassengesellschaft kritisiert als auch einen geschichtlichen Kontext zur amerikanischen Geschichte zieht in Hinsicht der Sklaverei. Selbstredend metaphorisch und stets blutigen Augenzwinkern. Georges politisches Interesse wie auch den Konflikten des Menschen ist geweckt.

Der eine sieht die Gefahr im Zombie, der andere den Nutzen. Denn was wäre wenn man sie schulen könnte? Sie versklaven könnte? Sie symbolisch zu Nutztieren machen könnte? Sie manipulieren könnte und somit lehren könnte das Fleisch der anderen zu verzehren - nicht unerheblich vielleicht für Romeros folgende Werke - Romero kommentiert oftmals zynisch darauf - denn der eine mag den Nutzen sehen, kann sich demnach aber auch nicht von seinem Materialismus befreien und so nicht der Zukunft entgegen blicken - während der andere sich auf Kompromisse einstellt, aber der wiederum einzig von der Gier getrieben wird. Weder gut noch böse - keiner von beiden. Es sei Romero - mal wieder - gedankt, dass er eine eindeutige Zeichnung bei all seinen Charakteren unterlässt und zur liebevollen Ambivalenz greift. Zwiespältig - beobachtet er jeden von ihnen.





Es ist wieder eine erneut Demontage verschiedener Blickwinkel des amerikanischen Traums. innovative Ideen seitens Romero zur Definition des Menschen wie Zombies. Aber auch altbekanntes findet Einzug wie Romeros mittlerweile fortschreitendes Motiv der Gruppierung, die sich mit der Veränderungen der Welt auseinandersetzten muss und auf eigene Füßen gestemmt ist - Regierung und Gesellschaft scheinen nicht mehr existent in Romeros Szenario - mit Bezug zum eigenen Schaffen, Romeros Selbstironie in Hinsicht der Emanzipierung ist köstlich. Hierbei (mit »Day«-Referenz) mit einer stereotypischen Gruppe von Soldaten, samt charmant-zynischen Sergeant (charismatischer Hugh-Jackman-Ersatz: Alan Van Sprang), die sich zwischen den Fronten sehen.

Trotz allem wirkt Romeros Regie so frisch und voller Elan wie sonst auch. Es mag vielleicht ein Trugschluss sein, doch wie ich das anhand von Ausschnitten bewerten kann ist »Survival of the Dead« somit auch ein Gegenstück zu »Diary«, wobei hierbei Romero stets besonders auf schwarzhumorige Sequenzen und trockenem Humor setzt, aber genauso mit ironischen - zumeist sogar selbstironischen! - Brechungen kontert und mit vielseitigen Referenzen auf seine eigenen Filme. Oftmals das Genre durchzitiert und liebevoll dem Zombie genährt - Bissig - also im ambivalenten Sinne.

»Romero just wanna have fun«. Dies wird von Romero auch markant präsentiert von der Figur des undurchsichtigen O´Flynn (herrlich: Kenneth Welsh), einer der beiden Ignoranten, die nicht Einsicht gewähren wollen in ihrem Zwist. Romero betreibt wieder ein cleveres Spiel mit den Klischees und verzichtet nicht auf popkulturelle Phänomene und Anspielungen, sichtlich in der Rolle des prävisionären Jungen »Boy« (Romero mag es einfach; passend: Devon Bostick), um dies wiederum ironisch zu kommentieren. - Romero, der alte Schelm. Immer dem zeitlichen Trend entgegen.



Kurzweilig. Obgleich natürlich dieser nicht unbedingt in jeder Hinsicht lupenrein sein möge, ein paar kontinuierliche Schwächen in der Dramaturgie und manch künstliches Stilmittel, die Romero aber doch weiß zu überdecken und ich bitte zu bedenken, trotz allem ist es Romero zugleich zu verdanken, dass sein Film insofern nicht überambitioniert wirkt. Schnell erläutert, also wird argumentiert, dass dies ein kleinerer Film seinerseits ist. Ja, mit Schwächen. Der des weiteren auch in Bezug als Abwechslung zu seinem Werken dienen soll. Man könnte sagen, dass somit »Survival of the Dead« als Fanfilm aufzufassen wäre - nicht umsonst referiert er vielseitig die Splattermomente, obgleich er dabei das Motiv der Sehnsucht im Ausdruckt sucht. Romero - als ewiger Humanist. Als ewiger Kämpfer gegen alle Konventionen. Mit der eigenen Nase stets vorraus. Ein Mann zum Verlieben, der die eigene Alternative sucht. Das Schlussbild schließlich, das einer klangvollen Melancholie - Fassbinder wäre erfreut gewesen.



7.0 / 10

Autor: Hoffman

Mittwoch, 20. Juni 2012

Spezial-Ausgabe: Die filmische Zombie-Autopsie


Romeros Anfänge und der Beginn des modernen Zombiefilms. Frankenstein-Motiv aus »Night of the Living Dead« 


Achtung: Ich bitte zunächst zu beachten, dass dieser Text sich weder auf Faktentreue noch auf sonstige, erwiesene Theorien stützt, sondern einfach nur der Fantasie seines gestörten Autors entsprungen ist. Mich bewegte nun schon lange eine Frage. Die Frage, die mein Leben für immer hätte verändern können: Was ist eigentlich mein Lieblingsungetüm im Horrorgenre? Ich glaube, nun kann ich diese Frage mit einem Stück beantworten. Mit einem Stück untoter Überreste, dem Zombie. Ja der Zombie hat schon eine lange, lange und noch längere Geschichte hinter sich, auch wenn im heutigen Bestreben er das modernste Monster von allen ist, naja nicht ganz. Und zunächst begann alles mit Voodoo und dem willenlosen Auferstandenen aus dem Reich der Toten, gezwungen seinem Meister zu folgen, dies nahmen Regisseure wie Jacques Torneur gerade zu wörtlich und verinnerlichten diese Philosophie in Filmen wie »I walked with a Zombie« (1942) oder im expressionistischen Sinne noch weitaus früher in »Das Cabinett des Dr. Caligari« (1920), wobei dieser die Gestalt des Zombies nur andeutete.

Night of the Living Dead (1968)

Dawn of the Dead (1978)
Und noch ein Zombie. Mit tiefer Tragik im melancholischen Blicke zurückblickend  an die alte Zeit als Lebender. Zutiefst bedrückend.


Romero beweist grotesken Humor bei »Dawn«

Zombi 2 - Schreckensinsel der Zombies (1979)



Doch im Gleichnis des heutigen Zombies, waren diese nie. Bis er kam! Wer? George A. Romero! Der Heilige! Der Mann mit den fragwürdigen Visionen. Der definierte diesen auf Anhieb völlig neu, mit »Night of the Living Dead«, dieser Schelm! Weg von Voodoo und Sektenkult. Hin zur Gesellschaft, der Romero wird einfach symbolisch und stellt den Zombie nicht nur als blutrünstige Bestie (wie derzeit häufig) erstmals dar, sondern auch als Reflexion der Minderheiten der Gesellschaft, die es zu meiden galt und welche sich Schlag auf Schlag vermehren. Ohne Rückhalt. Der Zombie der Moderne war geboren. In Spanien setzte man währenddessen sich mit reitenden, schwimmenden und gewünscht hatte ich mir ehrlich gesagt auch immer fliegende Leichen auseinander, aus letzterem wurde nichts. Und Romero hörte nicht auf. Keineswegs. Der definierte konsequent weiter, in »Dawn of the Dead«. In welchem er dem Zombie sogar eine feine ausgeklügelte, ironische Seite gab, aber dennoch klar erläuterte: Dieses Ding ist nicht zum Spielen da, das beißt. Wobei dieser auch den Maß prägenden deutschen Titel »Zombie« bekam. Und damit brach mit diesem Werk letztlich eine regelrechte Epidemie von Zombie-Filmen aus, die sich aber auch schon nach »The Night of the Living Dead« in gewisser Form zeigte. The Style is it. Und den hatte der Zombie, wie ein Feuerregen produzierte man jene Filmgattung und ja das brachte selbst Lucio Fulci auf große Ideen (Exemplar:»Zombi 2«) , der zwar wiederum teils auch zum Ursprung des »klassischen Zombies« zurückkehrte, aber immer eins klarstellte: Zombies sind bösartige, zugleich blutrünstige Bestien, die kein Erbarmen kennen, ob sie am Glockenseil hingen oder ein Haus an der Friedhofsmauer stürmten, darauf reagierten die netten Mensch von der Jugendschutzbehörde gar nicht so freundlich. Während Romero seinen Kreis um den Zombie schloss in Hinsicht seiner »Living Dead«-Trilogie mit dem Film »Day of the Dead«, in dem uns Romero eine pessimistische Sicht der Zukunft vor Augen führte. Erneut definierte er und dieses Mal zeigte er uns auch die tragische, die menschliche Seite des Zombies, zeigte er ist lernfähig, wobei somit Romero erstmals wirklich etwaige Parallelen zwischen seinem Zombie und Mary Shelleys Frankenstein aufzeichnete, doch dies ist spekulativ. So betrachtet wandelte im selben Jahr (1985) die Frankenstein-Neuinspiration »Re-Animator« auf diesem Pfade, es darf also fleißig interpretiert werden. Doch wurde es nach Romeros Abschluss der Trilogie über viele Jahre qualitativ still um den Zombie, meines Erachtens. Wes Craven berief sich mit seiner »Schlange im Regenbogen« (1987) auf die Wurzeln des Zombies, mit netter Beilage des Voodoookkultes, zudem stapelten sich derweil die Fortsetzungen erfolgreicher Reihen und zumindest die deutschen Titelverleiher schienen in der Hinsicht vollkommen durchzudrehen, im Angesicht der Lage. Das heißt es gab sicherlich unzählige B-Movies, obgleich sich die meisten davon irgendwo zwischen Abklatsch und Parodie ansiedeln ließen und das Subgenre des Zombiefilms war demnach auch schwerer im Plenum zu deuten, ob bei der filmischen Granate »Braindead« oder kleinen Meisterstücken wie »Dellamorte Dellamore«, schwierig zu distanzieren. Es seie jedem selbst überlassen.

Day of the Dead (1985)


Land of the Dead (2005)


Die Tragik des Todes - The Walking Dead (2010)

Auch in Serien wird Gott Romero zitiert und genauso perfide gehuldigt


Im neuen Jahrtausend angekommen zeigte sich der Zombie dieses Mal von einer völlig neuen Seite und insofern stellte Regisseur Danny Boyle den Modus auf eine entwachsene Fassung des Zombies, dem Infizierten, mit »28 Days Later«. Bei der sich Boyle neben einem realistisch angelegten Schauplatz, eine neue Definition des bekannten Filmmonsters schuf, auch wenn sich trotz Infektion dieser Virus wahrscheinlich nicht allzu sehr durchsetzte, wie Romeros Definition, dies minderte weder den Erfolg noch die Tatsache einer Fortsetzung (28 Weeks Later). Einen Boom löste hingegen wieder das Remake des Romero Klassikers »Dawn of the Dead« (2004) von Zack Synder aus, der Anbeginn einer Welle von Remakes, Sequels und weiteren Worten, von denen ich nicht weiß was sie bedeuten. - Romero fand den Snyder gar nicht so rossig, dass Zombies rennen - Endlose Produktionen, unter denen auch Romero sich erneut die Ehre gab seine Zombies ins Licht zu führen. Zugleich setzte Edgar Wright mit "Shaun of the Dead" aber auch einen durchaus bedeutenden Eckpfeiler (ich liebe das Wort: Subjektiv) der Zombieparodie, gleichzusetzten mit Hommage an die Filme Romeros. - Romero dankte sichtlich. Zusätzlich scheint man faszinierenderweise den Zombie immer weiter in abstruse Gefilde zu führen, das gehe von nationalsozialistischen Auferstandenen bis zu strippenden Zombies, derweil freue ich mich auf die kommunistischen Zombies. Aber auch Serien (nach Comicvorlage) folgen dem Trend des neuen Zombies und wissen durch vielerlei Referenzen und Versatzstücke aus der Vergangenheit zu verzücken, hier im Falle von »The Walking Dead« , die den Zombie zwischen moderne und Romeros Interpretation anlegt (Bezeichnung: Walker), jedoch immer noch ein innerlich zerrissenes und tragisches Monster, es wird viel zitiert und ehrwürdig gedankt. Ja, der Zombie mag eine äußerst lange Geschichte hinter sich haben und wer jetzt noch denkt dies hier wäre alles gewesen, dem möge gesagt sein: Dies war erst die Kurzfassung, oberflächlich, plakativ und sinnentleerend von mir, allein die äußere Gestaltung und die Veränderung im zeitlichen Kontext bringe insofern genug Platz für weitere Autopsien, doch belassen wir es hierbei und das Leben geht weiter, das beweist dieses Stück verfaulte Kadaver. Es beginnt wie es endet...mit dem Zombie.


Autor: Hoffman

Samstag, 9. Juni 2012

Ländliche Zombie-Leckereien des Puppenspielers Romero - Kritik: Land of the Dead



»They´re trying to be us.« - »No, they used to be us. Learning how to be us again.« - Eigentlich hatte ich hierbei eher den Beginn oder den Neuanfang einer neuen Zombie-Trilogie oder gar Reihe von George A. Romero erwartet. Ohne jedes Vorwissen hätte man darauf gut schließen können immerhin bilden oberflächlich gesehen »Land of the Dead«, »Diary of the Dead« und »Survival of the Dead« die modernen drei Filme von Romero, die sich mit seiner favorisierten Thematik beschäftigten, dem Zombie. An sich klang es plausibel, Romero kehrt nach längerer Abstinenz aus den Schatten zurück und kreiert 20 Jahre danach (nach »Day«) ein völlig neues Projekt unter dem Mantel des Zombies, doch ähnelt für mich "Land of the Dead" aus dem Jahre 2005 eher einem großen Abschluss der regulären »Living Dead«-Reihe, auch wenn Romero dies als eigenständiges Projekt ansah, so sind die Parallelen und die Steigerung der Definition des Zombies nicht zu missachten oder gar zu verstecken.



Dabei beginnt Romero (wie schon in seinen Vorteilen) da wo er bereits vor 20 Jahren von der Definition aufhörte und entwickelt seine Fährte des Zombies konsequent weiter, nachdem er in »Day of the Dead« (85´) betonte, dass auch der Zombie lernfähig ist und dem Menschen doch letztlich gar nicht allzu ungleich. Anfänglich erläutert Romero nochmal die bisherigen Vorläufe, bevor er dann im geschickt inszenierten wie stimmungsvollen Einstieg zunächst einmal althergebracht referiert und sich selbst zitiert, wodurch er seinem Werk aber gleich von Anbeginn einen typischen Romero-Charme gibt, welcher in den ersten Momenten schon an »Night of the Living Dead« entsinnen lässt und einen Freund der Reihe wie mich sofort in seinen Bann riss. Schnell wird festgelegt, wohin und wie sein Ruder steuert - hierbei vereint er im dualistischen Sinne einen ironischen Unterton wie satirische Anleihen mit einer düsteren Zukunftsvision - so gekonnt wie damals schon. Romero hat insofern wohl wenig von seiner Energie verloren und neben seinen traditionellen und klassischen Formen, ergänzt er dabei auch eine überraschend erfrischende Erzählweise. Romero scheint verstanden zu haben, dass stets auf die Sehgewohnheiten des Zuschauers immer wieder aufs neue eingegangen werden muss, um das Publikum für sich zu gewinnen, sodass in aller erste Linie "Land of the Dead" wesentlich temporeicher und rasanter inszeniert scheint von Romero, wobei er dabei nie seinen Bezug zu seinen alten Formen verliert - ein Kunststück, was heutzutage nur noch wenigen Regisseuren gelingt dabei nicht ihre eigenen Wurzeln zu verraten. So versteht es Romero natürlich auch wieder die Entwicklung seines Zombies komplexe Züge verleihen und daran eine scharfe und ordentlich an geheizte Gesellschaftskritik anzubringen, was sich beim Zombie in Hinsicht der Evolution als Bildung einer Subkultur aufzeigt, sowohl mit Versatzstücken aus »Dawn of the Dead« als auch aus »Day of the Dead«, bezüglich der düsteren Dystopie, welchem Stil Romero hierbei erneut folgt und es so auch (intelligent) schafft die Vision einer verfallenen Gesellschaft aufzuzeigen, während der Zombie selbst nun dem Menschen immer näher tritt und beginnt zu erfassen und sich seine Waffen zu Nutze zu machen, wobei Romero nicht einmal in seiner absoluten Definition des Zombies vor einem metaphernreichen, historischen Kontext zurückschreckt, sodass etwaige Einfügungen in Hinsicht der französischen Revolution (als rationales Beispiel), kompakt verpackt mit den symbolischen Sturm auf die Bastille sicher nicht nur zufällig gewählt sind, sondern Romeros Konsum- wie Gesellschaftskritik im höchsten Maßen sprühen lassen.



Die Zombies bilden eine eigene Gemeinschaft, die sich organisiert. Ein weiterer Zerfall der Zivilisation. Eine Revolution, ein Aufstand der Zombies, die sich aufrichten gegen die Regierung, wobei selbst bei den Menschen ein gespaltenes System vorliegt, in der die Schere zwischen Armut und großen Reichtum immer weiter zu wachsen scheint. Über all dem thront Dennis Hopper als symbolischer, George W. Bush, als Herr der Stadt (fast mit Metropolis-Anleihe) Kaufman - korrupt, kühl, selbstgefällig, hinterhältig, subtil und vorzüglich verkörpert von Hopper, hierbei tritt besonders die Kritik an der Politik und die Konsumkritik in den Vordergrund, auch hier verweist Romero des öfteren auf »Dawn of the Dead«, obgleich er zu diesem gleichzeitig einen Gegenentwurf dazu kreiert. Anfangs jedenfalls, in dem er zunächst eine größere Gemeinschaft der Menschen beleuchtet, die er dann im Verlaufe zu einer Gruppierung entwickeln lässt. Wieder einmal bilden seine Charaktere so auch klischeehafte Abbilder der Gesellschaft - selbst nach Jahren schafft er es selbst die Frau (Resolut: Asia Argento - eine kleine Würdigung vor Freund und Helfer Dario) zu emanzipieren, wenngleich auch im modernen Stil - das Gruppenmotiv jedoch altbekannt und vertraut: Die Sicherheit des Überlebens, wodurch sich menschliche Zwischenkonflikte miteinbinden. Innovativ auch die Figuren zwischen Verantwortung, Treue, Paranoia und der Existenzangst und dem inneren Kampf des Verlustes, ob dies für Identifikationspotenzial reicht, dies seie jedem selbst überlassen. Es sind Protagonisten, die die Veränderung der Welt miterlebt haben und in dieser versuchen zu (über)leben, so der Meister selbst. Im Widerspruch dabei stehen die beiden Figuren des idealistischen Einzelgängers Riley (Underdog, souverän: Simon Baker) und des eigenwilligen Cholo (rebellisch: John Leguizamo), die beide unterschiedliche Ideologien der Veränderung vertreten um zu Überleben und sich ihre gemeinsamen Schicksale teilen. Romero weiß was er will. Andererseits ist es hingegen auch ein schmaler Grat, den er beschreitet, zwischen schwarzhumoriger Satire und düster wie finsterer Zukunftsvision, in welchem er sowohl eine fülle an Motiven der alten »Living Dead«-Filme vereint, als auch modernere Stilmittel miteinbindet, George weiß sich anzupassen.



So wird zwar schneller hantiert und Rasanz abgefeuert, was somit Romero Freiraum einräumt um radikaler und blutiger zu Gange zu gehen, um die heutigen Sehgewohnheiten zu unterstützen. Aber genauso um seinen Zombie auch wieder ernsthaft blutrünstig zu zeigen, womit er immer noch beweist, dass er nicht umsonst als lebende Legende gilt und sein Film selbst auf völlig neuen Ebenen funktionieren mag, wenn auch kleine, kontinuerliche Schwächen im Nachhinein Einzug gewinnen könnten. Zudem zeichnet er insgesamt seinen Zombie (Absolute Bezeichnung: Walker) wesentlichen ambivalenter zwischen unterdrücktem Außenseiter (Sympathen) und Bestie, endgültig bricht er mit dieser Konvention. Zynisch wie auch ironisch zugleich wie Romero erneut mit all jenem abrechnet, natürlich bitterböse mit der Gesellschaft ohne dabei die Nähe zu seinem Publikum zu scheuen und frische Leichen serviert und sogar Humor beweist (Edgar Wright und Simon Pegg im cleveren Gast-Zombie-Auftritt), die Masken sowieso handwerklich sauber und sogar mit rabiat-zombigen Tom Savini im referierenden Gastrolle, Romero lässt nochmal auf »Dawn of the Dead« besinnen - eine Seltenheit! All jenes macht nun also Romeros "Land of the Dead" zu einem für mich überraschend gelungenen und geschätzten Teil der absoluten Gestaltung von seiner »Living Dead«-Reihe, mit welchen Meister George A. Romero nicht nur gekonnt an alte Zeiten anknüpft, sondern auch beweist wer immer noch der Herr und Puppenspieler der Zombies ist. Nämlich er.


8.0 / 10

Autor: Hoffman





Montag, 14. Mai 2012

Romeros finaler Zombie-Tango - Klassiker der Extraklasse: Zombie 2 (Das letzte Kapitel) - Day of the Dead




»...and now the darkest day of the horror the world has ever known.« - Es beginnt wie es endet und in diesem Fall ist es mit Zombies. Zunächst unkonventionell, doch abschließen möchte ich ganz im Sinne der Chronologie und wie es sich George A. Romero selbst dachte mit seiner »Living Dead«-Trilogie, mit der er wie mehrfach erwähnt anderswo den Zombie nach seiner Vision völlig neu definierte und so weiterhin auch bedeutende Werke der Filmkunst an sich schuf. Es begann mit »Night of the Living Dead«, es folgte »Dawn of the Dead« und knappe 7 Jahre danach mündete und schloss sich der Kreis mit diesem Film, »Day of the Dead« im Jahre 1985 . Dem großen Finale der offiziellen Trilogie seitens George A. Romero und auch hier weiß Romero genau, wie und inwiefern man den Zombie erneut eine innovative Präsenz verleiht. Dieser alte Fuchs, begeistert erneut und auch hier ist es doch zumindest fasziniert zu beobachten wie auch dieser Teil der Reihe seinen Einfluss zu späteren Werken der Filmgeschichte säte.



Und wieder, es beginnt wie es endet. Von »Dawn« zu»Day«. Hierbei: Mit einen flugtauglichen Hubschrauber. Doch angereichert mit völlig neuen Charakteren, wobei er hierbei seine Emanzipierung der Frau konsequent fortsetzt und so auch hier in Hinsicht der Figuren gewisse Parallelen zu seinen Vorgängern clever miteinarbeitet. Und selbst der Titel beinhaltet darin, neben der Fortführung, auch eine gewisse Ironie, da Romero den Großteil seines Films hierbei vollkommen von der Oberfläche und der erlösenden Sonne ausschließt und sein perfides Spiel in den unterirdischen Bunkern treibt, in welchen eine zusammengewürfelte Gruppe aus Wissenschaftlern und Militärsoldaten versucht zu überleben, wobei auch hier Romero keineswegs gesellschaftskritische Untertöne und eine Referenz zum kalten Krieg missen lässt. Doch schon zu Anfang stellt er deutlich dar, übrigens mit einem der besten Intros, die meiner subjektiven Meinung bekannt sein sollten, zudem perfekt und atmosphärisch in jener Sequenz absolut stimmig durchdacht, dass »Day of the Dead« einen doch variierten und neuen Pfad einschlägt, als sein Vorgänger. In Form einer Zukunftsvision, bebildert Romero den Untergang der menschlichen Zivilisation und schlägt einen pessimistischen Grundton an und man bemerkt schnell, es ist Pessimismus wie auch Zynismus in Reinkultur. Schon in den ersten Minuten wird dies bewusst. Demnach ist es aber Romeros Konsequenz geschuldet, dass er weit weniger auf ironische und gewitzt satirische Seitenhiebe und Elemente setzt, wie einst in »Dawn of the Dead«, als auf den düsteren und wie gesagt unheimlich pessimistischen Blick der Ereignisse, insofern ist auch die Atmosphäre brillant eingefangen im fast apokalyptisch-düsteren Schleier eingehüllt und allseits präsent von einer pessimistischen Aura umgeben, welches fast die Erwartungen eines Jeweiligen in eine bestimmte Richtung treibt: Das Ende.




Dieser Stilbruch mag zwar zunächst doch gewöhnungsbedürftig im Sinne der anderen Teile sein, doch ist auch auf seine Weise innovativ im Verfahren und jedenfalls für mich einnehmend präsentiert. Wobei Romero in Hinsicht der Erzeugung von Spannung auch zu seinen Wurzeln zurückkehrt und seinen eigenen Kosmos der Isolation erschuf, in Form des trüben und klaustrophobischen Bunkers. Romero führt seine Figuren in die Isolation, in die Enge und stellt erneut dar, der Mensch ist und bleibt die wahre Bestie seiner Selbst. Es machen sich Misstrauen, Angst und pure Hoffnungslosigkeit breit, verändert dies das Verhalten der Menschen? Er studiert das Miteinander zwischen den verschiedenen Parteien  und unterlässt (Gott sei dank) seine Charaktere dabei allzu eindeutig zu zeichnen, sondern gibt ihnen eine gewisse Ambivalenz, obgleich im Grunde keiner von ihnen wirklich als Identifikationsfläche dienlich ist. Immerhin auf seine resolute Frau, in Bezug der Forscherin Sarah, verzichtet er nicht. Und auch verzichtet er sowohl nicht auf clevere Anspielungen (»Salem´s Lot«) und vielleicht sogar seine Inspiration in Hinsicht seines Zombies (Mary Shelleys Frankenstein?) und gibt seinem wahnsinnigen Wissenschaftler gleichauf jenen Spitznamen, der selbst von Romero als Marionette genutzt wird wie des Wissenschaftlers Zombie "Bub", er erklärt wie definiert kurzum den Aufbau und die Struktur des Zombies. Was passiert? Aber doch ungeklärt bleibt wodurch. Wissenschaftlich halt und so zeigt Romero auch in seiner Ausführung eine präzisen Untersuchung des Zombies und schildert uns (ganz nach Mary Shelley) den Menschen im Monster und eine innere Tragik des Zombies, in dem er ihm doch eine menschliche Seite schenkt und doch bleibt der Zombie in dieser Hinsicht auch blutrünstig, zudem verfault, aber dennoch lernfähig. Obgleich dies Romero wiederum gekonnt nutzt um im kompromisslosen Finale die Ängste und die Furcht vollkommen zu entladen, den Zombie in der »Absolution« vorzustellen und gleichzeitig auch dies zynisch und mit bitterer Ironie zu kommentieren, sodass eine explizite Gewaltdarstellung keinesfalls vermieden wird. Typisch Romero, wie auch der hintergründige Abschluss, in welchem Romero erneut Ambivalenz in seiner Ausarbeitung beweist und uns/mich doch vor unsere eigene Interpretation der Ereignisse stellt. Fakt ist dies mag wohl Romeros pessimistischster Film sein, also lässt es sich zweifeln.



Nebenher nicht zu vergessen Tom Savinis brillantes Make-Up-Design, welches sich hierbei in Perfektion zeigt und wirklich beachtlich, welche Authentizität dadurch aufgebracht wird und inwiefern dieses Romeros Zombies doch eine menschliche Seite gibt. Insofern wird selbstredend auch hier George A. Romero seinem Schaffen mehr als würdig und auch erneut hier (wie bereits bei jenen Vorgängern) ist die Inspiration zu heutigen Produktionen doch beeindruckend zu betrachten, besonders bei »Day of the Dead« konnte ich dies erheblich feststellen. Eine meisterhafte und zynische Abrechnung mit der Gesellschaft wie auch eine zutiefst pessimistische Zukunftsvision. Und letztlich bleibt mir Romero nur noch zu danken. Zu danken für seine virtuose (offizielle) »Living Dead«-Trilogie und dafür, dass uns seinen Zombie definierte und schenkte. In dem Sinne: Danke, lieber George für dieses schöne Stück sterblicher Überreste.



8.5 / 10

Autor: Hoffman

Dienstag, 8. Mai 2012

Romeros wegweisender Eckpfeiler des Zombiefilms - Klassiker der Extraklasse: Die Nacht der lebenden Toten



»Barbara - They´re coming for you.« - Auch auf die Gefahr hin, dass dieses Verfahren nun von vielen als unkonventionell verschrien wird, obgleich ich das eigentlich positiv deuten würde, so forsche ich weiter im Zombiegenre. Nach so großen Erfolgen wie des wertvollen »Dawn of the Dead«, der den modernen Zombie weit verbreitete und viele Nachahmer darin fand. Gehen wir also nun noch einen Schritt zurück. Etwa ins Jahre 1968, aus dem folgender Film stammt. Doch zunächst heißt es wieder definieren, wir definieren: Den Zombie. Im klassischen Stile. Frei nach dem Duden ist jener als Toter zu bezeichnen, der meist durch spirituelle Kräfte zum Leben erweckt wird, das heißt durch etwa Magie, Zauber, so wie ähnlichen Hokuspokus und daraufhin als seelenloser Sklave seines Magiers oder Herrschers gilt. Vodoo allseits. Dies spiegelte sich auch bis dato in vielem Filmen ideal wieder, als Beispiel Jacques Touneurs »I walked with a Zombie«. Doch dann kam er, George A. Romero. Er definierte neu und setzte vollkommen neue Maßstäbe, die im heutigen Zombiemilieu kaum weg denkbar wären. Er definierte den Zombie auf eine völlig neue Art: Als einen von den Untoten auferstandenen, die dennoch hierbei noch die Formen des Menschen bewahren, ganz standardtypisch. Denen, die es nach Blut dürstet. Langsam, aber ohne Gnade. Ein völlig neuer Schrecken. Jeder kennt ihn, zumindest den Titel. Der Zombie der Neuzeit, ohne ihn gäbe es weder Boyle noch Fulci und ihre Variationen. also ihre Filme, damit wir uns nicht falsch verstehen. Und durch sein Debüt wurde George A. Romero die Legende des Zombiefilms und schon wären wir beim Thema: Night of the Living Dead.



In der Romero seine neue Gattung des Zombies auf den noch ahnungslosen Zuschauer loslässt. Er lässt die Zombies erstmal nach seinem Ermessen tanzen und zeigt sich als meisterhafter Marionettenspieler seiner Puppen. Welche Romero auch hier zunächst als symbolisches Mittel benutzt, um damit die Ausgeschlossenen und die Minderheitengruppen der Gesellschaft zu repräsentieren, die sich wie auf den Schlag einer Naturgewalt allzu plötzlich vermehren und die unterdrückte Angst der Menschen wächst. Wie ich Romero für seine Symbolik liebe! Wobei dieser Vorgang so auch gleichzeitig eine Parabel über Rassismus aufzeigt und die Seiten kritisch in Hinsicht der Diskriminierung seitens Außenständigen und Ausgestoßenen aufzeigt. Dabei beginnt Romero, dort wo im späteren Verlaufe der Filmgeschichte, so gut wie jeder Zombiefilm seinen Ausgangspunkt findet: Auf einem Friedhof. Mit Gräbern und Unheil. Es wird spöttisch verhöhnt und noch scheint die Welt ohne Probleme. Doch es beginnt abrupt und ohne Vorwarnung. Dazu zwei wunderbar überspitzte, spießig wirkende Hauptprotagonisten (zwei Geschwister - eines von ihnen Barbara), wobei Romero wie auch in späteren Filmen die Frau emanzipiert, was sich auch im besonderen im letzten Gefecht des Films aufzeigt, um von spöttischen Gelächter, dies mit gekonnt-gruseligen Unterton, zum erahnten Grauen greift und die Flucht beginnt. Zuflucht in einem einfachem Farmerhaus. Recht schlicht eingerichtet, dennoch mit allgegenwärtig notwendigen Gegenständen ausgestattet - schick. Viel gilt es hierbei zu erfassen, denn größtenteils wäre »Night of the Living Dead« so auch als Kammerspiel zu bezeichnen, in denen Romero besonders die Angst, Hilflosigkeit und Isolation seiner Protagonisten beschreibt. Im Äußeren, in der finsteren Nacht, diese uns fremden Wesen und der Mensch selbst innen drinnen gefangen wie auch ratlos. Die einzige Kommunikation, die Rat weiß: Radio und Fernsehen. Von dort wird gelernt und man beginnt zu verstehen. Es wird frisch definiert wie erklärt. Und ironischerweise zeigt Romero auf, dass der wahre Überlebenskampf nicht draußen - vor den Toren und bei den Zombies - tobt. Sondern im Inneren der Gesellschaft, welche Romero hierbei äußerst deutlich im zeitlichen Kontext reflektiert und so eine gewisse Dynamik zwischen den Charakteren aufzeigt. Welche an sich wiederum stereotypische wie auch klischeehafte Abbilder der Gesellschaft bilden, die Romero hierbei aber auch satirisch beleuchtet und so eine gewisse Selbstzerfleischung zwischen ihnen aufzeigt, in Form von Anfeindungen und Konflikten. Die Verzweiflung dieser Charaktere spürbar, aber auch dabei lässt Romero nicht von seiner hintergründig angelegten Rassismuskritik ab. Wobei Romero jenen Chancen einräumt, welche sich auf die menschlichen Instinkte besinnen und trotzdem mit bedacht agieren, obgleich Romero besonders in seiner letzten Konsequenz nochmal eine pure Gewalt an gesalzener Sozial-und Gesellschaftskritik beweist. Bitterböse. Wenn man letztlich selbst der Ausgeschlossene der Gesellschaft ist, durch sein Überleben. Auch wenn Romero auf bösartigste Weise, dass perfekte Familienbild bloß stellt und im Zuge des durchaus perfiden Untertons zerbrechen lässt. Romero halt. Und der Zusammenhalt derer förmlich im wörtlichen Sinne erstochen wird - mit etwaiger Referenz? Wer weiß. So erzeugt Romero eine sich immer weiter zuspitzende Spannung. Stilistisch dann mitsamt seinen Licht- und Schattenspielen besticht er, ganz im Stile des deutschen Expressionismus. Außerdem selbstredend absolut minimalistisch inszeniert, dennoch sehr präzise und in Hinsicht des wirklich geringen Budgets von erstaunlicher Nachwirkung, wobei Romeros Erzählstil auf mich noch leicht konventionell wirkte im Vergleich zu späteren Werken, dennoch die Brechung ist vorhanden und mich faszinierte dies - nächsten Schritt dieser Entwicklung tat er ja dann in »Dawn of the Dead«. Die Kamera liefert dokumentarische Bilder und erzeugt zugleich atmosphärischen Charme, welcher diese Isolation und Hilflosigkeit des weiteren exzellent erneut glaubwürdig abzeichnet, unheimlich und spannend vom Score untermalt, welcher zusätzlich die Dramatik und die Tragik des Ganzen in einer verbundenen Form steigert.




Ja, dabei thematisiert Romero aber auch gleichzeitig noch hintergründig wie gesagt die zeitlichen Probleme und hier im besonderen die Missstände, als anderes kritisches Beispiel seinerseits wird demnach auch der Vietnamkrieg beleuchtet. Und so setzt er sich auch kritisch mit der amerikanischen Regierung auseinander und deren Methoden der Konfliktlösung. Grandios, dieser Romero. Selbst bei seinem Debüt und mit diesem Mitteln, den einfachsten. Und wieder bleibt es doch erstaunlich inwieweit Romero das Angesicht des Zombies definierte und nach seinen Belieben änderte. Wäre jener in heutiger Zeit überhaupt noch wegzudenken? Sicher wir wären um vieles befreit, aber doch genauso um so vieles ärmer, das mag zwar abgedroschen klingen, doch bitte ich zu bedenken: Was wären Zombies ohne den geliebten George A. Romero? Und wir? Ohne den Zombie, den wir alle liebten, dieses langsam laufende, blutrünstige und hirntote Stück Leiche. In jedem Fall sollte klar sein, dass Romeros Debüt »Night of the Living Dead«, die Welt des Zombiegenre vom Aufbau vollkommen veränderte und das macht diesen Film, neben seiner hintergründigen Symbolik und seiner minimalistischen Umsetzung, heute noch zu einem mehr als bedeutenden Stück Zelluloid.



8.0 / 10

Autor: Hoffman

Sonntag, 15. April 2012

Romero lässt die Zombies tanzen - Klassiker der Extraklasse: Zombie - Dawn of the Dead


»Wenn in der Hölle kein Platz mehr ist, dann kommen die Toten zurück auf die Erde!« - Nach einer genaueren Untersuchung des modernen Zombies im Prävisionkino, welcher teils mit der filmischen Zombiegattung des Infizierten in "28 Days Later" nachzuvollziehen ist und darin auch ein weiteres Beispiel findet, wurde es für mich durch des Zufalls Glück mal wieder Zeit nochmal zu den Anfängen zurückzukehren um die Unterschiede dieser verschiedenen Zombie-Perioden für ich genauer nochmal zu beleuchten, welches hierbei keinesfalls irgendwie erläutert wird, außer man wollte eine hitzige Diskussion mit mir beginnen. Anders gesagt: So gelangte dann George A. Romeros "Zombie" in meine Finger - auch wenn man es mir nicht glauben mag, welche keinesfalls untot - aus dem Jahre 1978, der zweite Teil von Romeros nahezu einzigartiger Reihe der lebenden Leichen. Wobei Romero den Zombie zunächst neudefinierte in "Der Nacht der lebenden Toten" (10 Jahre zuvor) und Maßstäbe setzte, prägte "Zombie" das Interesse an der Thematik und löste einen leibhaftigen Rausch an weiteren Zombiefilmen aus. Man kehrt also zu den Wurzeln des Zombiefilms und im Grunde ist "Zombie" insofern wohl auch der ideale Vertreter um dies zu verdeutlichen.


Das heißt auch im weiteren Verlauf, da wie gesagt "Zombie" eine Fortsetzung von Romeros Paradestück "Die Nacht der lebenden Toten" ist, dass er da im Ungefähren dort ansetzte, wo er einst aufhörte. Die Menschheit ist in Panik und die Untoten vermehren sich von Sekunde zu Sekunde - wie könnte es auch anders sein - und bedrohen die menschliche Existenz. Über einen Lösungsansatz wird spekuliert - dennoch zu einem Ergebnis kommt niemand. So weit die Ausgangslage der Geschichte und die Zombies selbst, immer noch vor sich her verfaulende, langsam agierende und hirntote Gefrierschränke - einzig willig um nach Nahrung zu dürsten, deren Gestaltung nichtsdestotrotz immer noch absolut effektiv und faszinierend zu beobachten ist, gar irgendwie charmant und Romero besitzt sogar den Drang dabei ein wenig ironische und makabere Untertöne auszuspielen. Jeder Biss, kann tödlich sein und kann zur letzten Unruhe führen. So lässt Romero seine Zombies wild und blutig auf die Menschheit los und führt sie zur postmodernen Shopping-Mall. Jedenfalls bei »Dawn of the Dead«, denn hierbei bildet ein geräumigen Einkaufszentrum sowohl Haupt-und Fixpunkt der Handlung als auch Fluchtpunkt der 4 Hauptprotagonisten. Ein perfektes und faszinierendes Setting, das Romero in all seiner Vielfalt rundum beleuchtet und den Nutzen dieses vollkommen auslotet. Ich hätte mir hierbei nichts schöneres vorstellen können, so ist ein stimmungsvolles Bild so gut wie gewiss und die Atmosphäre lebt von den klinischen und zugleich unheimlichen Farben und später auch von dem Atemzug des Kaufhauses in großer Stille gehüllt, absolut intensiv und zudem passend im Sinne der minimalistischen Umsetzung seitens Romeros. Aber gerade in dieser Einfachheit liegt die wahre Stärke und die Faszination. Der Überlebenskampf des Menschen in der Not, so werden vier völlig verschiedene Personen zu Freunden, zu Helfern, so auch ihre Charaktereinstellungen variiert und doch finden sie zusammen, in jener Notlage. Die Dynamik beeindruckend reflektiert und so ist auch der Schauplatz des Einkaufszentrum hintergründig-clever gewählt, ein Platz voller Konsumgüter und so gleich auch ein metaphorisches Mittel des Konsums mit welchen hier Romero abrechnet, das Massenprodukt in Übermaßen, welches Romero natürlich satirisch kommentiert und so auch eine sozialkritische Haltung gegenüber der Gesellschaft einnimmt.


Natürlich definiert Romero auch weiter das Genre, das heißt findet seinen eigenen Weg, neben der ungeheuren Stimmung, seinem Werk volles Leben einzuhauchen, dass ich förmlich den Nerzenkitzel tief in den Adern spürte, einerseits hervorgerufen durch den Überlebenskampf der Hauptprotagonisten, welche Romero dabei langsam immer weiter an ihre Grenzen treibt, sie die Angst in ihrer Kühnheit spüren lässt und schließlich auch zum emotionalen Wahnsinn treibt. Anderseits fesselt er durch die Bedrohung der Untoten, zwar mögen jene alles andere als temporeich sein, doch kompromisslos und brutal schlagen sie zu, ihr Biss. Diesen Biss zeigt er in aller Deutlichkeit, in all seiner Brutalität und wirkt somit irgendwie verstörend-intensiv wie auch dabei schockierend, ein Angriff des Todes, einnehmend und brillant gefilmt dabei mit einer erschreckenden Intensität, wie es nur der Meister Romero kann. Seine Regie also meisterhaft, wie gnadenlos, schräg und auch mit der expliziten Gewaltdarstellung, konsequent halt. Zudem überzeugend von den Darstellercast gespielt, Sympathien sind schnell geerntet, als kleines Highlight darf insofern auch der Auftritt von Tom Savini betrachtet, welchen Romero in einem späteren Teil einfallsreich zitierte. Einen »Absolutions« nahen Zustand erhält das Ganze dann schließlich noch durch den fantastischen Soundtrack von Goblin und vom lieben Dario Argento, welcher den Film dann musikalisch in ein suggestives Gewand einweist, sodass ich diesen Rausch kaum fähig bin mit Worten zu beschreiben. Sagen wir es so: perfekt und stilvoll zugleich.


Ist schon ein besonderes Stück Film, welches Romero hiermit kreierte. Überlege wir kurz, in der was wäre wenn Fassung, inwieweit dieser Film beziehungsweise Romero das Genre prägte und den Zombiefilm definierte wie auch verbreitete. Faszinierend wie spannend darüber nachzudenken wie ich finde. Das macht "Zombie - Dawn of the Dead" für mich dann abschließend kurzum herausragend. Von der Szenerie des Einkaufszentrum, Romeros meisterlicher wie auch satirischer Inszenierung bis zum kleinsten Detail. Vielleicht klingt es zunächst reißerisch dies zu behaupten, doch für mich ist dies vermuteterweise sogar der Beste aller Zombiefilme, obwohl...werde ich demnächst prüfen lassen.


9.0 / 10

Autor: Hoffman