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Freitag, 30. Mai 2014

Wes Cravens Pakt mit dem Murphy - Kritik: Vampire in Brooklyn (1995)



Was steckt bloß für eine Geschichte hinter diesem Film? Ich bin mir zwar bewusst, dass er durchaus als theoretische Ironisierung des Vampirfilms angesehen werden kann wie auch als Parodie oder moderne Interpretation des Trashfilms »Blacula«. Letzteres oder vorletzteres hat sich wahrscheinlich Eddie Murphy gedacht als er das Drehbuch (u.a. mit einem seiner Brüder) für diesen Film schrieb, aber was macht Wes Craven hier? Wurde er gezwungen? Brauchte er noch Geld für »Scream«? Hatte er gerade nichts anderes zu tun und wollte seine Vita wieder mit einem schlechten Film füllen? Oder war es eine Zwangsarbeit, bei dem Eddie Murphy alle Fäden an sich riss und Craven keine Chance lies sich durchzusetzen? So oder so, ja die Drehbuchbeteiligung von Murphy bemerkt man sofort, statt Reflexion gibt es Klamauk und Murphys übliche Stereotypen und Bemerkungen. Da versucht Craven sogar anfangs noch sich nebelig zu halten, den Hafen Brooklyns in eine düstere und verborgene Stimmung zu tauchen, bis das jäh von dem hohlen Humor unterbrochen wird.

Wenigstens gibt Eddie Murphy dann dazu nicht auch noch in der Hauptrolle den Vampir als Quasselstrippe, sondern gibt sich (vergleichsweise) dezent als mysteriöser Playboy, der eine Frau, die seiner Abstammung ist, in New York sucht. Eine Frau, die er in der Polizistin Rita (Angela Bassett) findet, die gerade erst eine schwere Zeit hinter sich hatte, nun aber wieder voll dabei ist. Beide sind die Nachtschwärmer und dazwischen stehen zudem noch hölzerne Beziehungsprobleme mit dem Partner, der sie insgeheim liebt. Die Schwafelei übernimmt dann eben mal schnell der rekrutierte Handlanger und Ahnungsloser, der zum Ghul mutiert, der mit der Zeit alle seine Körperteile verliert, ach nein ist das nicht amüsant! Ist das nicht witzig?!

Nein, das ist es sicherlich nicht, eher nervtötend. Und keine Angst, Eddie Murphy lässt es sich dahingehend auch nicht nehmen, sich gleich noch in mehreren Rollen zu besetzen, bei denen er sich dann wieder ganz ungeniert ausleben darf mit all dem Faseln und Plappern (in der Rolle eines Priesters). Von dieser Seite sollte man also nicht allzu viel erwarten. Aber sowohl Grusel als auch Schockmomente, wenn es denn überhaupt welche gibt, bleiben platt. Die Blitze haben dafür aber einen hübschen Blaustich. Auch schien man sich nicht entscheiden zu können welches Genre man wähle, so wirkt das Resultat daraus nicht nur unausgegoren, sondern auch unbefriedigend auf beiden Seiten. Eine (kurze) aggressive Montage aus Verzweiflung, Wut, Angst und Blut entpuppt sich da als interessanteste Stelle des gesamtes Films, neben dem Aspekt, dass Wes Craven Sympathien für das Böse hegt und für die Gleichberechtigung dieser beiden Seiten predigen lässt, auch wenn das zur Folge hat, dass Eddie Murphy in seinem überzogenen Auftritt als Priester mal wieder durchdrehen muss. Ansonsten bleibt »Vampire in Brooklyn« ein zumeist uninspirierendes und biederes 90er-Werk von Craven, seltsamerweise angesiedelt zwischen »Freddy´s New Nightmare« und »Scream«, ist das nur etwas für Komplettisten.


3.5 / 10

Autor: Hoffman 

Samstag, 10. November 2012

Vorsicht! Craven elektrisch geladen - Kritik: Shocker



»We can't go killing people just to get Pinker out of their bodies.« - Schon beachtlich wie weit sich das Gesamtwerk von Wes Craven doch spannt in Anbetracht seiner vielseitigen Entwertung beziehungsweise Verwendung des Horrorfilms. Vom einstigen Terrorkino, zum kultigen Teenie-Slasher bis zum Werwolf und zurück zum Abgesang der alten Tage und ironische Verbeugung vor den eigenen Genrekonventionen. Und irgendwo dazwischen lauert dieser kleine Spaß, der "Shocker" von Craven aus dem Jahre 1989, obgleich eine Kategorisierung des Films tatsächlich nicht allzu schwer sein sollte. Zumindest für den, der sich mit Cravens Gesamtwerk auskennt und seine Selbstzitate und Anspielungen versteht wie schätzt. Denn wie man mir bereits vorweg sagte, seie "Shocker" sehr wohlals zweiter Versuch eines »neuen« Serienkillers im Sinne Freddy Kruger konzipiert, wobei dieser hierbei wohl auch am meisten rezitiert wird, insofern stimme ich der Idee zumindest davon teils zu. An sich wäre ich andererseits auch nicht abgeneigt zu behaupten, dass es sich hierbei um ein recht eigenständiges wie eigenwilliges Werk von Craven handelt -  eine kleine Horrorkomödie vom Meister, in dem er mal wieder Selbstironie beweisen will. Ein Freudenfest. In Hinsicht seines eigenen Gesamtwerks und seiner Kultgestalt Freddy Kruger, zumindest auf deren Spuren tastet er sich voran.




Wie George A. Romero schon einst meinte ist es ein geradezu ein schmaler Grat zwischen Horror und Humor, dadurch auf welche Weise ein Filmemacher diese Groteske daran auslotet und inwiefern er diesen Horror schildert. Wes Craven dazwischen also, die Thematik des »switchenden« Serienkillers ist da durchaus originell gewählt. Craven manifestiert den Franchise-Gedanken mit einer Referenz zu Kruger und den Träumen des Teenangers Jonathan (passend: Peter Berg), der scheinbar eine innere Verbindung mit jenem hat und doch kann er den Tod seiner Adoptivfamilie nicht verhindern kann. Einzig sein Adoptivvater und Detektiv (überspitzt: Michael Murphy) bleibt ihm, der jedoch verstört durch diesen Vorfall und so begibt man sich selbst auf die Jagd nach dem wahnsinnigen Fernsehmonteur Horace Pinker (richtig schön böse: Mitch Pileggi). Darauf folgen wilde Verfolgungen, ein Pakt mit dem Satan, Elektrizität als Fortbewegung, Körperjumps, Fluchende Mädchen und das Durchexerzieren der verschiedenen TV-Programme. Die Absurdität und Übernatürlichkeit des Plots ist in jeder Szene spürbar und durchaus amüsant zu betrachten, auch wenn Craven manche seiner humoristischen Einlagen etwas brachial anpackt und es so auf mich zumindest teils anfangs etwas plump wirkte.



Wenigstens serviert er dies mit charmanten Beigeschmack und einem durchaus vorhandenen Trashwert in Anbetracht der Story und dessen Geleit ins ad Absurdum und kreiert somit doch einem mehr als ansehnlichen Genrecocktail. Was zwar zur Folge hat, dass Cravens Film teils über alle Maßen überambitioniert wirkt, aber ansprechend in seiner Einfachheit. Natürlich liegt die wahre Faszination an Cravens "Shocker" in seinen vielseitigen Selbstzitaten und Referenzen, die er über die Laufzeit gekonnt verteilt und immer wieder aufs neue originell aufgreift. Sogar ein kleiner (symbolischer) Teil an medialer Kritik ist duchaus präsent. So ist auch die typische Handschrift deutlich erkennbar an seinen oftmals eingesetzten (liebenswerten) Stereotypen, hierbei Klischees der gehobenen Klasse. Besonders dabei schimmert nochmal der Ansatz-Krugers durch. Jedoch ganz zufrieden ist man nicht: Die Stilmittel teils zu unausgegoren, der Humor doch teils etwas abwegig-albern geraten - besonders anfangs, wenn auch munter dahererzählt, verliert er so teils letztlich doch seine Storypfade und mag irgendwie in seiner überzogenen Charakterkonstellation überspannt wirken.



Und das trotz der Tatsache, dass Craven charmant sein Spiel mit Traum und Wirklichkeitebenen vorantreibt und so auch in Hinsicht des Ideenreichtum sein Werk amüsant zu betrachten ist. Wobei man daher auch die waghalsige Sachzerstörung nicht außer Acht lassen sollte wie auch, dass die Filmlogik an sich eine wenig angezapfte Leitung bleibt. Dennoch ist dies insofern mehr als praktisch, dass Craven dabei sich nicht mit Erklärungen aufhält, sondern weiterhin turbulent inszeniert, in dem er wunderbar gewisse Genrekonventionen unterbindet. Somit seiner eigenen (etwas diffusen) Filmstruktur folgt, auch wenn er dabei erst richtig Fahrt in der zweiten Hälfte aufnimmt, da aber mit der Absurdität bricht und so Cravens Spielfreude unverkennbar ist.




Ironisch wird dazu der dramatische Score eingesetzt, der eigentlich im Gegensatz zu Cravens Groteske steht, aber so auch einen weiteren besonderen Stellenwert in seinem Film einnimmt als abrupte Ernsthaftigkeit des Films und wirklich abwechslungsreich komponiert wurde, mit vielen bekannten Motiven und an sich voller Elan, teils morbide, teils geschwindt und so auch mit gewissem Überrraschungseffekt verziert, was ich als durchaus förderlich hierfür sehen würde. Dazu ein ausgeflippter Rock-Soundtrack und da macht die Mischung Freude. Gerade in der Gegensätzlichkeit zu Cravens offener, abgedrehter Art, die fast einer kleinen filmischen Genretour ähnelt - in bester Tradition des Genres und Cravens Gesamtwerk. An sich macht das "Shocker" schon zu einem sympathischen und innovativ beleuchteten Werk, ja mit  bisweilen brachialer und überspannter Strukturen. Aber ansonsten darf Cravens Film auch gerne als kleines, aufgeladenes, durchgeknalltes Fanboy-Bonbon mit seltsam-elektrischen Charme gesehen werden.



6.0 / 10

Autor: Hoffman

Dienstag, 4. September 2012

Cravens gesellschaftliche Farce im hauseigenen Gruselkabinett - Kritik: People unter the Stairs - Haus der Vergessenen





»See no Evil. Hear no Evil. Speak no Evil.« - Man könnte den deutschen Verleihtitel von Wes Cravens »People under the Stairs« durchaus ironisch nehmen und ihm fast einen wahren Gehalt an Craven selbst zusprechen - wiederum dafür weniger am Film - man könnte ja sagen, dass Cravens »Haus der Vergessenen« somit treffend beschrieben wird, irgendwann zur Schaffensphase Cravens Anfang der 90er Jahre gedreht (um genau zu sein: 1991, Wes Craven arbeitet zu »Scream« hin) und heutzutage wohl selbst kaum noch merklich bekannt. Irgendwo unter einer dicken Staubschicht -  die Schatzkarte hilft - liegt er verborgen, am Ende zwar grenzenloser Goldschatz, der nicht förmlich wartet als Heiligtum geweiht zu werden. Aber immer noch ein äußerst faszinierender Craven, den man sogar für Cravens Gesamtwerk als essentiell wertvoll betrachten darf. Im besonderen, falls es zutrifft, dass man selbst ein Fan von Wes Craven seie - ob ich mich dazu zähle ist bis dato nicht bekannt. Urteil: Weiter forschen.




Hierbei gibt Craven altbekanntes und mischt dazu viel neues. Wie immer eigentlich, bloß, dass nicht jedes Motiv oder jede neue Idee von Anfang an unbedingt glückt, auch wenn es Craven auf eine überdrehte Gesellschaftssatire anlegt. Da darf es auch öfter mal etwas plump bei der Gestaltung werden. Zu Anfang aber: Score loben. Tempotrauma und schauerlich komponiert - klingt reißerisch und ist es auch, aber bringt er doch das richtige Tempo mit. Problematisch scheint mir aber doch Wes Cravens Rassismuskritik - was seiner Meinung wohl mit Ghetto-»Touch« anfangen muss - die zwar Craven durchaus plausibel äußerst, aber stilistisch leider etwas altgebacken wirkt und im Zeitkontext verhaftet, was vom Design für mich doch gewöhnungsbedürftig schien.


Ich elitärer Nörgler der Kunst. Auch etwas unausgereift mag dabei Cravens Versuch sein, Tiefgang zu erwecken, um den Zuschauer gleich zu Beginn emotional auf eine Schiene mit seinen Protagonisten zu bringen. Leider wirkt auch dieser durch Einsatz von Kitsch und Pathos eher hemmend, aber immerhin diese stilistische Unart unterstützend. Jedoch die Innenarchitektur von Cravens »Haus der Vergessenen« macht den Stil, denn diese ist ansehnlich gestaltet. Denn wenn Craven mit seinem ethnischen Gefühlswallungen abschließt, begibt er sich auf die Pfade von den Gebrüder Grimm wie auch den Märchen an sich. Craven betreibt erneut Legendenbildung. Die Bezeichnung »Fool« (der Held) wird zur Metaphern für eine Variation des »Hänsel und Gretel«-Motivs und das Haus, welches den Schatz bergen soll zum düsteren Hexenhaus. Zu einem Gefängnis für jeden Eindringling.



Und eröffnet so doch auch Cravens doppelbödige Seite, bei welcher er somit die sozialen Disparitäten der Gesellschaft aufdeckt. Die psychopathischen Hausbesitzer (mit Waffengewalt) als markantes Symbol des Repulikaners, wobei er dazu auch nicht auf gewisse zynische Referenzen zu »Hills have Eyes« verzichtet und seinen dortigen Gefahren, the People under the Stairs als Variation seiner atomaren Degernierten. Der äußere Schein trügt, denn der Hexenkessel wird im Inneren entfacht, ersteres Prinzip lässt sich sowohl auf Cravens Figur des Paares beziehen als auch auf die Struktur von Cravens gesamten Films. Der Polizieiapparat ist wie immer nutzlos in dieser Tatsache und lässt sich blenden - die Justiz kritisiert, für unfähig erklärt wie einst schon »The Last House on the Left«.

Das Haus zunächst so idyllisch - bis die Fassade bröckelt und sich das wahre Gesicht zeigt - das Grauen. Für Craven demnach wohl auch dramaturgisch eine Reflexion der Gesellschaft. Auch wenn ich dafür einige Handlungsfragmente als abstrus bezeichnen würde und daher auch umständlich bewerkstelligt. Dennoch schafft es Craven dies einem durchaus schmackhaft zu machen, durch Absurdität. Denn ist auch hier ein schmaler Grat, den Craven beschreitet zwischen zunächst andeutenden und subtilen Grusel bis dann schließlich zur absolut durchgeknallten Groteske - auch hier schreit es nach deutlicher Referenz seines Frühwerks! - , bei welchen Craven die Konventionen an das Ziel des ad absurdum führt und seine Figuren genüsslich überzieht und wie bereits erwähnt metaphorisch anreichert, wenn auch albern teils doch amüsant zu betrachten.

Charakteristisch dabei klischeehaft, aber dadurch lässt sich auch Cravens politisches Interesse ablesen wie einst in seinen Frühwerken, sonst wird wieder einmal heiter das Genre bis auf seine Rundfesten duchreferiert. Mediale Kritik gibts auch mit Fernseher. Ist schließlich Pflicht. Zudem eine Entlarvung des totalitären Systems. Kenntlich an der biederen Familie, die ihre Tocher aus Kontrollwahn (wie in Rapunzel) in ihrem Haus einsperren. Für sie - das Symbol der Unschuld. Deutlich an ihrem weißen Kleid. Mit wunderbaren Einfügungen und wenn Cravens Setting altmodisch scheint so bietet sie doch eine reichliche Menge an weiteren Motiven des Märchens als Symbolik an.




Um es so zu sagen wirkt das Haus der Familie im Grunde wie ein Schreckenskabinett, in dem man immer wieder auf neue Attraktionen trifft. Ich würde fast meinen dies hätte etwas im Sinne von Argentos labyrinthartigen Gefilde - so verworben ist es dennoch nicht. eher einen Komplex gleich, auch wenn Craven surreale Tendezen aufzeichnet. Interessant bleibt anderswo der Aspekt, dass dieses Abenteuer aus Kindersicht schildert - eigentlich unpassend - jedoch ließe sich »People unter the Stairs«  somit auch als Coming of Age-Film (»I´m not running anymore«) deuten, in welchen sich Craven mit der Problematik des Erwachsenswerdens auseinandersetzt. Am Ende steht immerhin die explosive Sachzerstörung. Dies mag alles zusammengefasst faszinierend sein, dennoch ist das Werk in Cravens Intention durchaus überladen mit seinen unzähligen Metaphern, was ihn dann für mich etwas plump  in mancher Hinsicht wirken ließ. Trotzdem schuf Craven mit »People Under the Stairs« eine demnach delikate und wunderbar reißerische Gesellschaftssatire, bei welcher zwar nicht jedes Stilmittel gelungen in die Dramaturgie einfügt aber an sich stets mit ironischen Augenzwinkern kommentiert wird. Und dies sollte man Wes Craven in jedem Fall zu Gute halten, auch da dieser Film für Craven wahrscheinlich nur eine Vorübung für Kommendes sein sollte.



7.0 / 10

Autor: Hoffman

Mittwoch, 4. Juli 2012

"Keep repeating: It´s only a movie" - Klassiker der Extraklasse: Das letzte Haus links - The Last House On The Left

The Last House on the Left


»It´s rests on 13 acres on earth over the very center of hell...!« - Erneut ein kleiner »Time-Jump« in den, in letzter Zeit, häufig auftretenden zurück zu den Anfängen. Zum Beginn des modernen Horrorfilms - ganz im Stile meines derzeitigen Trends - etwas anderes sollte man demnach auch nicht erwarten. Für alle die, die schon immer wissen wollten - wie man einen Zusammenhang zwischen Wes Craven und Ingmar Bergman knüpft - den Vietnamkrieg und andere gesellschaftliche Probleme radikal filmisch thematisiert - und warum ich »Laserdisc-Trailer« in ihrer bescheidenen geistigen Qualität so liebe - die Antwort liefert das Frühwerk von Wes Craven »The Last House on the Left« aus dem Jahre 1972, mit welchem Craven zudem auch seinen Durchbruch in der Filmlandschaft schaffte und so auch einen umstrittenen, aber nicht minder revolutionären Vertreter des Genres schuf, der bis heute Maßstäbe setzte. Klingt zwar derweil recht plakativ, durch inflationäre Verwendung, jedoch es ist eine Tatsache, immerhin der im Grunde erste Vertreter des großen Terrorkinos.


The last House on the Left


Auch wenn mich das insofern noch einmal zu Ingmar Bergman zurückführt und seine Vorlage zum Film, welche »Die Jungfrauenquelle« bildet und so auch Craven die Ausgangslage bot, um daraus wie es mir scheint ein völlig anderes Konzept zu basteln, obgleich man auch Bergman gewisse revolutionäre Züge zuweisen muss, dies werde ich aber nochmal ausführlich an sich beleuchten müssen, sodass Craven bei »The Last House on the Left« Bergmans Film zunächst modernisiert um ihn dann in den zeitlichen Kontext der 70er Jahre zu setzten.

Es beginnt idyllisch: Zwei Mädchen auf den Weg in die Stadt, in das Grauen. Vorahnung wird betont, jedoch missachtet. Dabei zeichnet (wie sich noch im späteren Verlauf seines Schaffens zeigen wird) seine Figuren als Abziehbilder der Gesellschaft, nach den Klischees der amerikanischen Kleinfamilie eingerichtet, umso auch im Verlauf seiner Geschichte mit dieser Gesellschaft abzurechnen - zynisch natürlich. So lässt er seine zwei weiblichen Protagonisten (Status: Einfältig), sich ihrem eigenen Unheil verantworten und jetzt die handgewandten Straftäter auf sie, welche sie bedrohen, sie peinigen, sie vergewaltigen und auf Widerstand auch mit Tod antworten. In dieser Szenerie weiß Craven natürlich harmonisch zu agieren und kompromisslos Regie zu führen wie auch den Terror zu definieren, in Form des erstmalig auftretenden Subgenres »Rape and Revenge«, welcher an sich schon die Grundsubstanz des Selbstjustizfilm festlegen sollte.

Und so schraubt Craven in Hinsicht seines Terror und der Angst die Spannung immer weiter an, überspannt sie kurzum und lässt die pure Gewalt eskalieren. Zwischendrin verzwickt er sich zwar in einer satirischen Abrechnung mit der Justiz und dem Gesetz (in Form von zwei unfähigen Polizisten), was so den kritischen Anteil seines Werkes erneut deutlich macht, aber im Bezug der Handlung auf mich fast unnötig wirkte, auch wenn ich seine Intention nachvollziehen kann, leicht-spöttisch. Schon hier manifestiert sich Cravens radikaler wie auch roher Stil (hervorgerufen durch Minimalismus), der Gewalt in all seiner Grausamkeit aufzeigt. Brutal und nervenzerrend, hierbei wieder mit überraschend passend-dualistischen Score und einem Soundtrack unterlegt, der wiederum einen gewissen Frieden und einen ruhige-entspannte Substanz bietet, was im Gegensatz zu Cravens Stil steht, was dem Ganzen somit einen ironischen Beiton gibt beim Paradoxon. Während Craven an sich auch immer einen seidenen Faden zwischen Gesellschaftssatire und purem und perversen Terror zieht, beides provokativ wie eigenwillig von ihm inszeniert.

Und so für mich auch doch im gewissen Maße gewöhnungsbedürftig, wenn überhaupt möglich. Als Beilage serviert Craven noch reichlich blutige Metaphern und setzt sich auch hier bereits mit den zeitlichen Missständen auseinander, von denen der Vietnamkrieg und dessen Aufbereitung wie auch das Traumas dieses nur einige Aspekte wären. Der Krieg ist Heim gekommen. Eine Abrechnung mit den Idealen des amerikanischen Traums. Und des weiteren entlarvt Craven im besonderen den Zuschauer in dem letzten Drittel seines Films, stellt eine bestimmte Ambivalenz her, er lässt die Peiniger selbst des Schicksals bittere Kraft spüren und wandelt das Bild meisterlich insofern, sodass »The Last House on the Left« sich nahezu einer perfiden und bitterbösen Groteske angleicht (an der radikalen Kettensäge mangelts nicht), hier sprüht nochmal einmal die Symbolik große Funken mit satirischer und überzogener Darstellung und so schlägt die Eskalation der Besinnungslosigkeit an. Es lässt einen doch ratlos zurück.

The last House on the Left



Es ist der blanke Terror, den Craven hierbei bebildert, ungeschönt und dreckig wird gefilmt, weshalb dadurch Wes Cravens Film »The Last House on the Left«auch eine bedrohliche und verstörende Intensität besitzt, welche wiederum Authentizität erschafft. Auch die Isolation von der Zivilisation durch die Kulisse des wuchernden Waldes ist hintergründig gewählt, denn so zeigt dies doch eine symbolische Verworrenheit im undurchsichtigen Dickschicht des Films selbst, dazu der Klang wie der Herzschlag der Protagonisten. Das verräterische Herz. So definiert man und das macht seinen Film so zu einer cleveren, wie auch perfiden Gesellschaftssatire, bei der Craven seine Qualitäten schon früh unter Beweis stellte. Ja, das ist bitterböses und subversives Terrorkino in Reinkultur.



7.5 / 10

Autor: Hoffman

Mittwoch, 20. Juni 2012

Spezial-Ausgabe: Die filmische Zombie-Autopsie


Romeros Anfänge und der Beginn des modernen Zombiefilms. Frankenstein-Motiv aus »Night of the Living Dead« 


Achtung: Ich bitte zunächst zu beachten, dass dieser Text sich weder auf Faktentreue noch auf sonstige, erwiesene Theorien stützt, sondern einfach nur der Fantasie seines gestörten Autors entsprungen ist. Mich bewegte nun schon lange eine Frage. Die Frage, die mein Leben für immer hätte verändern können: Was ist eigentlich mein Lieblingsungetüm im Horrorgenre? Ich glaube, nun kann ich diese Frage mit einem Stück beantworten. Mit einem Stück untoter Überreste, dem Zombie. Ja der Zombie hat schon eine lange, lange und noch längere Geschichte hinter sich, auch wenn im heutigen Bestreben er das modernste Monster von allen ist, naja nicht ganz. Und zunächst begann alles mit Voodoo und dem willenlosen Auferstandenen aus dem Reich der Toten, gezwungen seinem Meister zu folgen, dies nahmen Regisseure wie Jacques Torneur gerade zu wörtlich und verinnerlichten diese Philosophie in Filmen wie »I walked with a Zombie« (1942) oder im expressionistischen Sinne noch weitaus früher in »Das Cabinett des Dr. Caligari« (1920), wobei dieser die Gestalt des Zombies nur andeutete.

Night of the Living Dead (1968)

Dawn of the Dead (1978)
Und noch ein Zombie. Mit tiefer Tragik im melancholischen Blicke zurückblickend  an die alte Zeit als Lebender. Zutiefst bedrückend.


Romero beweist grotesken Humor bei »Dawn«

Zombi 2 - Schreckensinsel der Zombies (1979)



Doch im Gleichnis des heutigen Zombies, waren diese nie. Bis er kam! Wer? George A. Romero! Der Heilige! Der Mann mit den fragwürdigen Visionen. Der definierte diesen auf Anhieb völlig neu, mit »Night of the Living Dead«, dieser Schelm! Weg von Voodoo und Sektenkult. Hin zur Gesellschaft, der Romero wird einfach symbolisch und stellt den Zombie nicht nur als blutrünstige Bestie (wie derzeit häufig) erstmals dar, sondern auch als Reflexion der Minderheiten der Gesellschaft, die es zu meiden galt und welche sich Schlag auf Schlag vermehren. Ohne Rückhalt. Der Zombie der Moderne war geboren. In Spanien setzte man währenddessen sich mit reitenden, schwimmenden und gewünscht hatte ich mir ehrlich gesagt auch immer fliegende Leichen auseinander, aus letzterem wurde nichts. Und Romero hörte nicht auf. Keineswegs. Der definierte konsequent weiter, in »Dawn of the Dead«. In welchem er dem Zombie sogar eine feine ausgeklügelte, ironische Seite gab, aber dennoch klar erläuterte: Dieses Ding ist nicht zum Spielen da, das beißt. Wobei dieser auch den Maß prägenden deutschen Titel »Zombie« bekam. Und damit brach mit diesem Werk letztlich eine regelrechte Epidemie von Zombie-Filmen aus, die sich aber auch schon nach »The Night of the Living Dead« in gewisser Form zeigte. The Style is it. Und den hatte der Zombie, wie ein Feuerregen produzierte man jene Filmgattung und ja das brachte selbst Lucio Fulci auf große Ideen (Exemplar:»Zombi 2«) , der zwar wiederum teils auch zum Ursprung des »klassischen Zombies« zurückkehrte, aber immer eins klarstellte: Zombies sind bösartige, zugleich blutrünstige Bestien, die kein Erbarmen kennen, ob sie am Glockenseil hingen oder ein Haus an der Friedhofsmauer stürmten, darauf reagierten die netten Mensch von der Jugendschutzbehörde gar nicht so freundlich. Während Romero seinen Kreis um den Zombie schloss in Hinsicht seiner »Living Dead«-Trilogie mit dem Film »Day of the Dead«, in dem uns Romero eine pessimistische Sicht der Zukunft vor Augen führte. Erneut definierte er und dieses Mal zeigte er uns auch die tragische, die menschliche Seite des Zombies, zeigte er ist lernfähig, wobei somit Romero erstmals wirklich etwaige Parallelen zwischen seinem Zombie und Mary Shelleys Frankenstein aufzeichnete, doch dies ist spekulativ. So betrachtet wandelte im selben Jahr (1985) die Frankenstein-Neuinspiration »Re-Animator« auf diesem Pfade, es darf also fleißig interpretiert werden. Doch wurde es nach Romeros Abschluss der Trilogie über viele Jahre qualitativ still um den Zombie, meines Erachtens. Wes Craven berief sich mit seiner »Schlange im Regenbogen« (1987) auf die Wurzeln des Zombies, mit netter Beilage des Voodoookkultes, zudem stapelten sich derweil die Fortsetzungen erfolgreicher Reihen und zumindest die deutschen Titelverleiher schienen in der Hinsicht vollkommen durchzudrehen, im Angesicht der Lage. Das heißt es gab sicherlich unzählige B-Movies, obgleich sich die meisten davon irgendwo zwischen Abklatsch und Parodie ansiedeln ließen und das Subgenre des Zombiefilms war demnach auch schwerer im Plenum zu deuten, ob bei der filmischen Granate »Braindead« oder kleinen Meisterstücken wie »Dellamorte Dellamore«, schwierig zu distanzieren. Es seie jedem selbst überlassen.

Day of the Dead (1985)


Land of the Dead (2005)


Die Tragik des Todes - The Walking Dead (2010)

Auch in Serien wird Gott Romero zitiert und genauso perfide gehuldigt


Im neuen Jahrtausend angekommen zeigte sich der Zombie dieses Mal von einer völlig neuen Seite und insofern stellte Regisseur Danny Boyle den Modus auf eine entwachsene Fassung des Zombies, dem Infizierten, mit »28 Days Later«. Bei der sich Boyle neben einem realistisch angelegten Schauplatz, eine neue Definition des bekannten Filmmonsters schuf, auch wenn sich trotz Infektion dieser Virus wahrscheinlich nicht allzu sehr durchsetzte, wie Romeros Definition, dies minderte weder den Erfolg noch die Tatsache einer Fortsetzung (28 Weeks Later). Einen Boom löste hingegen wieder das Remake des Romero Klassikers »Dawn of the Dead« (2004) von Zack Synder aus, der Anbeginn einer Welle von Remakes, Sequels und weiteren Worten, von denen ich nicht weiß was sie bedeuten. - Romero fand den Snyder gar nicht so rossig, dass Zombies rennen - Endlose Produktionen, unter denen auch Romero sich erneut die Ehre gab seine Zombies ins Licht zu führen. Zugleich setzte Edgar Wright mit "Shaun of the Dead" aber auch einen durchaus bedeutenden Eckpfeiler (ich liebe das Wort: Subjektiv) der Zombieparodie, gleichzusetzten mit Hommage an die Filme Romeros. - Romero dankte sichtlich. Zusätzlich scheint man faszinierenderweise den Zombie immer weiter in abstruse Gefilde zu führen, das gehe von nationalsozialistischen Auferstandenen bis zu strippenden Zombies, derweil freue ich mich auf die kommunistischen Zombies. Aber auch Serien (nach Comicvorlage) folgen dem Trend des neuen Zombies und wissen durch vielerlei Referenzen und Versatzstücke aus der Vergangenheit zu verzücken, hier im Falle von »The Walking Dead« , die den Zombie zwischen moderne und Romeros Interpretation anlegt (Bezeichnung: Walker), jedoch immer noch ein innerlich zerrissenes und tragisches Monster, es wird viel zitiert und ehrwürdig gedankt. Ja, der Zombie mag eine äußerst lange Geschichte hinter sich haben und wer jetzt noch denkt dies hier wäre alles gewesen, dem möge gesagt sein: Dies war erst die Kurzfassung, oberflächlich, plakativ und sinnentleerend von mir, allein die äußere Gestaltung und die Veränderung im zeitlichen Kontext bringe insofern genug Platz für weitere Autopsien, doch belassen wir es hierbei und das Leben geht weiter, das beweist dieses Stück verfaulte Kadaver. Es beginnt wie es endet...mit dem Zombie.


Autor: Hoffman

Dienstag, 5. Juni 2012

"Die Glücklichen sterben zuerst" - Kritik: The Hills Have Eyes - Hügel der blutigen Augen



»Ihr habt uns zu dem gemacht, was wir geworden sind!« - Nun da ich jetzt den Vergleich habe, ist der Prozess über Sinngebung und Eingebung eines Remakes natürlich gefragt. Immerhin ist es mir so möglich wirklich zwischen den beiden Filmen zu distanzieren, obgleich ich vorher erst immer gespalten zum Thema »Remake« hierbei stand, doch auch werte Dokumentationen und Wohlgesinnte des Films brachten mich letztlich dazu eben diesem noch eine Chance zu geben und so vielleicht sogar aus anderen Perspektiven zu sehen, so kann sich also das Sehverhalten von heute auf morgen ändern und auf einmal ist man auf solche Remakes gespannt wie bei dem von "The Hills Have Eyes", obgleich natürlich der Franzose Alexandre Aja dahinter an sich nun kein Grottenregisseur ist - trotz Spaltung optimistisch und aufgeschlossen (eine Seltenheit meinerseits) bei Ajas Remake aus dem Jahre 2006 von Wes Cavens genreprägenden Klassiker aus den 70er Jahren. Es mag insofern wohl mehr als für das Remake sprechen, dass immerhin »Master of Horror« Wes Craven selbst als Produzent fungierte und auch am Drehbuch mitwirkte, was sich deutlich in dem Film selbst aufzeigt, nicht nur qualitativ.



Nicht nur, dass insofern Aja selbst auch Cravens Original zunächst mal würdig referiert. Und eines hat so gesehen das Remake von Aja dem Original in der Synchro vorraus, es gibt keine bescheuerten Außerirdischen als Gegenentwurf. Schon in den ersten Minuten zeigt sich dabei aber auch auf was Aja in seinem Film hinsteuert und wie er seine Karten geschickt ausspielt. Ich finde es hierbei mehr als vorbildlich, dass Aja soweit auch die politische Note und die kritische Seite von Cravens Film teils beibehält, auch wenn seine Intention vielleicht dabei sogar noch eine etwas andere sein mag, da er hierbei eine deutliche politische Stellung bezieht und auch Kritik an der Atompolitik übt, wie bei Craven mit vielerlei blutigen Metaphern und symbolischen Andeutungen, wobei besonders letzterer Punkt der Atompolitik bei Aja sich wesentlich deutlicher abzeichnet, wo Craven noch andeutete - das beweist allein der begnadete Einstieg und so schildert er auch hintergründiger die Möglichkeiten jener Entstehung in den unheilvollen Hügel. Nach W-Fragen-Prinzip geordnet: Wieso? Weshalb? Warum? Wo Craven bekanntlich noch den Zuschauer selbst urteilen und überlegen ließ, wobei er somit ihm auch mehr Freiheiten bei eben jener Interpretation des Werkes gab, obgleich dies vielleicht demnach auch den zeitlichen Umständen geschuldet wäre. In jedem Fall ist Ajas Remake so selbstredend den heutigen Sehgewohnheiten angepasster. Andererseits setzt aber Aja gleichzeitig auch auf viele bekannte Motive von Cravens amerikanischer Filmfamilie, wie schon bei Craven selbst: Das prototypiserte, perfekte Bild einer amerikanischen Arbeiterfamilie. Familienoberhaupt "Big Bob" (dominant-republikanisch: Ted Levine) pensionierter Polizist und fahnenschwingender, waffenfreudiger Republikaner, mit traditionellen Familienwerten und so zeichnet auch Aja seine Charaktere als Extremklischees und Stereotypen der Gesellschaft, verknüpft dies aber gleichzeitig mit seinen politischen Ambitionen und mancherlei moderner Konvention in Hinsicht der Jugend. Im Vordergrund steht dabei besonders der Konflikt zwischen Vater Bob (Republikaner) und seinem Schwiegersohn Doug (Demokrat), der wiederum nicht an die Waffengewalt zunächst glauben mag, ohne jegliches Ziel, was Aja auch mit einem kurzen Ausspruch klarstellt, auch wenn er sich dadurch keineswegs von den Charakteren Cravens distanziert.



So strebt er doch insofern auch eine gewisse Modernisierung (mit klischeehaften Attributen jener, auch wenn sie Aja weniger gelungen überspitzt als Craven) dieser an wie auch der Handlung, welche in die heutige Zeit transferiert wird, wodurch er wie viele andere Remakes in die Schleife der wenigen Innovationen hineinschreitet. Und ich mich so teils fragte, inwieweit Aja überhaupt dem Original etwas hinzu zu fügen weiß, in Anbetracht dieses Denkens folgt Aja recht linear der Handlung (»In der Wüste strandet Arbeiterfamilie mit Wohnmobil und wird bedroht von degenerierten Mutanten«) und deren Zügen des Originals (wenn auch präziser geschildert), obgleich ihn letztlich aber doch der Sprung glückt und sich so von Cravens Film gekonnt lösen kann, um eigene Stilmittel miteinzubinden, wenn selbst der Demokrat zum Patriot wird und sich die hell aufleuchtenden Metaphern überschlagen, dass man es fast als schwarzhumorig bezeichnen möchte. Es sind die kleinen Details, die Ajas Film insofern strahlen lassen. Daneben noch ausgerüstet mit Kamera und furioser Optik, die diese stilistischen Kleinigkeiten betont und dazu eine gewisse Ästhetik zeigt, was zwar etwas glanzvoll sein mag und durchaus etwas fragwürdig in Bezug auf die Erzeugung von Terror, aber doch zeigt Aja so seine persönliche Note - die rohe, trockene und dreckige Atmosphäre ist zudem eh zu Genüge vorhanden und spiegelt doch wunderbar das Gefühl des Originals wieder, was Aja auch deutlich und angemessen in Hinsicht des Soundtracks (»California Dreamin´«) erkennen lässt und so wird zitiert und sich nahezu vor ihm verneigt. Was Ajas Regie selbst angeht, so muss ich doch sagen, dass es mich insofern überrascht, dass sich Aja gar nicht mal so weit im Verlauf von der Cravens distanziert, auch er beginnt gediegen und lässt (wenn auch verstärkter) Unheil sähen, hierbei profitiert er enorm von der geschaffenen Atmosphäre und den exzellenten Kamerafahrten wie auch den präzisen Schnitten. Bevor er den Terror entfesseln lässt, dass dieser dann wesentlich härter, blutiger, angepasster und brutaler in der Ausführung daherkommt ist mehr als plausibel, wenn auch jeweils den zeitlichen Umständen und den heutigen Sehgewohnheiten geschuldet. Wo Craven seine Möglichkeiten seiner Zeit bereits vollkommen ausarten ließ, darf Aja noch einen Schritt weitergehen, während sein Film von einem unterschwelligen Score untermalt wird.




Gerade diese Brechung im letzten Drittel lässt Ajas Remake also aus dem Schatten seines Originals treten und seinen eigenen perfiden wie auch konsequenten Charme daran entwickeln und somit doch zu einem eigenständigen Werk werden, dass wie ich es immer meinte, gar nicht so unsinnig seie dieses zu produzieren. Denn glücklicherweise schafft es Aja seine ganz eigene Variation des Terrors zu kreieren, jedoch im Sinne Wes Cravens, und dabei seine politischen wie kritischen Phrasen interessant zu verpacken, wie auch seine stilistischen Stärken zu fördern. Im heutigen Genreverfallssumpf schon etwas besonderes, nicht nur weil sich Alexandre Ajas "The Hills Have Eyes" auf die Grundsubstanz des Terrorkinos beruft, sondern auch weil er sie angemessen zitiert und das macht ihn wohl zu einem durchaus gutem Remake. Eine echte Rarität.



7.0 / 10

Autor: Hoffman 

Samstag, 5. Mai 2012

Cravens pelziges und mutiertes Unheil - Kritik: Verflucht



Nun noch einmal ein Gegenbeispiel aus der Filmographie des großen Horrormeisters Wes Craven, der wie ich schon meinte qualitativ gesehen ein recht abwechslungsreiches Gesamtwerk fristet, wobei besonders seine Spätwerke unter den durchwachsenen Verlauf seiner Filmographie größtenteils zu nennen wären, meiner Meinung nach, aber das kann man so oder so sehen. Jedenfalls ist "Verflucht" aus dem Jahre 2005 doch eines dieser Spätwerke von Wes Craven, in denen er sichtlich recht eigenwillig zu Tage geht und so sich die mittlerweile gereifte Legende des Werwolfs annimmt. Wie auch irgendwo anders erwähnt, ich mag diese Legende um den Wolfsmenschen, einerlei weil diese auch oft viel zu oft im Schatten anderer Monster steht und so transferiert Craven den doch klassisch veranlagten Mythos in die Moderne und lässt es sich nicht nehmen zunächst insofern auch einen gewissen, anfangs teils noch originellen Subkontext zu der Legende aufzubauen, in dem er den Weg mit bestimmten Scream-Referenzen ebnet. Bloß eben variiert im Werwolf-Stil.



Wie der Titel (»Cursed«) schon vermuten lässt wird dabei mächtig verflucht und Unheil gesät im besten Stile der Legende, vormals. Zwei unterschiedliche Geschwister, die durch einen Zufall (gleichzusetzten mit Unfall) von einer wilden Bestie (gleichzusetzen mit Werwolf) gebissen werden und so teils doch Opfer eines recht abstrus zu nennenden Fluches werden. Variiert klein. Worauffolgend die Suche nach der Urbestie beginnt, welche verantwortlich für all dies ist. Altbekannt und von Craven durchaus nett in die Moderne getragen, wenn auch der Handlungsverlauf schmälig, ja sogar sehr schmälig bleibt. Wenigstens anfangs noch schwingen anfängliche Referenzen freudig mitein und Craven beweist durchaus charmant wie es geht, auch seinerseits mit traditionellen Humor im Sinne von »Scream«, also als Persiflage auf konventionell gestrickte Teenie-Horrfilme zu verstehen. Wobei dieser Teil mich jedenfalls durchaus leicht amüsierte. Die Charaktere werden unterhaltsam einfügt, das Thema zunächst noch interessant verpackt um das Mysterium, Andeutungen, Anspielungen, wie erwartet spürbar auch Kevin Williamsons Beitrag dazu - dies inszeniert Craven zwar nicht gerade in irgendeiner Form vom besonderen Maßstab, dennoch routiniert. Und doch entwickelt sich "Verflucht" in seinem Verlauf doch zu einem eher misslungenen Versuch, der Werwolf-Legende frisches Blut zu spenden. Da man spätestens nach der ersten Verwandlung erkennen muss, dass sich Cravens Werk ins Abstruse schleppt und im Grunde dann jenen Konventionen folgt wie huldigt, die Craven doch im Grunde zunächst so stilecht versuchte zu überspitzen? Immerhin gelingt es Craven wenigstens überhaupt in der späteren Entwicklung selbstironische Nebentöne zu verspüren, die insofern wenigstens überhaupt Abwechslung bieten zu diesem doch vorhersehbar und konventionell gekochten Filmchen. Wahrer Grusel ist dadurch auch wirklich selten, wenn überhaupt, präsent allein durch eine gewisse Absurdität des Werwolfes selbst, welcher meiner Schätzung nach eher als haariger wie auch mutierter Haribobär (in polierter CGI-Rüstung) durchgehen sollte, als denn als blutrünstiger Werwolf, aber selbst da beweist Craven irgendwie Ironie. Sollte er auch. Denn auch die Darstellerriege weiß wenig zu verzücken, Christina Ricci kann da eh wenig reißen, trotz geheimnisvoller Art, Jesse Eisenberg fährt wieder die fast schon prototypisierte Fassung eines nervösen, mittlerweile arg nervigen, Nerds auf und Joshua Jackson ist halt auch noch irgendwie da, gefällt sogar noch am besten, woran das liegt? Ich habe keine Ahnung. Da kann das noch so gewollt klischeehaft gedacht sein, es bleibt einseitig beleuchtet und kaum zündend. Aber auch altbewährte Craven/Williamson-Motive finden wieder ihren Einsatz, als Beispiel es wird viel selbstzitiert und versucht Medienkritik zu üben, diese wirkt dennoch weitaus zu zahm und auch die Hollywood-Demontage misslingt deutlich sichtbar, das hatte er schon mal besser und bissiger drauf. Eine gewisse Faszination ist meinerseits jedoch auch hier nicht abzusprechen, wegen einzelner Versatzstücke anderer Craven Werke und um Parallelen zu ziehen.



So beugt sich doch interessanterweise Wes Craven in diesem Spätwerk "Verflucht" dem, dem sich der einstige Wes Craven nie beugen wollte und doch schafft er es zumindest in wenigen Passagen seine alte, eigene und eigenwillige Individualität durchstrahlenzulassen, doch dies rettet für mich das Endprodukt vor dem Durchschnitt des Genres nicht, zwar mit durchaus ironischer Beilage, aber dafür auch mit abstrusen Ausgang, obgleich man dies in Bezug auf Craven deutlich interpretieren könnte oder auch eben nicht. Demnach enttäuschend für mich in Anbetracht auf Craven.



4.5 / 10

Autor: Hoffman

Isos Meinung:

Ironisch-angestaubtes Pisswasser macht auf originellen Cranhoney Fresh; Altmeister Craven hat Lust auf Wölfe, verzettelt sich allerdings in abstrusem Unfug und womöglich altersdebilen Spielereien. Was macht der bloß? Wenn das altkörperlicher Stromnetzverbrauch ist, dann bitte ich um Erbarmen. Bitte nicht, du alter Sack. Und doch, zugegebenermaßen, finde ich „Cursed“ nicht ungemein schlecht, in Relation zu dem, was es heute sonst so gibt, und das ist des Öfteren sehr viel schlechter, sogar ganz nett; aber genau darin besteht doch der Fehler. Woher soll man ausweglosen Schund vom Positiven abgrenzen können, wenn doch nichts über Fadheit hinausgeht? Gar nicht, richtig. Schmerzvoller Blödsinn revolutioniert das Befriedigende und Scheiße wird das neue Gut. Ist es Zeit für neue Wertungsmaßstäbe, eine Revolution liebevoller Annahme, die Kuscheldecke? Hoffentlich nicht, ein bisschen Ehre darf man sich gerne noch bewahren.

3.5 / 10

Donnerstag, 3. Mai 2012

Das Schlachtfeld des atomaren Wahnsinns- Klassiker der Extraklasse: Hügel der blutigen Augen - The Hills have Eyes



Im Grunde gibt es genau zwei Dinge, von denen ich meinen würde, dass sie mich nach der neusten Ansicht von "The Hills have Eyes" wirklich störten, im Nachhinein. Einmal, dass mir wieder vor Augen geführt wurde, welch brillanter und kritischer Wes Craven, doch einst war, seine derzeitigen Werke halte ich größtenteils eher für durchwachsen und in Anbetracht eines Regisseurs wie Craven gar irgendwie enttäuschend. Andererseits die Tatsache, dass die deutsche Synchro (dies muss ich einfach erneut erwähnen) eine Verfälschung dieses Werkes darstellt und auf mein Raten absolut zu meiden wäre, außer man möchte sehen, wie eine einzige Synchro einen gesamten Film in fast jeder Intention zerstören kann. Das passiert wenn die deutsche Synchro zu Werke geht und aus von der Gesellschaft missachteten und von der Regierung im Stichgelassenen wie auch degenerierte Mutanten auf einmal Außerirdische werden, dies bestätigt auch wieder der deutsche Trailer und ich wiederhole es in aller meiner Deutlichkeit, wer diesen Film in jener Synchro schaut, ist bei "The Hills Have Eyes" von Wes Craven aus dem Jahre 1977, letztlich selber Schuld.




Denn so übersieht man auch hier schnell den zeitlichen Kontext und den kritischen Anteil jenes Films wie auch die brisanten Eigenschaften der Handlung, wobei Craven so abgeklärt ist, das er sich zunächst erstmal einer dieser perfekten Klischeebilder der amerikanischen Arbeiterfamilie zur Seite legt, vom pensionierten Polizisten in der dominierenden Rolle des Vaters, bis zu den rettenden Schäferhunden. Des Menschen Freund und Helfer. Grandios. Reihenweise werden Klischees hierbei durchexerziert, wobei so Cravens Charaktere einen überspitzen Charme beinhalten und als Zuspitzung des Ganzen werden uns jene Mutanten präsentiert, wobei Craven auch in deren Gestaltung Humor und kritische Ansätze beweist und man so bei genauerem gemeinsamen philosophieren sogar durchaus faszinierende Parallelen zum Vietnamkrieg wie auch jene Methode dessen ziehen kann. Zugleich geht aber Craven auch kritisch ins Gericht mit der amerikanischen Regierung wie auch der Atompolitik Amerikas, in  jenen Zeiten, wodurch sich dies auch auf das Verhalten und den Hass der Entstellten auswirkt. Von jeglicher Hilfe entbehrt und so nach dem Blut jener dürsten, um ihren inneren Kannibalismus zu näheren und ihre Wut zugleich zu stillen, wobei sich Craven dabei auch von der Geschichte des Alexander "Sawney" Bean und seiner Familie scheinbar inspirieren ließ. Geschrieben steht Satire, immer wieder mit teils amüsanten, teils faszinierend-blutigen Metaphern und einer durchaus hintergründigen Symbolik. Insgesamt erschreckend und im zeitlichen Kontext mehr als brisant. Die Folgen der atomaren Versuchung. Dabei rüstet er sich erneut gegen die Konventionen des damaligen Hollywoodkinos und bleibt seinen minimalistischen Erzählstil doch treu, obgleich nochmal besonders der Abschluss des Films dieses Brechung der Konventionen verdeutlicht, wenn sich im Sinne des Zuschauers das Bild sich in ein rotes Gewand verwandelt und man beginnt die grausamen Ereignisse jener groben und intensiv gefilmten Bilder zu verarbeiten. Obgleich Cravens "The Hills Have Eyes" doch eine gewisse Zeit braucht um seinen Terror vollkommen zu entfesseln und gerade dies ist für heutige Sehgewohnheiten doch gewöhnungsbedürftig, dennoch stilecht setzt Craven seine wohl dosierten Schockmomente ein, jedenfalls meinerseits wirkungsvoll zu Tage gebracht, bevor er kurzum erneut zeigt in der Gewalt liegt der Terror und stellt diesen in einem fast schon zynischen Ton-  rau und ohne Kompromisse - dar. Ernüchert in Hinsicht des Terrors, statt ihn wie heutige Genrekollegen zu glorifizieren und darin lag für mich gerade die Faszination des Grauens, obgleich mein Interesse allein schon des kargen und steinigen Settings in den unheilvollen Hügeln geschuldet ist, was Cravens Film aufgleich eine besondere Intensität in der Ausführung gibt, die Kamera (Eric Saarinen) leistet insofern ganze Arbeit und die Atmosphäre wird stimmig in Szene gesetzt. Effektiv wird auch der nervenzerrende wie auch drastische Score zum Einsatz gebracht, welcher jenen einnehmenden Stil erneut bestärkt. Wobei Wes Craven in seiner Konsequenz das Grauen gleichauf reflektiert mit schonungsloser Gewalt, welche mich bis zum Schluss nicht losließ und auf eine drastische Art den Zuschauer (somit mich) verstört und letztlich irgendwie ratlos zurücklässt mit den schockierenden Bildern, seiner Zeit beileibe revolutionär inszeniert, obwohl dies für vielerlei wahrscheinlich aus heutiger Sicht schwer zu betrachten ist oder gar zugänglich. Verständlich, dennoch meine ich sollte man Cravens Werk nicht mit dem Horrorkino der heutigen Zeit vergleichen, aus meiner Sicht wäre dies absurd.



In meinen Augen insofern ein prägendes Stück Terrorkino, was Wes Craven mit "The Hills Have Eyes" schuf. Auch hier schafft er es mit einfachsten Mitteln das pure Grauen zu kreieren und nebenbei noch eine clever-satirische Auseinandersetzung mit den zeitlichen Konflikten, Themen und Interessen der siebziger Jahre darzustellen, demnach gepflastert von faszinierenden Metaphern. Dennoch heutzutage gewöhnungsbedürftig in der Erzählstruktur, aber doch von langer Nachwirkung geprägt, so wie auch letztlich mehr als sehenswert.


7.5 / 10

Autor: Hoffman